Noch keine Entscheidung gefallen, was mit dem Auto geschehen soll

Polizei nimmt Ermittlungen wegen der Weihnachtsverlosung in Uslar auf

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Manipulation bei der Uslarer Weihnachtsverlosung: Nun nimmt die Polizei die Ermittlungen auf.

Uslar/Northeim. Nicht die Staatsanwaltschaft, aber dafür die Polizei hat im Fall des Verdachts der manipulierten Weihnachtsverlosung in Uslar die Ermittlungen aufgenommen. 

Das bestätigte Polizeisprecher Uwe Falkenhain von der Polizeiinspektion Northeim-Osterode auf Anfrage der HNA. Das dritte Fachkommissariat der Polizeiinspektion Northeim-Osterode habe die Ermittlungen aufgenommen. Die Polizei habe durch die Berichterstattung der HNA von dem Fall Kenntnis erlangt und dann von Amts wegen am 18. Februar die Ermittlungen eingeleitet, sagte Falkenhain. Es gehe um den Verdacht des Betrugs und der Untreue.

Die betroffenen Personen werden in den nächsten Tagen von der Polizei angehört.

Das sagt die Wirtschaftsvereinigung Region Uslar

Die Wirtschaftstvereinigung Region Uslar begrüßt auf Anfrage der HNA die zügige Beendigung des Verfahrens vor dem Arbeitsgericht im Zusammenhang mit dem Verdacht der Manipulation bei der Uslarer Weihnachtsverlosung. Vorsitzender Matthias Riemer: „Damit wird die öffentliche Diskussion zumindest nicht unnötig befeuert und es kann sich auf die Aktualität konzentriert werden.“ Zu den Vorwürfen selbst wolle die Region keine Bewertung vornehmen, weil sie nicht über alle Fakten informiert sei.

Eigentümer ist die Stadt

Streng genommen, sagt Riemer, obliege es dem Verein auch nicht, über die weitere Verwendung des Hauptpreises der Weihnachtsverlosung zu entscheiden. Das Auto wurde durch die Stadt Uslar bezahlt, sie dürfte daher auch juristischer Eigentümer sein.

Riemer ist persönlich der Meinung, dass die Stadt eine Möglichkeit prüfen sollte, das Auto erneut zu verlosen und somit allen ursprünglich möglichen Gewinnern eine zweite Chance zu geben. Denkbar wäre ein System, bei dem sich jeder Bürger mit Wohnsitz in der Stadt Uslar ein Gratislos sichern dürfe und somit zum Beispiel bei der Spenneweih an der „Zweiten Chance“ dabei sein könnte. Details zum Verfahren sollte ein kleiner Arbeitskreis diskutieren und festlegen.

Insgesamt steht laut Riemer zu befürchten, dass der Vorgang massiven Einfluss auf die Planungen und Durchführung des Weihnachtsmarktes 2016 haben wird. Der Vorsitzende: „Als Region Uslar hatten wir uns unabhängig von diesen Vorfällen dazu entschieden, die umfangreichen Aktionstage bei den letzten Weihnachtsmärkten in Frage zu stellen und das Konzept ohnehin zu überdenken.“

Favorit: Kleiner Markt

Für den Vorsitzenden der Geschäftsleute wäre die Rückkehr zu einem kleinen, aber gemütlichen Markt mit ausschließlich Ständen für Essen und Getränke, ergänzt um einen kleinen Wald, denkbar. Dabei würde der Schwerpunkt eher auf den späteren Nachmittags- und Abendstunden liegen. Ein kleiner Arbeitskreis der Wirtschaftsvereinigung beschäftige sich derzeit mit den Details dieser Idee, berichtet Riemer. Diese würden zu gegebener Zeit mit der Stadt besprochen werden.

Das sagt SPD-Chef Weinreis

Der Verdacht der Manipulation der Weihnachtsverlosung in Uslar und die Folgen gewinnen zusätzlich an Brisanz, weil die betroffene Mitarbeiterin Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Uslar ist und auch für die SPD im Kreistag sitzt.

Uslars SPD-Chef Dr. Hermann Weinreis sagte für die Sozialdemokraten, dass die Mitarbeiterin gut beraten sei, wenn sie das Amt der Gleichstellungsbeauftragten ruhen ließe.

SPD-Chef Weinreis beruft sich aber auch auf die Hinweise nicht ausreichender Beweise, dass es für eine fristlose Kündigung nicht reiche und auf den gerichtlich angestrebten Vergleich. Die Konsequenz daraus für die SPD laute, dass es sich um ein offenes Verfahren handele und die Unschuldsvermutung gelte. Hermann Weinreis: „In einer solchen Situation darf es keine Vorverurteilungen geben.“

Was das politische Mandat angehe, sei sie dem Wähler gegenüber verpflichtet. Die SPD sehe keine Notwendigkeit, parteilich Konsequenzen zu ziehen. Es bedürfe da sicherlich noch weiterer Erkenntnisse.

Bürgermeister agiert mit Vorsicht

Uslars Bürgermeister Torsten Bauer agiert äußerst vorsichtig und hofft, dass der Vergleich nicht widerrufen wird, den die Stadt Uslar vor dem Arbeitsgericht Göttingen mit der Mitarbeiterin erzielt hat (fristgerechte Kündigung zum 31. März, sofortige Freistellung und 8000 Euro Abfindung). Bauer spricht von einer betriebsbedingten Kündigung und will weiter keine Stellung nehmen.

Zur Zukunft der Uslarer Weihnachtsaktivitäten berichtet der Bürgermeister, dass er es befürworte, wenn es wieder einen Weihnachtsmarkt gibt und berichtet auch von Bestrebungen in die Richtung bei der Wirtschaftsvereinigung Region Uslar. Er hoffe, dass diesbezüglich Gespräche geführt werden. Er will mit der Region Uslar außerdem das Gespräch suchen, um zu klären, was mit dem Hauptgewinn Auto nun passieren soll.

Die Stimmung in der Stadtverwaltung beschrieb der Bürgermeister am Donnerstag mit dem Wort Betroffenheit. Er wisse, dass durch diese Angelegenheit zwar schlechtes Licht auf die Stadt falle. Wichtiger sei ihm aber die Botschaft: Alle anderen Mitarbeitern der Verwaltung arbeiten für einen guten Ruf und machen einen guten Job. Zudem würde der Fall die allgemeinen Geschäfte der Stadt nicht berühren.

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