Stadt Uslar verkauft Jugendherberge an Schönings vom Gutshof Steimke

Bekommt einen neuen Besitzer: Die Stadt Uslar hat die Jugendherberge auf dem Kupferhammer an Robert Schöning vom Gutshof Steimke verkauft. Archivfoto: nh

Uslar. Die Jugendherberge in Uslar bekommt einen neuen Besitzer. Robert Schöning vom Gutshof Steimke. Der Uslarer Stadtrat hat in jüngster Sitzung im nichtöffentlichen Teil für den Verkauf an Schöning votiert.

Er will das Haus als Herberge fortführen, sagte Uslars Bürgermeister Torsten Bauer auf Anfrage. Mehr Details wollte Bauer aber noch nicht nennen, weil der Vertrag mit Schöning zwar beschlossen aber noch nicht abgeschlossen ist. Mit der Vertragsunterzeichnung könne über die Zukunft des Hauses mehr gesagt werden. Bürgermeister Bauer wolle dem nicht vorgreifen.

Kritik von der SPD 

Während der Uslarer Bürgermeister Bauer (CDU) mit dem Verkauf der Jugendherberge eine wichtige Einrichtung der Uslarer Infrastruktur erhalten sieht, spricht der Vorstand des SPD-Ortsvereins Uslar-Solling (vorher SPD-Stadtverband) in einer Stellungnahme von einer Fehlentscheidung.

Die Jugendherberge sollte jetzt nicht veräußert werden, sondern in städtischer Hand bleiben, fordert die SPD. Die Nutzung der Herberge als Flüchtlings-Notunterkunft hätte mit dazu beitragen können, den Zugriff auf andere Einrichtungen wie Sporthallen zu Lasten des schulischen Sportunterrichts, des Vereinssports und von Gemeinschaftseinrichtungen vermeidbarer zu machen, schreibt SPD-Chef Dr. Hermann Weinreis.

Die Voraussetzungen für eine derartige Nutzung seien in der ehemaligen Jugendherberge, ähnlich wie im Krankenhaus, das derzeit als Notunterkunft überprüft wird, vergleichsweise günstig, schreibt die SPD. Mit dem Verkauf seien Stadt und Landkreis Möglichkeiten der kommunalen Zusammenarbeit bei der menschenwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen genommen worden. Das kritisiert die SPD mit Nachdruck.

Reaktion von Bauer 

Für Uslars Bürgermeister Bauer zeige die Haltung der SPD zur Jugendherberge einen Mangel an Demokratieverständnis auf. Er verweist darauf, dass es sich beim Verkauf um einen Beschluss des Stadtrates handele, der selbstverständlich umgesetzt werde. Bauer sieht in der Übernahme der Jugendherberge durch Robert Schöning für Uslar eine Chance eröffnet, die Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Der Bürgermeister verweist auf den Zusammenhang mit Einrichtungen wie Schmetterlingspark und Badeland, das wiederum durch großes ehrenamtliches Engagement aufrechterhalten werde. Bauer: „Wir müssen doch solche Strukturen erhalten.“

Die SPD blende mit ihrer Stellungnahme völlig das Engagement des Arbeitskreises MIK (Migration-Integration-Kommunikation) von Kirche und Familienzentrum in Uslar aus, der sich schon seit der Zeit vor der Flüchtlingswelle um die Problematik kümmere. Bisher seien alle Flüchtlinge dezentral untergebracht. Bauer sprach von einer akzeptierten Flüchtlingshilfe, der auch in der Bevölkerung große Unterstützung widerfahre. (fsd)

Die Chronik der Jugendherberge Uslar 

Die Geschichte der Jugendherberg Uslar beginnt 1923: Das 1904 gegründete Deutsche Jugendherbergswerk richtet auf dem Hausboden der Uslarer Schule eine Herberge ein. Sie bestand aus 20 Betten mit Strohsäcken und Decken, berichten die Sollinger Nachrichten im Februar 1927.

• Am 11. Mai 1930 wírd eine neue Jugendherberge auf dem Kupferhammer eingeweiht. Der Neubau mit 60 Betten kostet 60 000 Reichsmark.

• Im Oktober 1983 wird die Uslarer Herberge wegen Sanierungsbedürftigkeit stillgelegt und im Winter abgerissen. Der Rat der Stadt hatte 1976 einen Neubau beschlossen.

• Im Juni 1984 beginnen die Arbeiten für den Neubau des Haupthauses und der fünf Pavillons mit 100 Betten, am 25. Oktober 1985 wird Einweihung gefeiert. Die Stadt errichtete die Jugendherberge für 4,5 Millionen DM in eigener Trägerschaft. Von da an ging es aufwärts: 1995 wurden erstmals über 15 000 Übernachtungen gezählt.

• In den vergangenen Jahren aber setzt eine Talfahrt ein, immer wieder wird ein Minus erwirtschaftet, das zuletzt im sechsstelligen Bereich liegt.

• Der Niedersächsische Jugendherbergsverband schließt das Haus am 31. Januar 2013.

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