Runder Tisch im Rathaus: 307 Flüchtlinge leben im Uslarer Land

Rückbau: Die Flüchtlingsunterkunft in Uslar ist zwischen aufgelöst. Das Bild entstand Mitte November. Betreiber war der Arbeiter-Samariter-Bund. Archivfotos: Schneider/nh

Uslar. Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Krankenhaus Uslar ist aufgelöst, das Haus der Integration in Wahmbeck, früher das Freizeitheim der evangelische Kirche, ist seit wenigen Tage leer, wird vom Landkreis aber weiterhin bereitgehalten, falls wieder Flüchtlinge kommen sollten.

Vor diesem Hintergrund hatte Uslars Bürgermeister Torsten Bauer einen Runden Tisch Flüchtlingsunterbringung einberufen, um mit beteiligten Institutionen, Verbänden und Einrichtungen Erfahrungen auszutauschen und herauszustellen, was verbesserungswürdig ist, sagte der Bürgermeister, „um auch für künftige Eventualitäten gewappnet zu sein“.

Offizieller Dank an alle

Der Bürgermeister nutzte die Gelegenheit, um im Namen des Stadtrates, der Stadtverwaltung und auch persönlich allen für die Zusammenarbeit und die Kooperation für die Flüchtlingshilfe zu danken. Bauer bezog damit auch die vielen engagierten Bürger ein und sprach von einer „breiten und solidarischen Bewegung“.

Aktuell 307 Flüchtlinge

Auf Uslar bezogen berichteten Bauer und Meike Brandt-Ellermeier von der Stadtverwaltung von insgesamt 307 Flüchtlingen, die in den vergangen vier Jahren hier leben. Derzeit herrsche große Unsicherheit unter 240 von ihnen, berichtete Meike Brandt-Ellermeier, denn sie warteten auf das zweite Interview im Rahmen des Asylverfahrens.

Arbeitskreis Migration

Eberhard Otto vom Arbeitskreis Migration lobte die Unterbringung der Flüchtlinge in Wohnungen und der Kinder in Schulen und Kindergärten. Problemtisch sind aus seiner Sicht die Versprechungen des Bundes, die Asylverfahren nach fünf Monaten zu erledigen, während es in der Praxis ein Jahr und länger dauere. Sorge bereite ihm die Sprachvermittlung bei Erwachsenen sowie bei Menschen mit Bleiberecht die Jobvermittlung.

Außerdem befürchtet Otto, dass bei einer neuen Flüchtlingswelle nicht mehr so viele ehrenamtliche Helfer zur Verfügung stehen. Viele würden nach ihrem bisherigen Engagement pausieren wollen.

Sorge der Bevölkerung

Ratsherr Werner Driehorst erkundigte sich über die Entwicklung nach den anfänglichen Sorgen und Ängsten der Bevölkerung. Renate Andermann vom DRK Uslar, die maßgeblich am Aufbau der Kleiderkammer im Flüchtlingsheim beteiligt war, sagte, dass Sorgen schnell gewichen seien. Die Helfer empfanden ihr Engagement als Bereicherung, die Bevölkerung zeigte große Spendenbereitschaft.

Auch die Polizei hat nach den Worten der Kommissariatsleiterin Martina Stülzebach vor allem nach der Informationsveranstaltung im Rathaussaal Bedenken gehabt. Doch es habe sich sehr positiv entwickelt und es ist nach ihren Worten nur zu wenigen Einsätzen in der Unterkunft gekommen.

Erfahrung der Schulen

Aus Sicht der Schulen sagte Sonja Gierke für die Sollingschule, dass dort ganz klar Integration stattfinde. Die Grundschule Uslar, die nach Schließung der Flüchtlingsunterkünfte den größten Zuzug an Kindern verzeichnete, wurde entlastet, indem Kinder auf andere Grundschulen verteilt wurden, berichtete Schulleiter Lars Woppowa.

VERBESSERUNGSVORSCHLAG

Tenor war schließlich, die Sprachförderung speziell für Erwachsene und vor allem auch in der Fläche zu verbessern, anstelle sie in Zentren zu konzentrieren.

Cafe international

Susanne Schulze berichtet vom Café International, das die Ökumene in Uslar aufgebaut hat und alle zwei Wochen in die Friedenskirche Uslar einlädt. Es seien sehr gute Beziehungen gewachsen. Schulze sprach von einem Miteinander auf Augenhöhe, wünschte sich aber auch mehr Anbindung der Uslarer in der Sache. Das Café International hat wieder am Donnerstag, 22. Dezember, von 15.30 bis 17.30 Uhr geöffnet (Friedenskirche/Stiftstraße).

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