1. Startseite
  2. Lokales
  3. Uslar / Solling
  4. Uslar

Köstliche Knollen im Uslarer Museum

Erstellt:

Kommentare

Ein Pferdegespann mit Kartoffelhaspel in den 1950er-Jahren im Solling zeigt dieses Foto von der Ernte.
Ein Pferdegespann mit Kartoffelhaspel in den 1950er-Jahren im Solling zeigt dieses Foto von der Ernte. © Stadtarchiv Uslar

Im Uslarer Museum ist noch bis 23. Oktober eine Sonderausstellung über die Geschichte der Kartoffel im Solling zu sehen.

Uslar – Berühmt ist bis heute die Geschichte, wie Friedrich der Große die Kartoffel in Preußen einführte, aber auch bei uns, im Kurfürstentum Hannover, förderte die Regierung im 18. Jahrhundert den Anbau der „Erd-Aepfel oder Ertuffeln“. Auch im Solling entwickelten sich daraufhin die Kartoffeln zu einem wichtigen Bestandteil des Speiseplans. Besonders für die ärmere Bevölkerung spielte diese neue Feldfrucht eine wichtige Rolle in der Ernährung.

Deshalb herrschte auch hier große Not als in der Mitte der 1840er-Jahre die Kraut- und Knollenfäule erstmals auftrat. Die Zeitgenossen standen der „Kartoffelpest“ zunächst hilflos gegenüber und mussten mit ansehen, wie die Ernte auf den Feldern verfaulte. Die Regierung forderte die Bauern auf, Proben der faulen Kartoffeln zur Untersuchung nach Hannover zu schicken und sandte gesunde Pflanzkartoffeln aus Nienburg in den Solling.

Trotzdem hungerten viele Sollingbewohner in diesen Jahren und nicht wenige hofften auf ein besseres Leben in Amerika. Von Bremerhaven aus fuhren sie mit Auswandererschiffen über den Atlantik, auf den Kontinent, von dem die Kartoffel ursprünglich stammt.

Aus diesen Jahren des Hungers berichtet die Landfrau Engelchristine aus Fredelsloh, die damals noch ein Kind war: „Wenn wir allzusehr über Hunger klagten, rückte [mein Bruder] ein paar rohe Kartoffeln heraus, die er in Scheiben schnitt und an die heiße Ofenplatte backte, wo sie dann langsam rösteten. Darauf fielen sie von selber ab und mußten nun mit der andern Seite wieder angeklebt werden.“ Hier liegen die Ursprünge der „Peker“ (von plattdeutsch peken = kleben), die heute in ihrer aufgewerteten Form mit Pekermett, Gurken, Zwiebeln und Butter als eine Spezialität des Sollings gelten.

Als die Spiegelhütte in Amelith in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, betraf das zunächst die weniger hochqualifizierten Glasarbeiter in Polier. Dort ernährten sich die verarmten Bewohner des Dorfes fast nur noch von Kartoffeln.

Laut Heinrich Sohnrey gab es dort vielfach schon zum Frühstück Puffer oder aufgekochte Kartoffeln vom Vortag, zum Mittag Klümpe (Kartoffelklöße), nachmittags Eisenkuchen aus Kartoffeln und abends wieder gekochte Kartoffeln. In Anspielung auf die große Eisenpfanne, in denen die Puffer bruzzelten, sagte man auch allgemein über arme Leute im Solling: „Bei denen guckt der Pfannenstiel aus der Haustür!“

Auch wenn die Kartoffel als Essen der armen Leute galt, sah man bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg einen ausreichenden Vorrat von Kartoffeln im Keller als „Versicherung“ an, um gut über den Winter zu kommen. Oft wuchs der Jahresvorrat noch im eigenen Garten, wo er einen Großteil der Anbaufläche einnahm.

Die Kartoffel war allerdings nicht nur wichtig für die Ernährung der Menschen, sondern auch für die Fütterung des Viehs. Besonders die Schweinemast war früher ohne Kartoffeln praktisch undenkbar. Wer sich ein Schlachteschwein für den Eigenbedarf fütterte, kochte die Kartoffeln im „Schweinepott“ auf dem Küchenherd.

Die größeren Bauern ließen große Mengen Kartoffeln in mobilen Anlagen dämpfen und lagerten die gegarten Kartoffeln in Silos ein. Zusammen mit zerkleinerten Runkeln, etwas Schrot und Küchenabfällen entstand so das tägliche Schweinefutter.

Die Öffnungszeiten

Die Sonderausstellung „Die köstliche Knolle. Die Geschichte der Kartoffel“ ist noch bis zum 23. Oktober im Museum Uslar zu sehen. Sie basiert auf einer Ausstellung des Museums im Schäferhaus Lippoldsberg und ist um weitere Fotos und Exponate aus dem Raum Uslar ergänzt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag sowie Samstag und Sonntag jeweils von 15 bis 17 Uhr, Freitag von 10 bis 12 Uhr. (Daniel Althaus)

Auch interessant

Kommentare