Abenteuerlustig

Mit dem Mofa von Montpellier bis München: Studenten tourten über die Alpen

Panoramablick mit alten Mofas: Dominik Orgel (von links, 25, Hercules Prima, Bj. 1980) mit Robert Sauthoff (24, Hercules  P 3, Bj. 1974), Max Koch (21, Hercules Prima, Bj. 1980) und Sven Schädlich (23, NSU Quickly, Bj. 1956). Foto: Privat/nh

Uslar. Drei Studenten der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld um den früheren Uslarer Robert Sauthoff quälte die gemeinsame Urlaubsplanung. Wandern war zu langsam, Radfahren zu anstrengend. Deshalb entschieden sich die vier Männer zu einer Mofa-Tour über die Alpen.

Dominik Orgel, Max Koch, Sven Schädlich und Robert Sauthoff leben im Oberharz in einer Wohngemeinschaft und beschafften sich vor der Reise die Zweiräder mit Hilfsmotor.

Alle Mofas haben die angehenden Techniker vor dem Trip komplett in alle Einzelteile zerlegt, überholt und wieder zusammengebaut. Dann wurden die vier Mofas – drei Herkules und eine NSU Quickly – per Spedition nach Montpellier in Südfrankreich transportiert. Die vier aus der Wohngemeinschaft reisten mit dem Flugzeug von Frankfurt aus an und mussten die erste Nacht „recht unkomfortabel unter einer Brücke bei Montpellier“ verbringen, schildert der frühere Uslarer Gymnasiast Sauthoff kleine Probleme beim Abholen der Mofas von der Spedition. Von Montpellier aus waren sie mit Landkarten ausgestattet ohne Navigationsgerät über Port Camargue, Marseille bis St. Tropéz unterwegs. Ein älterer Mofa-begeisterter Franzose half beim Wechsel eines Kettenrades.

Klippen am Mittelmeer

Einen gerissenen Gas- und einen kaputten Kupplungszug reparierten die Männer selbst, ebenso einen verloren gegangener Krümmer. Werkzeug und Ersatzteile hatte das Quartett im Gepäck. Auf den Klippen über dem Mittelmeer schlugen sie wegen der tollen Aussicht ihr „schönstes Lager“ auf, schwärmt Sauthoff. Weitere Stationen waren die französischen Städte Nizza und Monaco sowie Vallecrosia, St. Remo und Genua in Italien. Am achten Tag zerriss es bei Moneglia Zylinder und Kolben der Mofa von Dominik Orgel. Auf einem Bürgersteig wechselten die Studenten die Teile. Bei La Spezia versagte die Orientierung ein wenig, Umwege wurden gefahren. Bei 35 Grad Celsius und 2400 Höhenmetern schoben die Männer ihre Mofas aus Angst vor weiteren Kolbenfressern sogar ein paar Kilometer weit.

Froh gelaunte „Mofa-Rocker“: Max Koch (von links), Robert Sauthoff, Dominik Orgel und Sven Schädlich. Foto: Privat/nh

Weitere Stationen waren La Savilia, Parma und Brescero. Beim Schweißen eines gebrochenen Kettenrades half ein freundlicher Italiener. Als später die Quickly von Schädlich einen Kolbenfresser hatte, wurde sie kurzerhand mit einem Schaufelstiel bis zum Lager am Gardasee abgeschleppt. Doch zu retten war sie nicht mehr.

Harzer Roller

Schädlich stieg in einen Fiat 500 um, seine zerlegte Mofa kam in den Kofferraum. Von Bozen über Meran erreichten die „Harzer Roller“ wie auf ihren Jeansjacken stand, bei durchschnittlich 15 bis 20 Stundenkilometern den Jaufen- und den Brennerpass in Österreich. Über Innsbruck ging es dann fast ohne Probleme bis nach München. „Der Zirler Berg war das steilste Stück“, sagt Robert Sauthoff nach 1681 Kilometern.

In München wurden die Mofas zerlegt mit dem Gepäck von allen in den Fiat verpackt. Zwei fuhren mit dem Kleinwagen nach Clausthal, zwei per Mitfahrgelegenheit. Fazit der Jungs: Eine tolle Tour mit vielen Abenteuern. (jde)

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