Neue Lunge bescherte Anke Zahlmann ein zweites Leben

Zehn Jahre Leben mit neuer Lunge: Mit Hündin Milka bewegt sich Anke Zahlmann viel an der frischen Luft und macht ausgiebige Spaziergänge. Foto: Porath

Uslar. Am 10. April 2005 begann Anke Zahlmanns zweites Leben. Die Uslarerin bekam in der Medizinischen Hochschule Hannover eine Spenderlunge transplantiert.

„Ich betrachte jeden Tag als Geschenk“, sagt die 47-jährige Mutter zweier erwachsener Töchter heute und appelliert an ihre Mitmenschen, sich zur Organspende bereit zu erklären.

Als ihr der Arzt 2004 eröffnet habe, dass sie ein Kandidat für eine neue Lunge sei, habe sie sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden können, sagt Anke Zahlmann. „Ich bestimmt nicht“, so sei ihre erste Reaktion auf die Prognose gewesen, die eine Zäsur in ihrem Lebens- und Leidensweg bedeutete und ihr ganzes Leben veränderte.

Es war ein Zufallsbefund. Nach einem hartnäckigen Husten 1991 röntgen die Ärzte Anke Zahlmanns Lunge und stellten auffällige Flecken fest, so genannte Herde. Erst nach einer Blutuntersuchung wurde eine allergische Erkrankung der Lunge (allergische Alveolitis) festgestellt, ausgelöst vermutlich durch den hauseigenen Wellensittich.

Zahlmanns schafften den Vogel ab und zogen in eine neu erbaute Wohnung, um jegliche Belastung mit Allergenen dieser Art auszuschließen. Mit Cortison behandelt kam die Entzündung zum Stillstand, es folgten die Heirat und Geburt zweier Mädchen.

Doch die Krankheit kam zurück. 1998 entdeckte man neue Herde in der Lunge, die Diagnose lautete jetzt idiopathische Lungenfibrose. Anke Zahlmann bekam kaum noch Luft, brauchte ständig Sauerstoff, weil die seltene und häufig tödlich verlaufende Erkrankung langsam ihre Lunge zerstörte.

Die Situation der gelernten Arzthelferin verschlechterte sich zunehmend. 2003 fiel ein Lungenflügel zusammen, sie erlitt einen Pneumothorax und musste operiert werden. Dass Anke Zahlmann bereits im Frühjahr 2005 eine neue Lunge bekam, war keine Selbstverständlichkeit. Denn die normale Wartezeit der Patienten beträgt 2,5 Jahre. Weil sie aber so schwer erkrankt war, dass ihr Leben als akut gefährdet galt, bekam sie den Status „Hoch dringlich“ und wurde direkt in die Medizinische Hochschule Hannover eingewiesen, um dort auf die OP zu warten. Der Abschied von ihrer Familie fiel schwer. „Schließlich wusste ich nicht, ob ich wieder nach Hause komme“, erinnert sich Zahlmann.  

Die Operation gelang, heute gehört sie zu den Langzeittransplantierten und hat sich sogar zur Transplantationsbegleiterin ausbilden lassen, die anderen Transplantierten in der Zeit vor und nach der OP helfen kann. Dass sie so lange überlebt hat, ist nicht selbstverständlich. Denn die Transplantierten müssen ihr Leben umstellen, Infektionen vermeiden und täglich bis zu 50 verschiedene Medikamente einnehmen, damit ihr Körper das fremde Organ nicht abstößt.

Anke Zahlmann ficht das nicht an. Sie freut sich jeden Tag, dass sie ihre Kinder aufwachsen sehen konnte und dass ihr Leben wieder lebenswert ist. Das möchte sie auch anderen Menschen ermöglichen, die wie sie ein neues Organ zum Überleben brauchen und das ist der Grund, warum sie ihre Geschichte öffentlich macht.

Hintergrund: Spendenbereitschaft bleibt auf niedrigem Niveau

Viele Patienten sterben, bevor ein geeignetes Organ für sie zur Verfügung steht, erfährt Anke Zahlmann als Transplantationsbegleiterin. Ein Grund dafür ist, dass es nicht genügend Organspender gibt.

Laut offizieller Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) unter dem Vorsitz von Dr. Axel Rahmel, einem gebürtigen Uslarer, gab es im Jahr 2014 bundesweit 864 Organspender. Dem gegenüber standen am 1. Januar 2015 laut Eurotransplant 10 585 Patienten, die auf ein Spenderorgan warteten. Gespendet werden können neben Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse oder Darm auch zahlreiche Gewebe.

Im Jahr 2012 war die Organspendebereitschaft um 16,3 Prozent und 2013 noch einmal um 12,8 Prozent eingebrochen. Hilfsorganisationen rufen deshalb dringend dazu auf, sich als Organspender registrieren zu lassen und einen Organspendeausweis auszufüllen.

Nähere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite der DSO unter www.dso.de. Den gemeinnützigen Verein, für den Anke Zahlmann als Transplantationsbegleiterin tätig ist, können Interessierte unter www.transplantationsbegleitung.de unterstützen.

Von Gudrun Porath

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