Schoninger erinnern mit Dreschfest und Flegel an die Ernte von früher

Dreschfest auf dem Hof Wieneke: Vor etlichen Jahrzehnten wurden die Körner aus dem Getreide mit Dreschflegeln aus der Ähre gedroschen. Karl Fricke jun. (rechts) zeigte vor etlichen Zuschauern, wie der Schlegel benutzt werden muss. Foto: Dumnitz

Schoningen. Getreideernte wie früher stand beim Dreschfest des Heimat- und Kulturvereins Schoningen am Sonntag im Mittelpunkt. Weil der Weizen früh erntereif, wurde er bereits Anfang August mit einem Binder, wie er in den 1940/50er-Jahren benutzt wurde, abgemäht.

Die Garben hatten Helfer zu Hucken aufgestellt, die am Sonntag weiterverarbeitet wurden.

Zum Auftakt zeigten Ortsheimatpfleger Ernst Wieneke, wie Strohseile fürs spätere Ausdreschen des Getreides gedreht werden. Allerdings war das Stroh früher viel länger und lies sich besser binden. Jüngere Schoninger und auch Gäste probierten die Technik selbst aus und stellten fest, dass es gar nicht so einfach war, bis man den Bogen raus hatte. „Wir zeigen sowas, weil das Wissen sonst verloren geht“, sagte Wieneke.

„Im Takt lässt es sich am Besten mit dem Dreschflegel arbeiten“, erklärte anschließend Karl Fricke jun., als er die Handhabung der einfachen Gerätschaft aus Hartholz zeigte. Auch das probierten viele der laut Wieneke rund 250 Besucher selbst aus. Fricke hatte etliche Flegel zusammengetragen, die von Wieneke gefettet und repariert wurden. Einige seien wurmstichig gewesen, hieß es.

Dass eine Windfege eine Erleichterung und somit eine technische Errungenschaft fürs Dreschen war, erkannten die Besucher bei der Vorführung der Arbeitsweise. Bis etwa 1890 waren solche Geräte im Solling im Einsatz.

Auf dem Hof vor der als Landwirtschaftsmuseum genutzten Scheune wurde anschließend die vorwiegend von Ernst Wieneke restaurierte Dreschmaschine eingesetzt, die Baujahr 1917 ist, und die über das Internet aus dem Raum Bad Arolsen erworben wurde. Durch Ausprobieren und Recherche bei der Herstellerfirma stellte sich heraus, dass die besten Dreschergebnisse erzielt werden, wenn die Maschine mit 900 Umdrehungen pro Minute betrieben wird. Früher waren Dreschmaschinen in den Dörfern zwischen Weser und Ahle, Schwülme und Rehbach überall im Einsatz. Am Sonntag wurde sie mit Strom angetrieben und lieferte „richtig sauberes Getreide“, freute sich Wieneke. Das restliche Getreide soll im Oktober mit einer anschließenden Helferparty ausgedroschen werden.

In der Scheune wurden neben Kaffee und Kuchen vor allem auch Schmalz-, Käse- und Mettwurstbrote sowie erstmals Weißbrot mit selbst gemachter Marmelade nachgefragt. Die Frauen des Vereins hatten das vorbereitet.

Die „Trecker- und Landtechnikfreunde Schoningen“ stellten alte Trecker und Maschinen vor. Bei einem abschließenden Geschicklichkeitsfahren mit Trecker und Anhänger traten acht Männer an. Dabei galt es, eine Strecke möglichst schnell und fehlerfrei zu befahren. Sieger und Gewinner einer Flasche Korn wurde Martin Küchemann vor seinem Bruder Sören Küchemann und Dieter Lange.

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