Mitnahme verweigert

Mann will Sperrmüll legal entsorgen - Am Ende verwandelt sich sein Garten in Mülldeponie

Christian Fechner aus Uslar steht neben dem großen Haufen Sperrmüll, den der Landkreis nicht abgeholt hat - mit der Begründung, dass alles auf privatem Grund liege.
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Wartet auf die Abfuhr: Christian Fechner aus der Lavesstraße in Uslar mit dem Sperrmüll, der nicht abgeholt wurde mit der Begründung, dass alles auf privatem Grund liege.

Christian Fechner aus Uslar hat ein großes Problem: Er hat Sperrmüll vor die Tür gestellt. Der wurde aber nicht mitgenommen. Dann verwandelt sich sein Garten in eine Mülldeponie.

Uslar - Dabei hatte alles ganz normal und wie es sich gehört angefangen. Christian Fechner hat im Juni beim Landkreis Northeim, der für die Müllabfuhr zuständig ist, die Sperrmüllabfuhr angefordert und als Abfuhrtermin den 10.09.2020 mitgeteilt bekommen. Er habe alles sorgfältig angemeldet, sogar mehr, als es tatsächlich war, berichtet der 27-jährige Uslarer.

Dann habe er mit drei Leuten drei Stunden den Müll vor die Tür gebracht und wie es an den Mietshäusern an der Lavesstraße seit vielen Jahren alle machen, auf den Rasen zwischen Gebäude und Gehweg abgestellt. Das Unheil bahnte sich schon in der Nacht vor dem Abfuhrtermin an: Irgendwelche Mitbürger packten den ersten Fremdmüll hinzu, schildert Fechner.

Sperrmüll bleibt im Vorgarten liegen und wird nicht mitgenommen

Am Abfuhrtag hieß es dann: Den Sperrmüll nehmen wir nicht mit, der steht auf privatem Grund und Boden, lautete laut Fechner die telefonische Auskunft bei der Kreisabfallwirtschaft. Der Müll habe auf dem Gehweg oder der Straße zu stehen. Fechner fügt hinzu, dass er am Abfuhrtag einen Müllwerker gehört habe, wie der sinngemäß gesagt habe: Das sei aber viel, man gut, dass sie das nicht mitnehmen müssten.

Der Uslarer zuckt mit den Schultern: Andere Abstellmöglichkeiten sind mit dem Hinweis auf die Örtlichkeiten doch gar nicht möglich, ohne Fahrzeuge oder Passanten zu beeinträchtigen oder gar zu gefährden. Fechner: „In unserer Straße stellen alle ihren Sperrmüll in den Vorgarten, schon immer. Anders geht es doch gar nicht.“

Müll von anderen: Die Matratze und der blaue Restmüllsack darunter sind wie vieles andere einfach von Mitbürgern abgelegt worden.

Sperrmüll im Vorgarten: Anwohner befürchtet Kosten

Das Ordnungsamt in Uslar habe ihm bestätigt, dass der Gehweg frei bleiben müsse – auf Kinderwagenbreite. Viel mehr Platz ist ohnehin nicht. Ansonsten verwies die Stadt auf die Zuständigkeit des Landkreises beim Thema Sperrmüll. Sie habe es sogar versucht und angerufen, aber niemanden erreicht. Inzwischen hat die Kreisabfallwirtschaft gegenüber Christian Fechner angekündigt, den Sperrmüll in der letzten Septemberwoche abzuholen. Ein genauer Termin stehe noch aus.

Christian Fechner hat in seiner Antwort an die Abfallwirtschaft vor allem die Frage gestellt, was mit dem vielen Restmüll passiert, den andere hinzugestellt haben und der vor allem kein Sperrmüll ist. Christian Fechner befürchtet, dass er die Entsorgungskosten tragen muss, und versteht „die Welt nicht mehr“.

Sperrmüll nicht mitgenommen: Stadt rechtfertigt sich

In den letzten 40 Jahren hat das mit dem Sperrmüll immer funktioniert, hat ein Nachbar ihm versichert, der schon so lange an der Lavesstraße wohnt. Der Müll lag immer im Vorgarten. Und wurde immer mitgenommen. Warum trifft es nun ausgerechnet ihn, fragt sich Fechner. Dabei wollte er doch alles nur richtig machen. Die Nachbarn hätten das auch bestätigt: Der Sperrmüll wäre noch nie so gut sortiert gewesen. Das dauerte aber nicht lange. Unterdessen klagen die Anwohner, dass der Müllberg angefangen habe zu stinken.

Der Landkreis Northeim rechtfertigt, dass der Sperrmüll von Christian Fechner aus der Lavesstraße in Uslar nicht mitgenommen wurde: Der Sperrmüll war den Angaben zufolge unsortiert, zudem befand sich Restmüll dabei, und alles lag hinter einer Grundstückseinfriedung.

Sperrmüll: Neuer Termin für Anwohner festgelegt

Landkreis-Sprecher Dirk Niemeyer berichtet, dass sich Christian Fechner bereits an die Abfallberatung gewendet hatte und telefonisch ausführlich beraten und informiert worden sei, welcher Müll zum Sperrmüll gehöre und wo dieser bereitzustellen sei. Ferner sei ein neuer Abfuhrtermin vereinbart und eine korrekte Bereitstellung des Sperrmülls durch Herrn Fechner zugesagt, heißt es beim Landkreis.

Grundsätzlich ist Sperrmüll laut Landkreisvorgaben getrennt nach metallhaltigem Sperrmüll und sonstigen Materialien am bekannt gegebenen Abfuhrtag ab 6 Uhr bereitzustellen. Er ist außerdem so zu stapeln, zu bündeln oder zu ordnen, dass die Straße nicht verschmutzt wird und zügiges Verladen möglich ist. In der Praxis wird der Sperrmüll jedoch zu 90 Prozent bereits am Tag vor der Abholung auf den Gehweg bereitgestellt und von dort am nächsten Tag von der Kreisabfallwirtschaft eingesammelt.

Mitarbeiter dürfen Grundstücke nicht betreten

Dazu müsse man wissen, dass Privatgrundstücke von den Fahrzeugen der Kreisabfallwirtschaft weder befahren noch von den Mitarbeitern betreten werden. Mit einem Müllfahrzeug wird sonst schnell mal die Rasenkante oder die frisch gepflasterte Hofeinfahrt beschädigt, was sich aufgrund des Gewichtes der Müllfahrzeuge gar nicht verhindern lasse.

Auch das Betreten der Grundstücke oder das Entfernen von bereitgestelltem Sperrmüll/Großgeräten über eine Mauer/Geländer ist den Kollegen aus arbeitsschutz- und versicherungsrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Nach der Beratung durch die Kreisabfallwirtschaft geht der Landkreis davon aus, dass der Sperrmüll von Christin Fechner beim nächsten Termin abgefahren werden kann. (Frank Schneider)

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