Kein Überweisungsterminal mehr in Uslar

Kritik am Abbau von Automaten bei der Volksbank Solling

Uslar. Kritisch verfolgen Kunden der Volksbank den Rückbau von Automaten wie den Überweisungsterminal in der Geschäftsstelle Uslar. Der Vorstand sieht das als Reaktion auf verändertes Kundenverhalten.

Einer der Kritiker ist Lars Behrend (Bollensen). Er hat sich im Zusammenhang mit der Ankündigung der Bank gemeldet, die Geschäftsstelle Uslar für über eine Million Euro zu modernisieren.

Behrend sagt, wer investiert, mache sich zukunftsfähig, merkt aber auch an, dass ein Teil des Geldes in Kommunikationsseminare und Kundenservice gesteckt werden sollte: „Es ist ein Unding, dass Selbstbedienungsautomaten wie Überweisungsterminals und Auszugsdrucker Zug um Zug zurückgebaut wurden und schließlich der letzte verbliebene Überweisungsautomat erst lapidar für defekt erklärt und nunmehr ganz aufgegeben wurde.“ So nötige man Kunden, teure papiermäßige Überweisungen zu tätigen oder ins Online-Banking zu wechseln. Kundenbindung sehe für ihn anders aus: „Hoffentlich halten die Auszahlungsautomaten durch, nicht dass man sich sein Geld irgendwann selbst ausdrucken muss.“

Die Volksbank begründet ihren Schritt damit, dass sich durch das Internet auch die Zugangswege zu den Banken veränderten: Online-Überweisungen verdrängten zusehends Überweisungen in Papierform wie auch die ohnehin nur sporadisch genutzten Überweisungsterminals.

Weniger Auszüge auf Papier

Kontoauszüge würden zusehends in den elektronischen Postkorb eingestellt. Ebenso sei die Nachfrage nach Bargeld rückläufig, die Bezahlung mit Karte oder die Abhebung von Bargeld an einer Supermarktkasse lasse die Anzahl an Bargeldabhebungen an den Automaten kontinuierlich sinken.

Die Volksbank habe auf die Nutzungsquoten reagiert und die Ausstattung der Technik auf einen angemessenen Standard angepasst und sieht darin einen angemessenem Einsatz der Ressourcen, um eine gesunde Genossenschaftsbank zu bleiben. 

Volksbank zufrieden mit 2017

Die Volksbank Solling hat das Geschäftsjahr 2017 trotz schwieriger Rahmenbedingungen erneut erfolgreich abgeschlossen. Das berichten die Vorstände Dirk Hesse und Daniel Scholz und ziehen Bilanz. Sie weisen nicht nur auf den finanziellen Erfolg, sondern auch auf die Rolle der Volksbank als Steuerzahler (1,25 Millionen Euro) und als Förderer von Vereinen, Verbänden und anderen gemeinnützigen Institutionen durch Spenden, Sponsoring und Sachmittel in Höhe von mehr als 70.000 Euro hin. 

Darüber hinaus erwartet der Vorstand, dass die Ertragslage weiterhin durch die Niedrigzinsphase und durch weiter wachsende Regulierung im Bankenmarkt geprägt werde. Zudem spiele die Digitalisierung eine zunehmende Rolle mit einem veränderten Kundenverhalten, auf das sich einzustellen sei. Bilanz: 402 Millionen Euro Zur finanziellen Entwicklung berichten Hesse und Scholz, dass die Volksbank Solling 2017 mit einer Ausweitung des bilanzwirksamen Kreditgeschäftes um 7,5 Prozent und einer Steigerung der Kundeneinlagen um 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert ein gutes Ergebnis erreicht habe. 

Die Bilanzsumme habe sich um knapp 5,8 Prozent auf rund 402 Millionen Euro erhöht, das Eigenkapital von 31,3 Mio. auf 33,2 Mio. Euro. Im Kreditgeschäft konnten nicht nur Tilgungen und Fälligkeiten ausgeglichen werden. Insgesamt wurden 42,6 Mio. Euro neue Darlehen gewährt, heißt es. 

Der Anstieg der Kundeneinlagen um 19 Mio. Euro spiegele das weiterhin hohe Sicherheitsbedürfnis der Mitglieder und Kunden und das Vertrauen in ihre Volksbank wider. Im provisionsabhängigen Geschäft habe die Bank die Vorjahreswerte insgesamt leicht verbessern können. Das treffe auch, trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase, auf den Zinsüberschuss zu, der sich um 278 000 Euro erhöht habe. Die Kosten seien in allen Bereichen leicht verringert worden. 

Die beiden Volksbank-Vorstände bekräftigen, dass sich die Bank neuen Herausforderungen, vor allem was das Kundenverhalten angehe, stelle: Der heutige Kunde sei anspruchsvoller, informiere sich selbst und bringe sich aktiv ein. Auf der anderen Seite sei er ungeduldiger und fordere flexiblen Zugriff – unabhängig von Endgeräten und Öffnungszeiten. „Kunden lassen sich dabei von ihren Bedürfnissen leiten, sie denken nicht in Prozessen. 

Für sie spielt es keine Rolle, wie etwas im Hintergrund abläuft, so lange sie die Lösung möglichst einfach, schnell und in gewünschter Qualität erhalten.“ Deshalb sei die Volksbank wie alle anderen regionalen Banken gefordert, ihre geschäftliche Ausrichtung konsequent weiterzuentwickeln und auf das veränderte Kundenverhalten auszurichten.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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