Geschichte der Sollinger Hütte: Hilfe für den armen Solling

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Foto aus der Zeit vorm Ersten Weltkrieg: Die alten Gebäude der Sollinger Hütte an der Oberhütte. Sie wurden damals immer noch genutzt, später dann abgerissen. Das Bild entstand auf dem Werksgelände.

Uslar. Vor 300 Jahren war Uslar ein kleines Städtchen, ganz im Süden des Kurfürstentums Hannover, das immer noch an den Folgen des Dreißigjährigen Krieges litt. Zwar war es nicht zu großen Schlachten in der näheren Umgebung gekommen, aber der Durchzug der marodierenden Söldnerheere hatte große Not über die ganze Region und ihre Bewohner gebracht.

Die Regierung in Hannover musste sich deshalb Gedanken machen, wie sie der Stadt wirtschaftlich unter die Arme greifen konnte. 1715 beschloss sie deshalb, in Uslar eine Eisenhütte anzulegen. Der Staatsbetrieb sollte „den armen Menschen auf dem rauhen Sollinge eine zusätzliche Nahrung verschaffen“.

Die Anlage der Hütte griff Traditionen der Eisenverarbeitung in der Region auf, die bis weit ins Mittelalter zurückreichen. Uslar war schon im 14. Jahrhundert berühmt für seine Armbrüste und deren eiserne Bolzen. Etwa 200 Jahre später goss man hier auch kleine Geschütze, die man „fogeler“ nannte.

Keine großen Erzvorkommen

Optimal waren die Standortbedingungen für eine Eisenhütte in Uslar allerdings nicht, denn es gab keine großen Erzvorkommen im Solling. In den oberen Erdschichten fand sich zwar sogenanntes Raseneisenerz, das sich in kleinen Tagebauen abbauen ließ, die Menge war aber zu gering, um darauf eine ganze Industrie aufzubauen.

Schon bald musste deshalb Eisenerz aus den Harzer Bergwerken angefahren werden. Reichlich vorhanden war dagegen das Holz, das Köhler in Meilern zu Holzkohle verarbeiteten und an die Hütte lieferten. Dort brauchte man die Holzkohle zum Betrieb der Hochöfen. Auch die Bauern der Gegend profitierten von dem neuen Betrieb, denn sie konnten sich durch Fuhren für die Hütte ein wenig dazu verdienen.

Auch Landwirte profitierten

Sie brachten mit ihren Gespannen auch das Baumaterial zur Baustelle, das für die Fabrikgebäude auf der späteren Oberhütte gebraucht wurde. Es waren große Gebäude aus Fachwerk und Ziegelsteinen, die dort entstanden und bis ins 20. Jahrhundert genutzt wurden. Der Bau muss recht schnell von statten gegangen sein, denn schon 1717, nur zwei Jahre später, baute man auch die Unterhütte als zweiten Standort des neuen Unternehmens.

Sogar über ein drittes Werk hat man in Hannover nachgedacht. In den Ahlewiesen unterhalb des Eichholzes, wahrscheinlich etwa dort, wo heute das Steimker Viadukt steht, sollte eine weitere Hütte gebaut werden. Der Standort war allerdings sehr sumpfig und der Amtmann von Uslar riet in einem Schreiben an die Regierung dringend von der Umsetzung dieser Pläne ab.

Die Regierung schob mit der Förderung der Pfeifenfabrikation in Uslar und der Gründung der Spiegelglashütte in Amelith in den folgenden Jahren noch zwei weitere „Großprojekte“ an. Es handelte sich dabei um den Versuch, den armen Landstrich an der Grenze zu Hessen wirtschaftlich und damit auch politisch zu stabilisieren.

Von Daniel Althaus

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