Im Frühjahr 2014 wurden 200 Bäume verstümmelt

Wildes Abgeholze: Sohlinger Landwirt sorgt sich um Baumbestand

Er kann es nicht verstehen: Thomas Krämer kritisiert, dass diese Eiche am Wegesrand in der Sohlinger Feldmark dermaßen beschnitten wurde. Foto: Schneider

Sohlingen. In der Feldmark des Ahledorfes sind Weiden geköpft und eine Eiche dermaßen gestutzt worden, dass weniger als die Hälfte der Äste übriggeblieben sind.

Thomas Krämer aus Sohlingen ist deshalb einmal mehr sauer.

Der Landwirt versteht die Welt nicht mehr und rechnet vor, dass in den vergangenen Jahren auf diese Weise immer vor dem Frühjahr insgesamt schon um die 200 Bäume verstümmelt wurden. Immer in der Zeit vor dem 1. März, in der das Bäumebeschneiden noch erlaubt ist, wird nach seinen Angaben abgeholzt, was es nur geht. Da werde immer so richtig zugeschlagen, regt sich der Sohlinger auf. Für ihn bedeutet das, dass ständig ein Stück seiner Heimat kaputtgemacht wird.

Seiner Meinung nach sollten doch wenigstens einige Bäume am Feldrand stehenbleiben. Bäume gehörten doch zur Kulturlandschaft. In diesen Tagen fand das seiner Meinung nach viel zu übertriebene Abholzen am Weg vom Friedhof aus gesehen in südlicher Richtung in der Feldmark statt.

70 Prozent der Äste sind ab

Bei den Weiden reiche es doch, sie alle sechs Jahre auf den Kopf zu setzen, wie das Beschneiden bei dieser Baumart heißt. Bei der Eiche wäre es nicht nötig gewesen, sie so zu beschneiden. 70 Prozent der Äste wurden abgeschnitten, stellt Krämer fest. Er vermutet dahinter Methode und befürchtet, dass der Baum irgendwann kaputtgeht.

Krämer hat sich ans Telefon gesetzt – und keine Antworten auf seine Fragen bekommen. „Keiner weiß, was los ist“, berichtet er von einem Anruf bei der Stadt.

Auch Ortsbürgermeister Hartmut Filmer habe ihm nichts sagen können. Er sehe daher keinen anderen Weg, als sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Der Ortsbürgermeister hat sich inzwischen schlau gemacht. Die Aktion an sich sei zuvor mit dem städtischen Bauhof und der unteren Naturschutzbehörde abgesprochen gewesen. Allerdings sei der Umfang der Arbeiten erheblich größer als gedacht ausgefallen. Übersetzt heißt das: Die von dem Landwirt, an dessen Feldern die Bäume stehen, beauftragte Firma habe wesentlich zuviel abgeholzt. Sohlingens Ortsbürgermeister gibt zu, dass die eingesetzte Erntemaschine, ein so genannter Harvester, nicht das optimale Arbeitsgerät und für solch große Bäume wie die Eiche nicht geeignet sei.

Auch der Beschnitt der Weiden sei nicht sachgerecht ausgeführt worden, sagt Filmer auf Nachfrage. Grund für die Aktion war eigentlich, die Bäume zu beschneiden, dass große landwirtschaftliche Fahrzeuge auf dem Feldweg nicht gegen Äste prallen. Die Ausführung der Arbeit kritisiert auch Filmer: „Da stehe ich auf der Seite von Herrn Krämer.“

Nacharbeiten an der Eiche

Filmer fordert, dass künftig immer Fachleute dabei sind, wenn die Bäume beschnitten werden. Der Bauhof hat zugesagt, an der Eiche unter anderem wegen der Optik nachzuarbeiten. (fsd)

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