An der Unterhütte in Uslar dröhnte 200 Jahre lang der Hammer

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Postkarte aus dem Jahr 1903: Zu sehen ist links die Unterhütte, die einmal ein Standort der Sollinger Hütte war. Im Hintergrund ist die St.-Johannis-Kirche zu erkennen, davor die Amtsscheune.

Uslar. 1718 legte die hannoversche Regierung mit der Unterhütte einen zweiten Hüttenstandort im Gebiet der Stadt Uslar an und baute damit das 1715 begonnene Hüttenprojekt im Solling weiter aus.

Die Benennung entstand in Abgrenzung zur bereits bestehenden „Oberhütte“, die oberhalb der Ahle und des Hüttengrabens lag.

Auf der Oberhütte standen damals die Hochöfen, in denen man Gusseisen erschmolz. Auf der Unterhütte gab es dagegen zwei Frischfeuer und mehrere Zainhämmer, die durch das Wasser des Hüttengrabens in Bewegung gesetzt wurden. Hier erhitzte man das Gusseisen erneut und senkte durch das Schmieden unter dem etwa vier Zentner schweren Hammer den Kohlenstoffgehalt des Eisens.

Stabeisen für die Schmieden

Aus dem Gusseisen entstand so Schmiedeeisen, das in Form von Stabeisen an die umliegenden Schmieden geliefert wurde. Auch Sensenblätter produzierte die Unterhütte, die sehr begehrt waren, weil sie lange scharf blieben.

Von diesen ersten Erfolgen angespornt, dachte man damals in Hannover sogar über die Anlage eines dritten Standorts in den Ahlewiesen unterhalb des Eichholzes nach. Man hatte wohl ungefähr die Stelle im Auge, wo heute das Steimker Viadukt steht. Das Gelände war jedoch zu sumpfig und der Amtmann von Uslar riet deshalb dringend davon ab, dieses Projekt zu realisieren.

Roheisen wurde veredelt

200 Jahre lang blieb die Unterhütte eine Produktionsstätte, in der das Roheisen der Oberhütte weiter veredelt wurde. In den Hammerwerken schmiedete man das Eisen, das Reckwerk zog das glühende Eisen in die Länge und in großen Schleifkotten schliff man zum Beispiel die gusseisernen Bügeleisen plan.

Beim Schmelzen ging in Uslar das Licht aus

Im Jahr 1917 verkaufte der damalige Besitzer der Sollinger Hütte, der Rittergutsbesitzer Max Bothe aus Berlin, die Unterhütte zum Preis von 94 000 Mark an die Stadt Uslar. Im Kaufpreis enthalten war auch die Energiezentrale der Unterhütte, wo der Hüttengraben mittlerweile eine Turbine antrieb, mit der die Hütte ihren eigenen Strom erzeugte.

Sie wurde vom Städtischen Elektrizitätswerk übernommen und liefert den Stadtwerken in modernisierter Form auch heute noch Strom.

Da alle Leitungen zu diesem Generator führten, verpflichtete sich die Hütte damals weiterhin, ihren gesamten Strom von dort zu beziehen. Der Einbau vieler moderner und für damalige Zeiten leistungsstarker Elektrogeräte führte allerdings dazu, dass die Hütte eine elektrische Leistung von 115 PS benötigte, wenn mit dem Schmelzvorgang in den Öfen begonnen wurde. Zum Vergleich: Die gesamte Ortschaft Bollensen verbrauchte damals in Spitzenzeiten bis zu 15 PS Leistung.

Das führte regelmäßig zum Kollaps der alten Anlage. In Uslar gingen dann die Lichter aus, und das Eisen drohte im Ofen zu erkalten. Deshalb lieh sich die Hütte von nun an die Lokomobile vom Maurermeister Kerl, wenn eine Schmelze begonnen werden sollte. Die Lokomobile trieb dann einen zusätzlichen Generator an, der das Defizit gerade so ausgleichen konnte.

Die Fabrikanlagen auf der Unterhütte wurden nach dem Verkauf dann teilweise abgerissen oder zu Wohngebäuden umgewandelt. Aus einem frühen Industriegebiet der Stadt Uslar entstand auf diesem Wege in den folgenden Jahren eine Wohnsiedlung, deren Name „Unterhütte“ noch heute an den einstigen Fabrikstandort erinnert.

Museum Uslar, Sonderausstellung 300 Jahre Eisenverarbeitung in Uslar, bis 15. November, Dienstag bis Donnerstag und Samstag bis Sonntag jeweils von 15 bis 17 Uhr, Freitag von 10 bis 12 Uhr.

Von Daniel Althaus

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