Kämmerer tritt am 7. Juni 2020 an

SPD nominiert Sven Borchert für Uslarer Bürgermeisterwahl

Uslar. Die SPD schickt Sven Borchert, Kämmerer der Stadt Uslar, ins Rennen um die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 7. Juni 2020. Er wurde am Freitag im Gasthaus Meyer-Bertram in Schoningen einmütig von der Mitgliederversammlung und Nominierungskonferenz des SPD-Ortsvereins Uslar-Solling gewählt.

Die SPD freut sich nach den Worten des stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden Harry Erfurt (Schönhagen) „über einen jungen und hoffnungsvollen Kandidaten und wünscht sich frischen Wind und neue Ideen“. Vorsitzende Heidi Emunds (Vahle) überreichte symbolträchtig einen Wecker mit den Worten „Ab jetzt läuft die Uhr“.

Borchert ist 43 Jahre alt, in Uslar geboren und aufgewachsen, ist verheiratet, hat zwei Töchter und wohnt mit seiner Familie in Schönhagen. Seine Ausbildung hat er in der Stadtverwaltung Uslar absolviert und ist inzwischen 27 Jahre in der Kommunalverwaltung tätig.

Zwischenzeitlich war er für zehn Jahre am kommunalen Rechenzentrum KDS in Göttingen tätig. Seit fünf Jahren ist Borchert Kämmerer der Stadt und damit für die Finanzen zuständig. Borchert ist Mitglied der SPD und betonte, dass er aus einer Arbeiterfamilie stamme und sein Großvater Sozialdemokrat ist, seitdem er denken kann. In seiner Rede vor den 30 Sozialdemokraten in Schoningen sagte Borchert, dass er das Amt des Bürgermeisters anders interpretiere als Amtsinhaber Torsten Bauer: Erstens ist der Bürgermeister für ihn Chef der Verwaltung mit 100 Mitarbeitern und hat zweitens repräsentative Aufgaben wahrzunehmen. Das fülle den Tag mehr als aus.

Er trete zu der Wahl an, weil Uslar seine Heimatstadt ist und ihm am Herzen liege. Und der Stadt geht es nach seinen Worten nicht gut. Das betreffe vor allem die Außendarstellung und Außenwahrnehmung Uslars. Grund sei ein „unfassbar großer Vertrauensverlust“. Das zu ändern, gehe aus seiner Sicht nur mit einem personellen Neuanfang an der Rathaus-Spitze. Zum einen müsse wieder miteinander gesprochen werden und nicht übereinander, zum anderen bedürfe es eines engagierten und qualifizierten Teams in der Stadtverwaltung. Denn als One-Man-Show könne ein Bürgermeister auf Dauer nicht erfolgreich sein. Es gelte, Positives für die Stadt zu bewirken. Daran mangele es seit langer Zeit. Bezeichnend sei der geschlossene Rücktritt des Personalrats der Stadtverwaltung im Dezember, dem auch er angehörte.

Borchert will die Kommunikation in Uslar deutlich verbessern: in der Verwaltung, zu den Bürgern und zu den Unternehmen. Uslar gehöre medial endlich ins 21. Jahrhundert gebracht. Auch soziale Medien dürften kein Tabu sein, sagte der Bürgermeisterkandidat.

Die Kommunikation mit allen Beteiligten sei wichtig: „Persönliche Befindlichkeiten oder Parteizugehörigkeiten dürfen naturgemäß keine Rolle spielen.“ 

Schwerpunkte setzen wie Bürgerhaushalt

Sven Borchert hat für den Fall seiner Wahl zum Bürgermeister am 7. Juni 2020 angekündigt, Schwerpunkte zu setzen. Das habe viele Jahre nicht stattgefunden. Er stelle sich ein Leitbild vor, das Bürger, Unternehmen, Verwaltung und Politik erarbeiten, und einen Bürgerhaushalt mit direkter Mitgestaltung durch die Einwohner. 

Die Stadtverwaltung sieht Borchert als Dienstleistungsbetrieb. Zuständig für den Aufbau einer modernen Verwaltung mit gut qualifiziertem Personal ist in erster Linie der Bürgermeister. In Uslar aber geschehe genau das Gegenteil: Mehrere Leistungsträger haben in den vergangenen Monaten die Verwaltung verlassen. 

Zudem steuere der Öffentliche Dienst auf einen gigantischen Fachkräftemangel zu und stehe in einem harten Wettbewerb mit anderen und größeren Behörden. Wichtig ist Borchert, dass die Stadtverwaltung wieder agiere, statt nur zu reagieren. Dazu gehöre eine solide Bewirtschaftung aus finanzieller Sicht mit Investitionen in die Infrastruktur wie Kindertagesstätten, Schulen, Dorfgemeinschaftshäuser und Ortsfeuerwehren. 

Zudem sprach sich Borchert für ein qualifiziertes Fördergeldmanagement aus. Andere Kommunen seien Uslar meilenweit voraus. Die Badeland-Sanierung sei beispielsweise ohne Fördergeld nicht zu schaffen. 

Zum Thema Klimaschutz fordert Borchert, den Klimaschutzmanager zu unterstützen und nicht auf Teufel komm raus Verhinderungspolitik zum Beispiel in Sachen Windkraftanlagen zu betreiben. Ferner ist Borchert für mehr Unterstützung von Initiativen wie den Bollert-Dörfern, die Einrichtung einer Servicestelle Verein und eines Runden Tisches Wirtschaft. Denn um die Gewerbetreibenden müsse sich nach Borcherts Worten mehr gekümmert werden. Für den Bürgermeister müsse zudem die Innenstadt und ihre Zukunft ganz weit oben auf der Agenda stehen. So müsste konsequenterweise der Masterplan tatsächlich umgesetzt werden. 

Schließlich bringt Sven Borchert ein Thema auf den Tisch, das im letzten Wahlkampf die Gemüter erhitzt hat: Brenntage. Sie sind inzwischen abgeschafft. Aber geblieben ist die Frage: Wohin mit dem Grünmüll? Er landet im Wald oder in Seitengräben und verstopft bald schon die Rechen. Daher regt Borchert den Aufbau eines Systems an, das im ersten Schritt das Einsammeln von Grünmüll vorsieht und danach die Energiegewinnung aus der Biomasse. 

Der SPD-Bürgermeisterkandidat will außerdem Kinder und Jugendliche mehr beteiligen. Denkbar sei ein Kinder- und Jugendgremium.  Und Borchert warb um Unterstützung, denn ein Bürgermeister könne als One-Man-Show nicht funktionieren. 

Auf der Tagesordnung der SPD-Mitgliederversammlung standen außerdem Ehrungen: Gerhard Nolte (Bollensen) und Klaus Heidelberg (Uslar) wurden für 40 Jahre Zugehörigkeit ausgezeichnet, Torsten Wodarz (Wiensen) für 25 Jahre Mitgliedschaft. fsd

Rubriklistenbild: © Foto: Frank Schneider

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