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Turbine an Uslarer Unterhütte steht still

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Von: Frank Schneider

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Der Hüttengraben an der Unterhütte in Uslar, dessen Wasser normalerweise die Turbine der Stadtwerke angetrieben hat, ist nur noch ein Rinnsal mit grünem Algenteppich.
Der Hüttengraben an der Unterhütte in Uslar, dessen Wasser normalerweise die Turbine der Stadtwerke angetrieben hat, ist nur noch ein Rinnsal mit grünem Algenteppich. © Frank Schneider

Die Turbine der Stadtwerke an der Unterhütte in Uslar steht still. Mit der Stromgewinnung aus regenerativer Energie ist in dem Fall wohl Schluss.

Uslar - Die Stadtwerke Uslar GmbH bekommt keine wasserrechtliche Genehmigung mehr für den Hüttengraben.Warum das so ist, darüber scheiden sich die Geister. Da sind auf der einen Seite die Stadtwerke, die Unterstützung von der Lokalpolitik und auch aus der Bürgerschaft bekommen, ihnen die Wasserrechte wieder zu erteilen. Auf der anderen Seite steht die Untere Wasserbehörde. Die verlangt den Einbau einer Fischtreppe, weil es sich beim Hüttengraben um eine Stauanlage handelt, für die laut Behörde die ökologische Durchgängigkeit in Form einer Fischtreppe gesetzlich vorgeschrieben ist.

Die Fischtreppe ist der Stein des Anstosses. Denn die Stadtwerke erachten die Anlage als nicht erforderlich, weil laut Aussage von Geschäftsführer Martin Adolph gar keine Fische mehr im Hüttengraben lebten, zum anderen die Baukosten für eine solche Anlage dafür sorgten, dass sich die Turbine an der Unterhütte nicht mehr trage.

Das sagt der Landkreis

Der Landkreis, bei dem die Untere Wasserbehörde angesiedelt ist, verweist auf das Wasserhaushaltsgesetz. Darin steht, so berichtet der Landkreis auf Anfrage der HNA, dass die Errichtung, die wesentliche Änderung und der Betrieb von Stauanlagen nur zugelassen werden dürften, wenn die ökologische Durchgängigkeit in Form einer Fischtreppe geschaffen werde.

Weiter heißt es vom Landkreis, dass es vor allem bei kleinen Wasserkraftanlagen dazu kommen könne, dass die Kosten und der Aufwand für eine Fischtreppe nicht im Verhältnis zu der Energieausbeute der Wasserkraftanlage stehen. Und: „Die Stadtwerke Uslar haben daher im Februar 2022 das Wasserrecht aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben und ein Stauniederlegungsverfahren bei der Unteren Wasserbehörde beantragt.“

Das sagen die Stadtwerke

Die Stadtwerke können die Ablehnung nicht verstehen. Fische kommen allein schon aus baulichen Gründen gar nicht in den Hüttengraben, berichtet Geschäftsführer Adolph, und verweist auf den unterirdischen Verlauf bei den Ilse-Werken. Adolph: „In dem riesigen unterirdischen Rechteckprofilen schwimmen keine Fische.“

Außerdem fragt sich der Stadtwerke-Chef im Zusammenhang mit den zahlreichen Stauanlagen im Ahletal, aus dem das Wasser für den Hüttengraben kommt, wie das mit der ökologischen Durchgängigkeit funktionieren soll. Was nütze das, wenn angesichts so vieler Stauanlagen im Ahletal die Stadtwerke als einzige eine Fischtreppen bauen würden.

Adolph führt auch die finanzielle Seite ins Spiel: Er schätzt die Kosten für eine Fischtreppe für den Hüttengraben auf 175 000 Euro. Unter diesen Begebenheiten lohne sich der Betrieb der Turbine nicht mehr. Sie lieferte bisher 160 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das reicht für die Versorgung von 50 Wohnhäusern, erklärte der Geschäftsführer die Leistung der Turbine. Die Einnahmen für die Stadtwerke gibt Adolph mit 15 000 Euro pro Jahr an. Davon sind durchschnittlich 8000 bis 9000 Euro für Unterhaltungs- und Wartungsarbeiten pro Jahr und zudem für die Unterhaltung des Wasserlaufs zu bezahlen.

Der Gewinn aus dem Betrieb der Turbine liegt damit zwischen 3000 und 5000 Euro pro Jahr. Angesichts dieser Zahlen macht der Stadtwerke-Geschäftsführer auf die mehr symbolische Bedeutung der Turbine an der Unterhütte aufmerksam: Es ist nach seinen Worten die Keimzelle der Stadtwerke, die die Turbine 1918 von der Sollinger Hütte für die Stromerzeugung übernahm.

Sanierung steht bevor

Jetzt steht die Turbine still, sagt Adolph zum Stand der Dinge, dass die Stadtwerke das Wasserrecht aufgrund der Entscheidung der Behörde aufgegeben haben. Hinzu komme, dass eine Runderneuerung für die Wasserkraftanlage fällig sei. Doch das sei nur möglich, wenn die Stadtwerke wissen, dass ihnen das Wasserrecht wieder erteilt wird – ohne Fischtreppe. » (Frank Schneider)

Das Kraftwerk steht still: Martin Bense, Leiter des Netzbetriebs Strom bei den Stadtwerken, vor den beiden Francis-Spiralturbinen an der Unterhütte. Archivfoto: Kornelia Schmidt-Hagemeyer/nh
Das Kraftwerk steht still: Martin Bense, Leiter des Netzbetriebs Strom bei den Stadtwerken, vor den beiden Francis-Spiralturbinen an der Unterhütte. Archivfoto: Kornelia Schmidt-Hagemeyer/nh © Kornelia Schmidt-Hagemeyer

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