Baum angenagt, Damm angelegt

Sichtung an der Ahle: Biber kehrt nach Uslar zurück

Eindeutige Spuren: Nico Stülzebach kniet an der Stelle, wo er an der Unterhütte am Ahle-Ufer die angenagte Weide und den Damm in der Ahle sichtetet.
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Eindeutige Spuren: Nico Stülzebach kniet an der Stelle, wo er an der Unterhütte am Ahle-Ufer die angenagte Weide und den Damm in der Ahle sichtetet.

Nico Stülzebach aus Uslar hat mit einer Wildkamera bewiesen, was er anhand von eindeutigen Spuren bereits wusste: Der Biber ist zurück.

Uslar – Auf dem Grundstück an der Unterhütte hatte Stülzebach am Ahle-Ufer eine Weide entdeckt, die klassische Nagespuren eines Bibers vorwies. Der Baum ist mehr als über die Hälfte angenagt. Zudem ist schon der Dammbau an der Ahle zu erkennen. Ein Baumstamm liegt quer im Fluss, ganz viel Laub und Gestrüpp stauen sich schon auf.

Nico Stülzebach installierte eine Wildkamera, wenig später löste der große Nager die Kamera aus, die ein Foto vom neuen Bewohner an der Unterhütte schoss. Das Areal neben der Bienenhalle ist ein kleines Refugium am Kernstadtrand für die Natur. Dort sind auch Rehe und Wildschweine zu finden. „Und das soll auch so bleiben“, sagt Nico Stülzebach, zumal es sich um Privatgrund handelt.

Aus Sicht der Jägerschaft Uslar wird das begrüßt. Der Biber war ihren Angaben zufolge im Jahr 1856 aus Niedersachsen verschwunden. Die großen Nager sind nach einem Auswilderungsprogramm seit etwa 20 Jahren wieder nördlich von Hannover heimisch. Auch im Landkreis Hildesheim finden sich erste Biberfamilien ein.

Der Fotobeweis: Der Biber neben der angenagten Weide, fotografiert von Nico Stülzebachs Wildkamera am Ahle-Ufer.

Bereits im vergangenen Jahr war der Rückkehrer laut Jägerschaft auch unterhalb von Vernawahlshausen aufgetaucht und hatte einige Erlen in Ufernähe gefällt. Im Laufe des Sommers fanden sich darüber hinaus Fraßspuren an mehreren etwa zwölf Jahre alten Obstbäumen am Weserufer bei Oedelsheim.

Der Biber unterscheidet sich nicht nur durch seine Größe von den bekannten, aus Nordamerika stammenden Bisamratten, sondern auch durch die Form seines Schwanzes, der unbehaart einem Fisch ähnelt. Früher wurde er als Fastenspeise genutzt, sein Fell war für Hüte begehrt, das Drüsensekret galt als Wundermittel. Die Folge: Der Biber wurde gejagt und war in Mitteleuropa bald ausgerottet.

Ein Biberfell zum Anfassen hält die Initiative „Lernort – Natur“ der Jägerschaft Uslar bereit, die immer noch hofft, im kommenden Jahr wieder Natur und Wildtiere einem interessierten Publikum zugänglich machen zu können.

„Umso erfreulicher ist es, dass die (Um-) Welt in Uslar noch so weit in Ordnung ist, dass die selten gewordenen Tiere sich hier im Bereich der Unterhütte wieder wohl und heimisch fühlen“, heißt es vonseiten der Jägerschaft, die zudem dafür plädiert, dem Tier zum Beispiel für Fotos nicht nachzustellen, sondern in Ruhe zu lassen.

Zudem behalte Nico Stülzebach das Grundstück und den Biber-Damm wegen des Hochwasserschutzes im Auge. Er verweist ferner darauf, dass das Grundstück ohnehin als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen ist. Und über den Naturschutzbund ist die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Northeim über die Rückkehr des Bibers bereits informiert worden.

Biber sind für Menschen nicht gefährlich, ernähren sich ausschließlich von Pflanzen, vornehmlich von Weichhölzern wie Weide und Pappel. Anders als die aus Südamerika stammenden Nutrias zerstören sie keine Uferbefestigungen und bedienen sich bestenfalls am Fallobst oder leicht erreichbaren Gartenfrüchten. (Frank Schneider)

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