Sollingbuchen sterben: Spezielle Erkrankung breitet sich immer mehr aus

Sorgenkind: Im Solling verbreitet sich die Buchenkomplexerkrankung. Die Landesforsten schlagen Alarm. Foto: Köpsell/Landesforsten

Uslar. Die sogenannte Buchenkomplexerkrankung weitet sich im Solling weiter aus und bedroht besonders alte Buchenwälder.

Darauf weisen Forstwissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen und Förster aus dem Niedersächsischen Forstamt Dassel hin. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema?

Seit wann gibt es die Krankheit im Solling? 

Die seit Jahrzehnten bekannte Erkrankung tritt nach Angaben der Niedersächsischen Landesforsten in Wellen auf und führt im Solling schon seit dem Jahr 2003 zu beachtlichen Schäden.

Was versteht man unter der Buchenkomplexerkrankung? 

Wissenschaftler vermuten ein Zusammenspiel von Buchenwollschildläusen, Nectria-Pilzen und im Holz brütenden Nutzholzborkenkäfern. Die an der Rinde saugenden Schildläuse lösen die Erkrankungen aus. Über die Saugstellen an der dünnen Rinde infizieren sich die Buchen mit Pilzsporen. Wo die schützende Rinde verletzt ist, dringen Nutzholzborkenkäfer ein (Trypodendron domesticum), die im Stammholz brüten.

Was passiert mit befallenen Bäumen? 

Die mit Weißfäule-Pilzen infizierten Bäume sterben innerhalb von zwei Jahren ab. Äußerlich zeigen Fruchtkörper am Stamm, dass eine Buche vom Zunderschwamm-Pilz befallen ist. Thomas Reulecke, Leiter des Forstamts Dassel, schildert die Folgen: „Dann bricht der Baum in sechs bis acht Meter Höhe selbst bei schönstem Wetter einfach ab, obwohl die Krone noch grüne Blätter trägt.“

Wie sieht es im Zusammenhang mit der Buchenerkrankung Solling derzeit aus? 

Forstamtsleiter Thomas Reulecke beobachtet seit Jahren die Ausbreitung der Krankheit. Nach seinen Angaben sind die Schäden in den Waldgebieten ab 400 Meter Höhenlage besonders stark. Auch Nord- und Osthänge sind häufiger betroffen, berichtet Reulecke. Die Krankheit befällt überwiegend ältere Buchen, tritt aber vereinzelt auch in 80-jährigen Waldgebieten auf.

Reulecke sieht in den absterbenden alten Buchen zudem eine hohe Gefahr für die Waldarbeit. Forstwirte, die in solchen Wäldern Bäume fällen, stehen unter einem besonderen Risiko. „Die morschen Buchen können schon umbrechen, wenn der Nachbarbaum sie beim Fällen nur streift.“ Etwa die Hälfte der alten Buchenwaldfläche im Forstamt Dassel ist betroffen. Insgesamt schätzt Reulecke den Schaden dort auf 3500 Hektar.

Gibt es kein Gegenmittel gegen die Krankheit? 

Forstwissenschaftler wie Dr. Michael Habermann rechnen in den kommenden Jahren mit einer Ausbreitung der Buchenkomplexerkrankung: „Der Erkrankungsprozess ist nach derzeitigem Kenntnisstand ein komplexes Zusammenwirken von mehreren biotischen Ursachen und Witterungsfaktoren.“ Der Klimawandel begünstige die Ausbreitung von Insekten und Pilzerkrankungen. Ein wirkungsvolles Gegenmittel kennt der Göttinger Waldschutz-Experte von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt aber bislang nicht. Habermann und seine Kollegen forschen weiter nach dem Buchensterben, das nicht nur im Solling verbreitet ist, sondern auch in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und angrenzenden EU-Ländern beobachtet wird.

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