Kundgebung in Göttingen

Protest der Demag-Beschäftigten aus Uslar mit Sensenmännern

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Gab sich kämpferisch: Die Demag-Betriebsratsvorsitzende Martina Neupert.

Göttingen / Uslar. Die Betriebsratsvorsitzende des Maschinenbauunternehmens Demag in Uslar, Martina Neupert, will mit einem alternativen Konzept gegen den Abbau von 100 Arbeitsplätzen im Uslarer Werk des finnischen Konzern Konecranes vorgehen.

„Wir werden alle gemeinsam kämpfen, um den Sensenmann von Konecranes in Uslar keine Chance zu geben“, sagte sie flankiert von vier bleich geschminkten und kostümierten Sensenmännern im Angesicht des Göttinger Gänseliesels.

Wie berichtet, plant der finnische Konzern Konecrans, die Belegschaft des Motorenwerks von derzeit 230 Mitarbeitern um 100 zu reduzieren. Nach Gewerkschaftsangaben sollen große Teile der Produktion wegen der niedrigeren Lohnkosten nach Estland oder China verlagert werden.

800 Teilnehmer protestieren

Bei der von über 800 Menschen besuchten Kundgebung der IG Metall, an der nach Neuperts Angaben auch rund Zweidrittel der Demag-Belegschaft teilnahm, kündigte die Betriebsratsvorsitzende an: „Im nächsten Schritt werden wir die zugestellten Unterlagen mithilfe von externen Sachverständigen, Beratern und der IG Metall genauestens prüfen und daraus mögliche Alternativen entwickeln und vorschlagen.“

Neupert betonte, Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft wollen den Standort Uslar zukunftssicher machen: „Wir fordern eine langfristige Standort- und Beschäftigungssicherung. Wir werden alles dafür tun, um den geplanten Personalabbau zu verhindern.“ In ihrer kämpferischen Rede, die immer wieder vom Beifall der Metaller unterbrochen wurde, bezweifelte die Betriebsratsvorsitzende die Aussagen der Demag-Geschäftsführung zum Erhalt des Standorts Uslars: „Unsere Befürchtung ist, dass Konecranes nur noch solange an uns festhält, bis der Konzern in der Lage ist, auch den Rest in China oder Estland zu fertigen.“

Ihre große Befürchtung: Mittelfristig werde die Unternehmensführung sagen, dass alle Anstrengungen, um Arbeit nach Uslar zu bekommen, erfolglos gewesen seien, Uslar nicht mehr wirtschaftlich sei und deshalb die Schließung anstehe. Neupert: „Wir lassen uns nicht verarschen.“

Nach Neuperts Angaben könne der Konzern durch die geplante Verlagerung der Arbeitsplätze in ein Billiglohnland jährlich rund vier Millionen Euro sparen. Dies ergebe sich alleine aus den niedrigeren Arbeitskosten. „Hierbei wurden keinerlei betriebswirtschaftliche Aspekte wie Produktivität, Qualität und Termintreue berücksichtigt.“

Insgesamt müsse der Konzern bis 2019 Einsparungen von 140 Millionen Euro realisieren, um den Banken und Aktionären einen Gegenwert für das Investment von 1,5 Milliarden Euro bei der Übernahme der amerikanischen Firma Terex zu bieten, mit der die Demag an die Finnen ging.

Der Stellenabbau sei nicht nachvollziehbar. In der Vergangenheit habe die Unternehmensführung immer wieder bestätigt, dass Uslar „ein Vorbild für den gesamten Konecranes-Konzern“ sei.

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