Logistische Meisterleistung

Wie ein Supermarkt modernisiert wird: Umbau in einer Woche

Einräumen: Das dauert seine Zeit bei einem Sortiment mit 18 000 Artikeln wie im Rewe an der Wiesenstraße in Uslar. Am heutigen Donnerstag wird wieder eröffnet. Fotos:  Schneider

Uslar. Wie oft klingelt das Handy? „Mittags ist der Akku leer“, sagt Jan Kaiser und dreht sich um, weil einer „Chef!“ ruft. „Nein, das kommt dorthin“, antwortet Kaiser und schaut schon wieder auf das Telefon. Der Chef des Uslarer Rewe-Marktes an der Wiesestraße ist in diesen Tagen gefragt wie nie. Grund ist der Umbau und die Modernisierung des Marktes.

Wenn der Rewe an der Wiesenstraße am heutigen Donnerstag nach einwöchiger Schließung seine Pforten und in neuem Glanz öffnet, dann liegt hinter Jan Kaiser und seinen 50 Mitarbeitern sowie zig Firmen und Handwerkern eine logistische Meisterleistung.

Einfach dargestellt: Der alte Markt wurde ausgeräumt, erneuert und wieder eingeräumt. In einer Woche. „Eigentlich würde das drei Wochen dauern“, sagt Kaiser. „Das geht aber nicht.“ Immerhin hat der Rewe in Uslar ein Sortiment von über 17.000 Artikeln. „Jetzt werden es 18.000“, sagt Kaiser und zählt einige Neuerungen auf wie den Feinkostbereich.

Unvergängliche Ware, die nicht in Kühltheken liegen muss, wurde verpackt, in Folie eingeschweißt und vor die Tür verfrachtet: Dort steht ein Festzelt. Das ist nicht für die Feier der Wiedereröffnung aufgestellt, sondern dient als einwöchiges Zwischenlager. Und damit auch nichts wegkommt, wurde ein Sicherheitsdienst mit der Überwachung beauftragt.

Danach wurden die Regale abgebaut und in der Nacht der komplette Markt gereinigt. Donnerstag vor einer Woche rückten dann die Handwerker an. Von dem her, was an Firmenfahrzeugen die ganze Woche noch neben dem Festzelt stand, muss es eine Armada gewesen sein.

Blick ins Festzelt: Darin lagerte Uslars Rewe-Chef Jan Kaiser seine unvergängliche Ware während Umbau und Modernisierung.

Schätzungsweise bis zu 100 Handwerker auf einmal tummelten sich im Rewe, rechnet Kaiser nach und lässt sich das von seinem Bauleiter bestätigen. Der ist seine rechte Hand. Dazu kommt der Einrichter, beides Fachleute von Rewe. „Und mein Bruder und mein Vater“, zählt Kaiser auf, wer ihm noch zur Seite steht. Und lobt sogleich seine Mitarbeiter: „Ohne das coole Team kann man das nicht leisten.“

Einmal haben die ihn nach Hause geschickt: „Chef, Du siehst müde aus und musst morgen fit sein“, erzählt der Rewe-Chef von ihrer Fürsorge. Oder vom Care-Paket, das die Kollegen vom anderen Rewe-Markt in Uslar von der Stiftstraße runtergeschickt haben: ein Klumpen Mett, Wurst, Käse und Brötchen waren drin.

Beim Unternehmen Supermarkt-Umbau ist aber auch nicht alles glatt gelaufen, berichtet der Uslarer Rewe-Chef. Die neue Kühlung musste mit einem Kran reingehievt werden, weil die Zufahrt bereits aufgebaggert war, um sie neu zu pflastern. „Und hinten rechts die Ecke ist weggesackt“, schildert Jans Kaiser, dass ungeplante Baustellen hinzukamen. Der Eckbereich des Gebäudes musste neu unterfangen werden.

Im Grunde genommen wurde der komplette Uslarer Rewe-Markt in einer Woche runderneuert: Angefangen von der Beleuchtung, die auf LED umgestellt wurde, neue Regale, Elektronische Preisauszeichnung und Kühlung inklusive Abwasserleitung bis hin zu den neuen Fleischer-, Bäcker- und Blumenabteilungen.

Am Anfang hörte Marktleiter Jan Kaiser ein paar Mal die Sätze „Das geht nicht!“ und „Das wird nichts!“. Ihm habe dann vor allem sein Humor geholfen. Eine Woche später sagt Kaiser: „Wir sind im Zeitplan.“ Und lächelt.

Währenddessen wird weiter gewerkelt und eingeräumt. Den Dienst organisieren Kaiser und Mitarbeiter über ein soziales Netzwerk. „Anders geht’s gar nicht“, sagt Kaiser und berichtet, wie ein Markt wie seiner mit einem Sortiment von 18 000 Artikeln immer richtig beliefert wird. Das ist eine ganz eigene Welt.

2013 gehörte Kaisers Rewe-Markt zu den zehn besten in der Region Nord mit über 500 Märkten, berichtet der Chef im Rausgehen: Jetzt ist er einer der modernsten. Und was kostet das? Er einigt sich mit seinem Bauleiter auf die Formulierung: „Die Investitionen von Rewe liegen im unteren siebenstelligen Bereich.“

Auch draußen wird an diesem Tag noch geschraubt, gemalt, gegärtnert, werden Waren in den Markt gebracht. Wenn er heute wiedereröffnet, wird von dem Trubel nichts mehr zu sehen sein. Nur noch auf den Fotos von Jans Kaisers Handy. Es klingelt gerade wieder.

Von Frank Schneider

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