Es ging um ein Auto im Wert von 11.000 Euro

Weihnachts-Verlosung manipuliert: Stadt-Mitarbeiterin muss gehen

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Uslar. Der Verdacht hat sich bewahrheitet: Nach den Manipulationvorwürfen bei der Weihnachts-Hauptpreisverlosung in Uslar muss eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung gehen.

Ein nagelneues Auto im Wert von 11.000 Euro: Das sollte der Hauptgewinn der jüngsten Weihnachtsverlosung der Stadt Uslar sein. 250 Besucher hatten Ende Dezember am historischen Rathaus die Losziehung für den Hauptpreis verfolgt. Statt eines glücklichen Gewinners gab es allerdings am Mittwoch ein Nachspiel vor dem Arbeitsgericht Göttingen.

Eine Mitarbeiterin der Stadt Uslar, die für die Organisation der Weihnachtslotterie zuständig gewesen war, klagte dort gegen ihre fristlose Kündigung. Die Verwaltung hatte ihr Ende Januar gekündigt, weil der Verdacht bestand, dass es bei der Verlosung des Hauptpreises zu Manipulationen gekommen war. Am Ende einigten sich die Parteien darauf, die fristlose in eine fristgerechte Kündigung umzuwandeln.

Die Mitarbeiterin hatte, obwohl sie selbst die Organisatorin der von der örtlichen Wirtschaft gesponserten Weihnachtslotterie war, auch diverse Lose für sich und ihre Familie gekauft.

Laut dem Anwalt der Stadt Uslar hatte die Frau dem Bürgermeister per Whatsapp schließlich mitgeteilt, dass sie beziehungsweise ihre Familie den Hauptgewinn gewonnen habe. Zwei Tage später präsentierte sie dann aber einen anderen Gewinner: einen jungen Studenten aus Kassel.

Der Artikel wurde aktualisiert um 19 Uhr.

Dieser Student aber soll laut Gericht der Lebensgefährte einer der Töchter der städtischen Mitarbeiterin sein. Als die Verwaltung den Fall prüfen wollte, stellte sich heraus, dass die Mitarbeiterin die Lostrommel mit nach Hause genommen und bereits einen Großteil der Lose im Altpapier entsorgt hatte.

Der Richter wies darauf hin, dass die von der Stadt vorgelegten Verdachtsmomente nicht konkret genug seien, um eine fristlose Kündigung aussprechen zu können. Da es keine Dokumentation über den Losverkauf gegeben habe, sei unklar, wie viele und welche Lose verkauft wurden, so dass eventuelle Manipulationen nicht nachweisbar seien. Außerdem habe es keine Vorgabe gegeben, dass Mitarbeiter vom Loskauf ausgeschlossen seien.

Angesichts dieser schwierigen Beweislage stimmte die Stadt einem Vergleich zu. Dieser sieht vor, dass die Mitarbeiterin fristgerecht zum 31. März ihre Kündigung erhält und bis dahin bei fortlaufenden Bezügen von der Arbeit freigestellt ist. Außerdem erhält sie eine Abfindung von 8000 Euro.

Dafür verzichtet die Frau beziehungsweise ihre Familie auf den vermeintlich gewonnenen Hauptpreis, das Auto. Die damals gezogene Losnummer 1713 hat niemandem Glück gebracht.

Bürgermeister Torsten Bauer: Das Auto ist noch da

Von einem Widerrufsvergleich, den die Stadt Uslar vor Gericht mit der Mitarbeiterin im Zusammenhang mit der Weihnachtsverlosung geschlossen hat, spricht Uslars Bürgermeister Torsten Bauer.

Die Frist dafür laufe am 9. März ab. Der Bürgermeister sagte, er wolle, dass dieser Vergleich hält. Er spricht von einem Weg zu einer einvernehmlichen Lösung für die Situation und möchte vorerst keine weitere Stellungnahme zu dem Gerichtstermin mehr abgeben.

Allerdings antwortete Bauer auf die nun alles entscheidende Frage: Was passiert denn mit dem Hauptpreis, dem nagelneuen Auto?

Der Wagen steht noch in Uslar, bestätigte der Bürgermeister. Und der junge Student, der als Gewinner ausgegeben wurde, habe auf eine Übereignung verzichtet.

Torsten Bauer kündigte an, dass er für die Stadt und mit der Wirtschaftsvereinigung Region Uslar, mit der zuletzt die Weihnachtsaktivitäten in Uslar wie der Weihnachtsmarkt und die Verlosung gemeinsam veranstaltet wurden, Gespräche darüber führen werde, was mit dem Auto geschehen soll.

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