Protest gegen geplanten Stellenabbau

Streik bei der Demag in Uslar: "Lassen uns nicht halbieren"

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Gab sich kämpferisch: Die Betriebsratsvorsitzende der Demag, Martina Neupert.

Uslar. Der Kampf um die Demag in Uslar hat begonnen. So demonstrierten es alle Beschäftigen, als sie am Donnerstag um 9 Uhr vor das Werktor kamen, wo sie einen großen Sensemann aufgebaut hatten, und zuerst in den Warnstreik traten und dann in den ersten Streik bis Freitagmorgen übergingen.

Die Nachricht, dass die Geschäftsleitung der Demag, die zum finnischen Konzern Konecranes gehört, 100 Arbeitsplätze im Motorenwerk in Uslar streichen und den Standort Uslar halbieren will, stand auch am Donnerstagmorgen noch allen ins Gesicht geschrieben.

Positiv beurteilt wurde von allen Seiten die große Resonanz auf den Streik mit allen 200 Demag-Beschäftigten sowie mit der Beteiligung von mindestens 50 Beschäftigen aus den Uslarer Betrieben Spänex, AKG und der Gießerei Schneider sowie die Teilnahme von früheren Mitarbeitern, zahlreichen Politikern und Uslars Bürgermeister Torsten Bauer.

Dabei stimmte Manfred Zaffke, erster Bevollmächtigter der IG Metall, die Beschäftigen auf einen langen Kampf ein und forderte von allen mehrfach langen Atem. So steht als Nächstes die Teilnahme der Demag-Beschäftigten am Aktionstag der IG Metall am 17. Januar in Göttingen auf dem Programm. Zaffke: „Dann steht das Werk zum zweiten Mal still.“

Die Betriebsratsvorsitzende Martina Neupert beschrieb die Stimmung im Werk, sprach von Katastrophe und einem tief sitzenden Schock, nachdem die Unternehmensführung am Mittwoch verkündete, sich für die Betriebsverkleinerung entschieden zu haben.

Die Arbeitnehmer sehen darin mittelfristig ein Sterben auf Raten, sagte Martina Neupert. Der Stellenabbau wäre der Todesstoß mit katastrophalen Folgen für die Belegschaft und die Region Uslar sowie die hiesige Ausbildung von Fachkräften in der Industrie.

Es passe nicht zusammen, dass Uslar immer als Vorzeigewerk galt und im Konzern der am zweitbesten ausgelastete Standort war. Belegschaft und Betriebsrat hätten immer voll mitgemacht. Jetzt interessiere das keinen mehr, sagte Neupert.

Streik vor dem Werkstor: Bis Freitagmorgen legten die Beschäftigen der Demag ihre Arbeit nieder und demonstrierten gegen den geplanten Stellenabbau. Neben dem Pförtner-Häuschen ist ein Sensenmann aufgestellt worden.

„Doch wir lassen uns nicht verarschen oder für dumm verkaufen“, rief die Betriebsratsvorsitzende: „Wir lassen uns nicht halbieren.“ Betriebsrat und Gewerkschaft würden nun alles tun, um den Personalabbau zu verhindern. Vor allem fordern sie einen Standort- und Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag. Damit mache man das Spiel der Arbeitgeber kaputt. Manfred Zaffke kündigte die Gründung einer Tarifkommission an und eine Belegschaftsversammlung.

Anfangs hatte Mirko Richter die Forderungen der IG Metall in der aktuellen Tarifrunde gerechtfertigt: sechs Prozent mehr Geld und kurze Vollzeit von 28 Stunden für zwei Jahre.

Das sagen der Bürgermeister und die Bundestagsabgeordneten

Während des Streiks der Demag-Beschäftigten kündigte die Politik ihre Unterstützung an. Der Northeimer CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne (CDU) stehe in Kontakt mit dem Wirtschaftsministerium in Hannover. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Schraps (Aerzen) kündigte Kontakte mit Ministerpräsident Weil an. Beide sagten parteiübergreifende Unterstützung zu und bestärkten die Belegschaft im Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze. Uslars Bürgermeister Torsten Bauer und zahlreiche Stadtratsmitglieder bezeugten am Donnerstagmorgen Solidarität. Bauer sagte, dass es nicht nur um Standortsicherung, sondern auch um Qualitätssicherung gehe. Die Stadt werde die Belegschaft unterstützen, soweit sie das könne.

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