Ehemalige Uslarerin ärgert sich über Unrat

Missstände am Meinteweg: In Uslar wird immer häufiger Müll illegal entsorgt

Der am Meinteweg in Uslar ist zu einem illegalen Müllabladeplatz geworden.
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Der am Meinteweg in Uslar ist zu einem illegalen Müllabladeplatz geworden. Überall liegt Unrat.

Der Meinteweg in Uslar führt hinter den Einkaufsmärkten der Wiesenstraße und am Sportplatz der August-Kerl-Kampfbahn entlang. Er macht aber von sich reden als Weg voller Müll und Unrat.

Uslar – Auf die Problematik hat eine ehemalige Uslarerin hingewiesen und sich bei einem Besuch in ihrer Heimatstadt so über die Missstände im Meinteweg aufgeregt, der vor allem als Fußweg genutzt wird zwischen Innenstadt und Wiesenstraße, dass sie kurzerhand den Müll mit ihrer Mutter eingesammelt hat. Kurzerhand ist das falsche Wort: Der Einsatz dauerte zwei Stunden.

Spontane Aktion: Diesen Müllberg hat Rahel Meier, die aus Uslar kommt und länger schon in Kiel lebt, mit ihrer Mutter in zwei Stunden eingesammelt.

Wir haben das zum Anlass genommen, die Stadt und die Anlieger zu befragen. Denn eins ist klar: In Uslar besteht weiterhin die Straßenreinigungspflicht der Eigentümer der an öffentlichen Straße und angrenzenden bebauten und unbebauten Grundstücken. Die Reinigung ist in der Regel nach Bedarf mindestens jedoch einmal wöchentlich vorzunehmen, heißt es.

Zuerst berichtet Rahel Meier aus Kiel über ihren Besuch in Uslar und ihre Eindrücke aus ihrer Heimatstadt. Sie wohne schon seit 14 Jahren nicht mehr in Uslar, komme aber doch immer wieder gern in die Heimat, um ihre Familie zu besuchen und die „unglaublich schöne Gegend zu genießen, schreibt sie in einer E-Mail an die Stadt, zahlreiche Anlieger und die Heimatzeitung HNA Sollinger Allgemeine.

Seit einigen Jahren falle ihr jedoch eine zunehmende Vermüllung gewisser Ecken auf, schreibt sie und nennt als Beispiel den Meinteweg. Beim jüngsten Besuch spazierte sie jeden Tag mit ihren Töchtern über den Kreisel am Rewe vorbei durch den Meinteweg in die Innenstadt.

Rahel Meier: „Am siebten Tag war mein Ärger so groß, dass wir mit Bollerwagen, Müllzange und Handschuhen den Müll selbst auflasen. Für 300 Meter brauchten meine Mutter und ich zwei Stunden und befüllten insgesamt zwei große Eimer und vier blaue Müllsäcke mit Unrat.“

Dabei fragte sie sich, wer für das Sauberhalten zuständig ist. Dazu fielen ihr die Anlieger, die Märkte und der VfB Uslar ein. Ihr gehe es nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und einen Schuldigen zu finden. Vielmehr wünsche sie sich, „das Bewusstsein für die Umwelt vor der Tür zu stärken und dazu anzuhalten, Lösungen für dieses Problem zu finden.

Die Altkleidercontainer am Meinteweg sind wie vielerorts kleine Müllabladeplätze geworden. Wo etwas liegt, kommt schnell mehr Unrat hinzu.

Rahel Meier hat viele Ideen und nennt das Aufstellen von Mülleimern (mit Abdeckung und integriertem Aschenbecher), Bürgerinitiativen, eine intensive Aufklärungsarbeit sowie das aktive Umsetzen edler Absichten.

Denn die Stadt habe erklärt, bis spätestens 2030 klimaneutral werden zu wollen, und dem lokalen Rewe und Aldi seien das Thema Nachhaltigkeit wichtig, zitiert Rahel Meier Slogans wie „Wir übernehmen Verantwortung“ und „Begleite uns auf dem Weg, jeden Tag ein bisschen nachhaltiger zu werden.“ (Frank Schneider)

Anlieger haben ohne Ausnahme die Reinigungspflicht

Die Pflicht obliegt in Uslar dem Anlieger. So einfach ist das mit der Straßenreinigungspflicht in Uslar und seinen Ortsteilen.

Bürgermeister Torsten Bauer und Jennifer Ahrend von der Ordnungsverwaltung bestätigen auf Anfrage, dass es am Meinteweg in Uslar besonders schlimm ist mit dem Müll. Doch die Stadt könne keine Ausnahme machen. Allerdings könne sie vermehrt kontrollieren und auch eingreifen und schriftlich auf die Missstände und Pflichten hinweisen.

So appelliert der Bürgermeister an die Bürger, den Müll nicht einfach wegzuschmeißen. Jennifer Ahrend fügt hinzu, dass die Müllentsorgung mit Müllvermeidung beginnen müsse, besonders in Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Der Bürgermeister macht zudem das Problem Mülleimer aufmerksam: Fehlten sie, flögen zum Beispiel die Beutel mit Hundekot einfach durch die Gegend, würden sie aufgestellt, würden sie meistens für illegale Müllentsorgung missbraucht.

Unabhängig verweisen Bauer und Ahrend auf die Pflicht der Straßenreinigung, des Beschneidens von Bäumen und Sträuchern an Wegen und Fahrbahnen, die Auflagen bei der Tierhaltung, die allgemeine Lärmverhütung sowie den Winterdienst. Das alles ist über Verordnungen geregelt und abgesichert. Im Zusammenhang mit der Frühlingszeit verweist die Stadt auf die Reinigungspflicht vor der Tür und darauf, Büsche und Bäume zurückzuschneiden, damit sie nicht über die Grundstücke in den öffentlichen Verkehrsraum wachsen.

Zum Meinteweg können die Anlieger das Müllproblem nur bestätigen. Der VfB Uslar beispielsweise habe zuletzt Unmengen eingesammelt und kontrolliere regelmäßig den Wegrand zum Sportplatz. Zuletzt fanden die Helfer beim Aufräumen sogar Hundekotbeutel in den Bäumen hängend.

Der Hagebaumarkt und der Aldi-Markt berichten übereinstimmend, dass die von ihr beauftragte Firma nicht nur vor den Märkten, sondern insbesondere dahinter am Meinteweg jede Menge zu tun habe mit der Müllbeseitigung.

Geklagt wird in dem Zusammenhang, dass neben Hundekot vor allem viele Schnapsflaschen weggeworfen werden sowie Verpackung von Essen, das gerade gekauft und verzehrt wurde. Das Problem ist zudem, dass man an vorne wieder anfangen kann, wenn man hinten grade aufgehört hat, wie es Uslars Hagebau-Chef Ralf Köster formulierte. Er ziehe den Hut vor den Mitarbeitern der Reinigungsfirma.

Regionalverkaufsleiter Sebastian Pfeiffer (Wiensen) bestätigt, dass diese Firma auch für Aldi arbeite und sich um das Problem kümmere. Für Jan Kaiser vom Rewe-Markt erledigt diese Arbeit ein Hausmeister, der auch hinter dem Markt am Meinteweg im Einsatz sei.

Für Florian Zeike vom Vorstand des VfB Uslar ist der Meinteweg ein Schandfleck. Der Verein säubere regelmäßig, es sei aber den Mitgliedern, die dabei helfen, aber immer schwieriger zu vermitteln, so viel Müll von anderen wegzuräumen. (fsd)

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