Mitgliederentwicklung der Kirche

Pastorin Jasper aus Uslar: „Müssen zu den Leuten“

Uslar. Die Anzahl der Mitglieder im Kirchenkreis Leine-Solling ist auch im vergangenen Jahr wieder gesunken

Betroffen ist auch die St.-Johannis-Gemeinde in Uslar – Pastorin Astrid Jasper erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung, woran das liegt und was sich ändern muss.

Ein großes Problem sieht Jasper bei den Sterberaten. „Von 2008 bis 2018 ist die Zahl unserer Gemeindemitglieder von 5500 auf 4500 gesunken“, bedauert sie. Gegen den demografischen Wandel könne die Kirche allerdings nicht viel ausrichten, so die Pastorin.

Anders sieht die Situation bei den eigentlichen Austritten aus. „In den vergangenen zehn Jahren haben wir konstant zwischen 25 und 34 Ausstiege verzeichnet“, berichtet sie. Dafür entscheiden sich aber auch jährlich sieben bis acht Leute bewusst für einen Kircheneintritt; darüber hinaus erhält die Gemeinde Zuwachs durch einige Taufen. „Insgesamt hält es sich so die Waage“, sagt Jasper.

Geld spielt eine Rolle

Dennoch: „Jeder einzelne Austritt ist ein Verlust“, sagt die 57-Jährige. Oft treten jüngere Menschen aus der Kirche aus, weil sie so die Kirchensteuer sparen können, sagt Jasper. Gerade in der Region der Gemeinde, die eher zu den ärmeren Gegenden in Deutschland zähle, müssten viele Menschen sparen. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen die Menschen zwar bewusst aus der Kirche austreten, in der Gemeinde aber weiterhin sehr engagiert sind.

Die St.-Johannis-Gemeinde versucht, den Austritten entgegenzuwirken. „Jeder, der austritt, erhält ein Schreiben. In diesem bieten wir persönliche Gespräche an“, so Jasper. Diese werden aber kaum genutzt. „Meistens ist die Entscheidung endgültig.“

Die Gemeinde versuche, auf die Bedürfnisse ihres Gebietes einzugehen. „Wir müssen uns davon lösen, dass der Gottesdienst der zentrale Teil unserer Arbeit ist“, sagt Jasper. „Die Leute müssen nicht zur Kirche kommen, sondern wir auch zu den Leuten.“

Betreuung im Fokus

Daher stehe in Uslar und Umgebung die Betreuung der Gemeindemitglieder im Fokus. „Der Kontakt und die Verbindung zu den Leuten ist ungeheuer wichtig“, sagt Jasper. Die Gemeinde bietet Kindergottesdienste an und unterstützt mit den Einnahmen aus ihrem Laden „Jacke wie Hose“ sozial schwache Familien und Kinder. Dass die Zukunft eine Herausforderung ist, dem sind sich Jasper und auch Vikar Martin Wagner bewusst, sagen sie. Doch gerade die Suche nach dem, was ihre Gemeinde brauche, mache die Kirche stark.

Von Daniel Zander

Rubriklistenbild: © Foto: Daniel Zander

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