Neue Bilanz

Ökostrom im Uslarer Land auf dem Vormarsch

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Hermann Wegener hat die aktuellen Daten ermittelt. Die detaillierte Ökostrom-Bilanz ist im Internet zu finden unter zu.hna.de/stromuslar17. 

Der Anteil des in Uslar erzeugten Ökostroms im Stromnetz der Stadt ist von 2012 bis 2017 von 31 auf 57 Prozent gestiegen. 

Das geht aus der neuesten Energiebilanz der Arbeitsgruppe „Intelligente Energienutzung“ hervor. „Wir können mit der Entwicklung zufrieden sein, aber ich bin überzeugt davon, dass da noch erheblich mehr geht“, sagt Hermann Wegener, der sich in der Arbeitsgruppe seit ihrer Gründung im Jahr 1998 ehrenamtlich engagiert.

„Unter dem Stichwort Agenda 21 wurden damals in Uslar mehrere Arbeitsgruppen gegründet, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigten und Projekte vorangetrieben haben“, erklärt Wegener, der die umfangreichen Daten ermittelt und ausgewertet hat. „Und unsere Gruppe ist die einzige, die übrig geblieben ist.“

Bei der Steigerung des prozentualen Anteils des Ökostroms sei zu beachten, dass von 2012 bis 2017 die gesamte, von den Stadtwerken und der EAM vertriebene Strommenge von 57 Millionen auf 49 Millionen Kilowattstunden gesunken sei, betont Wegener, der früher als Entwicklungsingenieur in der ehemaligen Sollinger Hütte gearbeitet hat. Als Gründe dafür vermutet er den gestiegenen Eigenverbrauch der jeweiligen Betreiber aus Energieerzeugungsanlagen vor Ort, Stromsparmaßnahmen der Verbraucher und einen Rückgang des Strombedarfs in der Wirtschaft.

Mit 11,8 Millionen Kilowattstunden (42 Prozent) Einspeisung haben die fünf Biogasanlagen den größten Anteil am Uslarer Ökostrom. Diese „tolle Leistung“ sei insbesondere den beiden Öko-Dörfern Verliehausen und Sohlingen zu verdanken, sagt Wegener.

Die Einspeisungen aus fünf Windkraftanlagen lag 2017 mit rund 6,6 Millionen Kilowattstunden (24 Prozent des Ökostroms) knapp vor der Einspeisung aus 528 Photovoltaikanlagen. Diese produzierten bei einer Gesamtspitzenleistung von 10 224 kWp rund 6,3 Millionen Kilowattstunden, was 22 Prozent des Ökostromanteils entspricht. Die zwölf Wasserkraftanlagen in Uslar spielen laut Wegener eine nicht so große Rolle, erzeugten aber immerhin rund eine Million Kilowattstunden.

Als man vor 20 Jahren in Uslar begonnen habe, die Menschen für den Ökostrom zu begeistern, habe man sich nicht vorstellen können, dass man so schnell vorankommen würde, freut sich Wegener. Allerdings sei davon auszugehen, dass das Potenzial an interessierten Privatinvestoren mittlerweile ausgeschöpft sei, auch wenn 2018 noch einige weitere Photovoltaik-Großanlagen hinzugekommen seien.

Wegener würde es begrüßen, wenn die Stadt Uslar nach dem Vorbild des Bürgersolarkraftwerks auf der TSG-Sporthalle künftig selbst Ökostromprojekte in die Wege leite, an denen sich möglichst viele Bürger beteiligen können. „Damit kämen wir nicht nur dem ehrgeizigen Ziel näher, die Stadt Uslar von andernorts produziertem Strom unabhängig zu machen. Man würde auch die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen und den Wirtschaftsstandort Region Uslar stärken.“

Und Wegener hat noch einen weiteren Wunsch: Der 79-Jährige möchte seine ehrenamtliche Tätigkeit in jüngere Hände legen und sucht einen Nachfolger. „Vielleicht wäre das ja was für den neuen Uslarer Klimaschutz-Manger“, sagt Wegener und schmunzelt.

Nils Fiebekorn, der seit Januar dieses Jahres im Amt ist, sieht wie Wegener die Notwendigkeit, künftig bei Klimaschutzprojekten auf Bürgerbeteiligung zu setzen. Um das zu erreichen, könne er aber nicht die Aufgaben des Arbeitskreises übernehmen, sagte er auf HNA-Anfrage. Vielmehr sei er auf dessen Unterstützung angewiesen.   

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