Areal der ehemaligen Parkettfabrik Plessmann

Abgestimmt: Nun kann Einzelhandel an die Wiesenstraße ziehen

Keine Veränderungssperre: Das Areal der ehemaligen Parkettfabrik Plessmann (rechts) kann künftig auch mit Einzelhandel bestückt werden. Der Stadtrat hat einen Bebauungsplan und eine Veränderungssperre abgelehnt. Foto: Dumnitz

Uslar. Die Entscheidung des Uslarer Stadtrats über die Veränderungssperre für den Bereich der früheren Holzwarenfabrik Plessmann an der Wiesenstraße wurde mit großer Spannung erwartet.

So tagte der Rat am Donnerstag im Rathaussaal vor einer Rekordkulisse von mindestens 80 Besuchern, die hauptsächlich wegen der Wiesenstraßen-Frage und auch wegen der Entscheidung über den Feuerwehrhaus-Bau in Verliehausen gekommen waren.

Die Abstimmung

Die Abstimmung zum Thema Wiesenstraße fiel deutlich aus: 21 Ratsmitglieder, hauptsächlich aus den Reihen von SPD, CDU und UWG, votierten gegen Bebauungsplan und Veränderungssperre. Die Bunte Ratsgruppe (Grüne, Linke und Einzelbewerber Werner Driehorst) mit Ausnahme von Gabriele Kahn, die sich enthielt, sowie zwei CDU-Ratsmitglieder stimmten dafür.

Die Folgen

Der Beschluss bedeutet, dass auf dem Areal der ehemaligen Holzwarenfabrik künftig Einzelhandel angesiedelt werden kann. Dr. Hermann Weinreis sagte in der Debatte für die SPD, dass ein städtisches Entwicklungskonzept als erforderliche Voraussetzung für einen Bebauungsplan und eine Veränderungssperre in der Wiesenstraße fehle und als nächstes erarbeitet werden sollte.

Das sagen SPD und CDU

Insgesamt gehe es bei dem Thema um eine Abwägung von Interessen, sagte Weinreis und meinte damit die für die Wiesenstraße und auf der anderen Seite die für die Geschäftsleute und die Zukunft der Innenstadt.

Die Krux an der Sache machte CDU-Fraktionschef Wilfried Fischer am Fall Rossmann deutlich: Die Drogeriemarktkette habe der Stadt gegenüber angekündigt, die Innenstadt zu verlassen, weil der Drogist dort keine Erweiterungsmöglichkeiten sieht und einzig die Wiesenstraße als Alternativstandort auserkoren habe. Der Wegzug aus der Innenstadt sei nicht zu verhindern, sagte Fischer. Verbiete man aber die Ansiedlung an der Wiesenstraße, ziehe Rossmann aus Uslar ganz ab. Das dürfe auch nicht geschehen. Deshalb dürfe das Thema nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Fischer plädierte wie Weinreis dafür, gemeinsam mit allen Beteiligten nach Lösungen für die Innenstadt und die Wiesenstraße zu suchen. Keiner wolle, dass die Lange Straße ausstirbt, so Fischer. Aber solange dort zu hohe Mieten verlangt würden, sei dort nicht viel zu regeln. Und 1000-Quadratmeter-Märkte sind allein denkmalpflegerisch gesehen nicht möglich, hatte Hermann Weinreis erklärt.

"Wir versuchen ja, alles zu halten und Gespräche mit allen zu führen, obwohl wir alle auch wissen, dass wir die Wiesenstraße als Einkaufsstraße nicht verhindern können", brachte Wilfried Fischer das Kernproblem für Uslar auf den Punkt.

Das sagt die Bunte Gruppe

Volker Ruwisch und Werner Driehorst plädierten als Sprecher für die Bunte Gruppe für eine Veränderungssperre: Zusätzliche Verkaufsflächen in der Wiesenstraße schaden den Innenstadtgeschäften. Die Umsätze fehlten dann dort.

Deshalb habe die Gruppe auch schon gegen die Lidl-Erweiterung gestimmt. Außerdem sollten sich Stadtrat und Stadt von einer Drogerie-Kette wie Rossmann "nicht am Nasenring durch die Stadt ziehen lassen", sagte Ruwisch. An der Wiesenstraße gebe es schon genug Verkaufsfläche.

Dagegen sollte man den kleinen Läden in der Innenstadt eine Chance geben und nicht großen Konzernfilialen, forderte Ruwisch. Die Ablehnung einer Veränderungssperre bedeute einen weiteren "Nagel im Sarg für die Uslarer Innenstadt".

Voller Rathaus-Saal: Selten verfolgten so viele Zuhörer eine Sitzung des Uslarer Stadtrates. Grund dafür waren die Entscheidungen über die künftige Nutzung des Geländes der ehemaligen Fabrik Plessmann an der Wiesenstraße und über das neue Feuerwehrhaus für Verliehausen. Foto: Schneider

Darum geht es: Der Unternehmer Peter Nolte (Bild) hat das Gelände der ehemaligen Holzwarenfabrik Plessmann gekauft. In dieser Halle ist zurzeit übergangsweise der Aldi untergebracht. Danach will Nolte weiter vermieten, zumal er auch das Außengelände hergerichtet hat.

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