Ausstellung im Uslarer Museum: Unter Dampf - Geschichte der Eisenbahn

Volles Haus: Bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung über das Dampflokzeitalter zog es viele Besucher ins Museum.

Uslar. Die Eisenbahngeschichte im Solling lebt. Das erkennt man derzeit an einer neuen Sonderausstellung im Museum in Uslar über das Dampflok-Kapitel.

Und man erkennt es an den Bemühungen der Stadt, den früheren Bahnhof in Verliehausen zu einem Haltepunkt auf der Strecke Bodenfelde - Göttingen zu machen.

Uslars Bürgermeister Torsten Bauer sagte in seiner Ansprache zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Unter Dampf – Die Geschichte der Eisenbahn im Solling“, dass er es für einen großen Fehler halte, dass sich die Bahn in den letzten Jahren immer mehr aus der Fläche zurückgezogen habe. Er glaube zum Beispiel, dass der Pendlerbahnhof Verliehausen großes Potenzial habe, um Göttingen bequem zu erreichen. Und er glaube nicht, dass das Eisenbahnzeitalter in unserem ländlichen Raum vorbei sei, wenn eine kluge Bahnpolitik die Schiene wieder zur Schlagader des südlichen Sollings machte.

Die Ausstellung richtet ihren Blick auf das Zeitalter, als die Züge noch von Dampflokomotiven gezogen wurden. Vor 137 Jahren kam die Eisenbahn ins Uslarer Land, erinnerte der Bürgermeister und berichtete, dass die Kaufleute damals gar nicht begeistert waren. Sie befürchteten, dass ihre Kunden mit dem Zug nach Göttingen zum Einkaufen fahren würden. Und der Bahnhof sollte nicht zu nah am Stadtkern sein, weil die Abgase die Luft in der Stadt verpesten könnten. Der Bahnhof in Allershausen erwies sich dann aber auch nicht als optimale Lösung, weil der Fußweg dorthin viel zu lang ist. Bald aber schon profitiert die Region von der Bahn: Aus dem einstigen Armenhaus wurde ein kleines prosperierendes Industrierevier.

Die Erinnerung an die letzten Dampflokjahre halten die Fotos von Volker Siewke wach. Er stammt aus dem Landkreis Osterode und hielt seinerzeit die letzten Fahrten der Dampfloks auf Fotos fest. Ihn ließ das Eisenbahnfieber nicht mehr los. Er ist heute Lokführer in einem ICE. Er sagte, dass es ihn am meisten freue, dass seine Schätze hier gezeigt werden können.

Siewke schilderte nicht nur die Bedeutung der Bahnlinien in Bezug auf die politische Großlage. So kam auf die Ost-West-Achse nach der Wende wieder mehr Bedeutung zu, allerdings nicht auf die Strecke von Uslar aus in den Westen. Siewke selbst befand sich an Bord, als der letzte Dampfzug fuhr: Er schippte Kohlen. Das war am 29. Mai 1976. Tagsdrauf ersetzten zwei Dieselloks die Dampflokomotive.

Auch Siewke bedauerte den Rückbau der Bahn auf dem Land und den Verfall alter Bahnanlagen. Uslar mache da mit dem Kulturbahnhof eine rühmliche Ausnahme.

Dass die Eisenbahn nach wie vor fasziniert, wurde schon vor der Ausstellung, die aus dem Northeimer Museum kommt, deutlich. Viele Bürger kamen, um ihre Geschichte von der Eisenbahn zu erzählen. (fsd)

 

Sonderausstellung im Museum Uslar „Unter Dampf - Die Geschichte der Eisenbahn im Solling“ vom 19. April bis zum 21. Juni; Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags 15 bis 17 Uhr, freitags von 10 bis 12 Uhr, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr. Weitere Informationen: Touristik-Information, Tel. 05571-307220, Internet: www.uslar.de

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