Hochwasser im Landkreis Northeim

Serie Hochwasserschutz (8): Im Uslarer Land gibt es Rückhaltebecken und weiterhin gefährdete Bereiche

Typisches Bild in Uslar bei Unwetter: Die Alleestraße wird überflutet wie hier bei einem Gewitter mit starken Regenfällen und Hagel am 19. Juni 2019.
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Typisches Bild in Uslar bei Unwetter: Die Alleestraße wird überflutet wie hier bei einem Gewitter mit starken Regenfällen und Hagel am 19. Juni 2019.

Die Hochwassersicherheit für Uslar ist sehr unterschiedlich einzustufen, sagt Bürgermeister Torsten Bauer. Mit den Rückhaltebecken in Bollensen, Eschershausen und Wiensen seien bereits Verbesserungen herbeigeführt worden.

Uslar Andere Stellen wie die Alleestraße am Martinsbach in Uslar sind weiterhin gefährdet. Abhilfe soll durch den Neubau des Kreisels (Alleestraße/Wiesenstraße) geschaffen werden. Hydraulische Vorarbeit durch die Stadt sei hinreichend erfolgt.

Derzeit ist laut Bauer das Hochwasserschutzkonzept für Rehbach und Ahle in Arbeit. Dabei werden die betroffenen Bereiche in einem Modell rechnerisch ermittelt, um bauliche Maßnahmen oder Anpassungen aufzuzeigen. In einem weiteren Schritt werden die Maßnahmen in das Modell integriert. Damit werden die Auswirkungen vor Ort sowie bei den Unterliegern erkennbar und Maßnahmen können bei Bedarf nachgeschärft werden.

Erst dann beginnt die Projektplanung. Bauer: „Ob ein solches Projekt in die Umsetzung geht, hängt zu einem großen Teil von der Flächenverfügbarkeit ab.“ Wiederholt seien Projekte der Stadt an dieser Hürde gescheitert.

Hochwasser in Uslar: 200 Liter pro Quadratmeter Niederschlag kann weder ein kanalisiertes Gewässer noch die Straßenentwässerung fassen

Ein Starkregenereignis mit 200 Litern pro Quadratmeter Niederschlag könne weder ein kanalisiertes Gewässer noch die Straßenentwässerung fassen. Das sei kein Manko der Stadt Uslar, sondern gelte für nahezu alle Siedlungen Mitteleuropas.

Laut Bauer dürfe eine wesentliche Frage aber sein, zu welcher Jahreszeit dies passiert. Ab 40 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde gibt der Deutsche Wetterdienst eine Warnung vor Extrem-Unwetter raus, berichtet Bauer. Dann sei damit zu rechnen, dass die hydraulische Infrastruktur einer Gemeinde versage. Vorsorgemaßnahmen für ein Regenereignis von 200 Litern pro Quadratmeter seien wegen der bestehenden Bebauung und auch finanziell nicht machbar.

Als weitere Problematik führt Bauer das nachfolgende Hochwasser auf, weil mit stark ansteigenden Pegelständen von Ahle, Rehbach und Schwülme zu rechnen sei. Ein Abflussereignis infolge von 200 Litern/Quadratmeter übersteige den statistischen Wert eines hundertjährigen Hochwassers. Bauer: Es wäre also mit weitreichenden Überflutungen zu rechnen.

Die Straßenabläufe werden im Uslarer Land laut Bauer regelmäßig zweimal pro Jahr gereinigt, die Einlaufrechen an den Gräben und Gewässern zumeist häufiger. Allerdings kann sich ein gerade gereiniger Straßenablauf bei Starkregen sehr schnell zusetzen.

Hochwasser in Uslar: Anwohner müssen sich entsprechend verhalten und unter anderem regelmäßig die Gossen reinigen

Ebenso wichtig sei, dass sich Anwohner entsprechend verhalten und unter anderem regelmäßig Gossen reinigen, Herbstlaub so entfernen, dass es bei Starkregen nicht die Straßenabläufe, Rechenanlagen, Kanäle und Gräben blockieren kann, und dass kein Grünschnitt an Ufern oder Hängen abgelegt wird.

Als Hochwasserschutzmaßnahmen führt Bauer die existierenden Rückhaltebecken auf sowie den Rückbau der städtischen Garage an der Bleichstraße in Sohlingen, um Platz zur Abführung des Hochwassers zu schaffen, ferner die Verbesserung des verrohrten Gewässers an der Wallstraße in Gierswalde, das Abschlagbauwerk im Mühlengraben zwischen Eschershausen und Uslar, die Schutzberme an der Schwülme in Verliehausen, Erosionssicherheit am Sahlbach in Fürstenhagen und die Erneuerung von Einlaufrechen über mehrere Jahre.

Gearbeitet werde laut Bauer weiter am Hochwasserschutzkonzept Ahle/Rehbach. Er nennt zudem Schutzmaßnahmen in Sohlingen, Allershausen, Eschershausen, bei Delliehausen, Uslar, Verliehausen, Bollensen und in Fürstenhagen. Weitere Projekte sind laut Bauer angedacht, befinden sich aber noch nicht in der Objektplanung. Die Serie Hochwasser wird bis kommenden Samstag (21.08.21) um jeweils 9 Uhr fortgesetzt. (Frank Schneider)

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