Dach irreparabel

Sturmschäden: Möbelhaus Wehe in Uslar schließt

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Sie stehen überall: Eimer gibt es im Möbelhaus Wehe in Uslar massenhaft. Sie fangen das Regenwasser auf. Der Sturm Friederike hat am 18. Januar große Teile des Dachs zerstört, sodass sich Geschäftsführer Michael Wehe entschlossen hat, das einzige Möbelhaus in Uslar zu schließen. Fotos:Schneider

Uslar. Das Möbelhaus Wehe in Uslar wird geschlossen, damit verschwindet ein weiteres Fachgeschäft im Uslarer Land.

Grund dafür ist der Sturm Friederike. Der hat auf dem Gebäude im Uslarer Industriegebiet zu großen Teilen die oberste Schicht des Flachdaches zerstört. Die Folgeschäden sind so groß, dass sich Geschäftsführer Michael Wehe entschieden hat, das Geschäft zu schließen.

Er bedauert diesen Schritt sehr, zumal es das Ende des Familienunternehmens nach 144 Jahren bedeutet. Doch nach vielen Überlegungen und Berechnungen ist der Geschäftsmann zu dem Entschluss gekommen. Investitionskosten von mindestens einer Million Euro würden sich in Uslar nicht rechnen, sagt Wehe. Das stehe in keinem Verhältnis zum erwarteten Umsatz.

Wehe: Haus war gesund

Er nennt es jammerschade, dass er aufgeben muss. Das Möbelhaus war bisher finanziell gesehen gesund, berichtet Wehe: „Der Umsatz war in Uslar in Ordnung, stagnierte allerdings.“

Wehe erklärt aber auch, dass es nicht das Ende für ihn bedeute. Er führt mit seiner ebenfalls aus Uslar stammenden Lebensgefährtin Ilka Hillebrandt die Häuser Küchentotal in Göttingen und Kassel. Dort verzeichne man eine gute Entwicklung und verkaufe 1000 Küchen im Jahr. In dem Göttinger Haus kommen nach Wehes Angaben auch die fünf Mitarbeiter, die zuletzt in Uslar tätig waren, unter.

Im Uslarer Traditionsgeschäft heißt es jetzt Räumungsverkauf. Alle Kunden seien angeschrieben und informiert: vorhandene Bestellungen werden erledigt, versichert der Geschäftsmann. Alle Möbel und Küchen werden nach Haus geliefert. Jetzt ist zudem das Ziel, alles zu verkaufen, auch die Lager zu räumen, die Wehe zuvor noch gefüllt hatte – vor dem Sturm.

Nicht mehr zu benutzen: Teile des Möbelhauses Wehe wurden mit Wänden abgetrennt.

Das Sturmtief Friederike traf das Gebäude mit brachialer Gewalt und riss große Teile der oberen Dachschicht weg. „5000 Liter Wasser flossen in den Möbelmarkt“, schildert Wehe und zeigt ein Handy-Video, wie das Wasser aus der Decke strömt. Selbst die größten Kübel waren nach 30 Minuten voll, erinnert sich Wehe an den Super-GAU. Einen Teil des Gebäudes, in dem nichts mehr zu machen ist, hat er abtrennen lassen. Derweil hat sich das Wasser im Dach auf 1200 Quadratmeter verteilt und alles zerstört. Seit voriger Woche ist laut Gutachten gewiss: Das Dach ist irreparabel.

Provisorische Abdeckungen

Man arbeite derweil mit provisorischen Abdeckungen. Das allein habe schon Kosten von 30 000 Euro verursacht. So lange es nicht regnet, ginge es einigermaßen. Für den Fall von Niederschlag stehen überall Eimer und Behälter bereit.

Nach dem Sturm musste das Möbelhaus wegen der Schäden sogar für zwei Tage geschlossen werden. Das habe es in der langen Firmengeschichte noch nie gegeben. Was mit dem Gebäude, das seit 44 Jahren im Industriegebiet steht, nach dem Räumungsverkauf passiert, der mindestens bis zum Sommer dauere, steht noch nicht fest. Wehe: „Es gibt noch keine Pläne.“ (fsd)

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