Zwischenbilanz

Sollingschule Uslar meistert die Corona-Krise dank digitaler Vorsorge

In der Krise ist der Zusammenhalt vorbildlich: Das sagt Christopher Nickel als Leiter der Sollingschule Uslar, hier Blick vom Schulhof aufs Schulgebäude.
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In der Krise ist der Zusammenhalt vorbildlich: Das sagt Christopher Nickel als Leiter der Sollingschule Uslar.

Schon vor vier Jahren hat die Sollingschule in Uslar digital aufgerüstet. Heute profitiert sie davon.

Uslar – Seit fast einem Jahr beschäftigt die Menschen die Coronavirus-Pandemie. Beschränkungen, Regeln und Verhaltensweisen bestimmen den Alltag. Besonders herausgefordert sind auch Schulen. Christopher Nickel berichtet als Leiter der Sollingschule Uslar (Oberschule) von tiefen Einschnitten in das gesellschaftliche Leben und die Besonderheiten mit Hochs und Tiefs an seiner Schule. Seine bisherige Bilanz: Die Investition der Schule in digitales Lernen kommt allen zu Gute.

Der erste Lockdown

Der Lockdown im März 2020 stellte die vertraute Schul- und Unterrichtsorganisation auf den Kopf und Schulleitung, Kollegium sowie die Schülerinnen und Schüler mit deren Eltern vor bis dahin nicht bekannte Herausforderungen. „Lernen zu Hause“ war nach den verlängerten Osterferien die Marschroute des Kultusministeriums. Die Schule schnürte in Eigeninitiative Lernpakete für alle Schüler, die auf der schuleigenen digitalen Lernplattform IServ zur Verfügung gestellt wurden oder ausgedruckt abgeholt werden konnten. Eine Pflicht dazu gab es vom Ministerium in Hannover nicht.

Teils wurden 300 der zum Teil 60-seitigen Lernpakte herausgegeben. „Der Ansturm erforderte eine logistische Meisterleistung“, erinnert sich Nickel. Abholer mussten zunächst vereinzelt stundenlang warten. Später klappe es durch Nachjustieren besser – aber nicht perfekt.

Zeugnisse im Autokino

In der Zeit bis zu den Sommerferien prägten „Wechselunterricht“ und „Stufenplan“ den Schulalltag. Fast täglich musste man sich den wechselnden Vorgaben stellen. Mündliche Prüfungen waren plötzlich „optional“, und die Hygienepläne mussten fortlaufend angepasst werden. Am Schuljahresende stand die Zeugnisausgabe im Autokino-Format – allerdings ohne die üblichen Abschlussfeiern.

„Das neue Schuljahr startete im Sommer halbwegs normal“, so Nickel weiter. Sogar eine Einschulungsfeier für die neuen Fünftklässler war möglich – mit Abstands- und Hygieneregeln. Dann verschärfte sich die Lage wieder wegen des Anstiegs der Infektionen mit dem Coronavirus. In der Folge und nach ständigem Hin und Her gab es frühere Weihnachtsferien für die Schüler. Darauf war die Schule besser vorbereitet. Die Lehrerinnen und Lehrer hatten sich zwischenzeitlich bei mehreren schulinternen und selbst organisierten Fortbildungen auf Einschränkungen eingestellt und sich gegenseitig fit gemacht für einen erneuten digitalen Unterricht.

W-LAN schon seit 2017

„Es zahlte sich aus, dass die Schule seit Jahren in Eigeninitiative in die digitale Ausstattung investiert hat“, freut sich Nickel. W-LAN gibt es seit über vier Jahren, und alle Klassenräume sind mit digitalen Dokumentenkameras, Beamern und PCs ausgestattet. Die Technik wurde aus dem Schulbudget ausgebaut, seit Mitte Dezember ist komplett digitaler Unterricht möglich.

Schüler erhalten ihre Aufgaben über IServ und werden parallel dazu gemäß Stundenplan durch Videokonferenz oder Messenger-Chat von den Lehrkräften begleitet. So ist es in Echtzeit möglich, dass ein Mathelehrer über die Dokumentenkamera wiederholend demonstriert, wie man zeichnerisch den Mittelpunkt eines Kreises bestimmt. Auch Nachfragen sind möglich.

Kontakt zu Eltern

Das Vorgehen klappt gut und wird ständig verbessert. Rückmeldungen der Erziehungsberechtigten spielen eine wichtige Rolle, und Elterngespräche sind nötig, meint der Schulleiter.

Das Kollegium sei durch die Schulleitung angehalten, die Kontakte zu pflegen und immer per Schul-E-Mail für die Kommunikation mit den Eltern erreichbar zu sein. Ein Angebot der Notbetreuung besteht nach Absprache an der Schule theoretisch für alle Kinder, „denn ob Familien Unterstützung benötigen, lässt sich nicht am Alter der Kinder festmachen“, sagt Nickel.

Aktuell kommen Schüler der Abschlussklassen täglich in ganzer Klassenstärke zur Schule und werden in benachbarten Räumen parallel unterrichtet. Das ist aus Sicht der Schule sinnvoller als alle zwei Tage ein Wechsel der Lerngruppen.

Fürs digitale Lernen steht ein Microsoft Office-Paket auf zehn Geräten bereit, die die Schule den Schülern finanziert und kostenlos zur Verfügung stellt.

Aus dem Topf „Corona-Sondermittel“ sind auf Wunsch der Schulleitung 91 Laptops gekauft worden, die seit Anfang Februar auf Antrag recht unbürokratisch verliehen werden. Diese Geräte seien Tablets vorgezogen worden, weil Laptops einen Mehrwert fürs „Homeschooling“ haben.

Mehr Zusammenhalt

Laut Nickel sind bei Schülern, Eltern und Lehrern gerade „enorme Belastungen“ zu spüren. „Wir nehmen jedoch auch Positives aus der Krise mit und das macht Mut. Der Zusammenhalt untereinander ist wirklich vorbildlich“.

Die Kompetenzen in der Selbstorganisation der Schüler und Lehrer wurden toll ausgebaut. Man sei sich sicher, dass die Sollingschüler sich trotz der Corona-Einbußen in der Gesellschaft zurechtfinden und ihren Platz einnehmen. Die Schule sei bestrebt, so viel Unterricht, Betreuung und Unterstützung zu leisten, wie es die Maßgaben zulassen.

Als Ersatz für die Kennlerntage für potenziellen Fünftklässler will die Sollingschule ein Video veröffentlichen.

Infos und Kontakt: Sollingschule Uslar, Telefon 05571/2713, Internet: sollingschule.de

Abstand und Mund-Nase-Bedeckungen: Bei der Notbetreuung von durchschnittlich 20 Schülern sitzen die Jungen und Mädchen weit voneinander entfernt. Lehrer und Lehrerinnen halten sich ebenfalls auf Abstand.
Digitale Betreuung in Echtzeit: Lehrer und Schüler stehen in direktem Kontakt.
Lernort Zuhause: Sollingschüler nutzen gute Technik fürs Lernen per IServ.
Christopher Nickel, Leiter der Sollingschule Uslar.

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