120 Einsätze der Feuerwehr

Unwetter: Bleichstraße in Sohlingen war ein reißender Fluss

Uslar/Wahlsburg. Das Unwetter am Freitagnachmittag hat für das Uslarer Land und die Nachbargemeinde Wahlsburg Ausmaße erreicht, die zu einem der größten Feuerwehreinsätze der jüngsten Vergangenheit führten.

Stadtbrandmeister Jörg Jacob listete am Tag danach rund 120 Einsätze auf. Dabei kämpften 230 Feuerwehrleute aus allen Feuerwehren gegen die Folgen des Starkregens. Am stärksten betroffen waren Uslar, Wiensen, Eschershausen und Sohlingen.

In Sohlingen traf es die ohnehin von der Umleitung der Baustelle B 241 betroffene Anwohner der Bleichstraße: Am Freitag wälzte sich kein Verkehrdurch die enge und kurvenreiche Dorfstraße, sondern eine reißende Flutwelle. Dort dauerte der Einsatz der Feuerwehr bis 22.30 Uhr.

Dagegen ist Bodenfelde mit einem blauen Auge davongekommen, wie es Gemeindebrandmeister Jens Rölke formulierte: Es gab es nur einen Einsatz, als bedingt durch Sturmböen ein Baum auf die Wienser Straße fiel.

20 Einsätze in Wahlsburg

In der nordhessischen Nachbargemeinde Wahlsburg kam es zu 20 Einsätzen wegen überschwemmter Straßen, vollgelaufener Kellern und umgestürzter Bäume.

Besonders betroffen war Vernawahlshausen. Die Schwülme stieg innerhalb weniger Minuten um einen Meter an. Die Strandparty am Schwülme-Ufer wurde abgesagt: Das Hochwasser hatte den extra herbeigeschafften Sandstrand weggespült.

Fahrstuhlschacht läuft voll

Die Straße zwischen Lippoldsberg und Vernawahls-hausen war zwischenzeitlich nicht passierbar. Im Rehazentrum Lippoldsberg pumpte die Lippoldsberger Feuerwehr einen Keller und einen Fahrstuhlschacht leer.

In Uslar verwandelte sich als erste die Alleestraße in einen breiten Fluss, in dem Autos stecken blieben. Später wurden Schmetterlingspark und Georgshof überschwemmt.

Kleine Schweine gerettet

In Wiensen rettete die Feuerwehr Leben und brachte kleine Schweine vor dem Ertrinken aus einem Stall. Für eins der Tiere kam aber jede Hilfe zu spät, berichtet der Stadtbrandmeister.

In Wiensen musste die Feuerwehr zudem eine Ölsperre im Bachlauf errichten und eine Fläche von 100 Quadratmetern mit Bindemittel abstreuen. Die Wasserbehörde orderte einen Saugwagen einer Spezialfirma, der das Wasser-Öl-Gemisch aufnahm.

Betroffen waren auch sensible Gebiete wie das Wohngebiet Gänsekopf in Allershausen, wo das Wasser bei Starkregen nicht mehr durch die Abflüsse passt und die Straßen überflutete: An der Kreuzung Ostlandstraße/Gänsekopf tanzte der Gullydeckel auf einer Fontäne, berichten Augenzeugen. Die Einwohner halfen sich selbst, öffneten Gullydeckel in der Gosse, damit das Wasser abfließen konnte.

Einsatzleitung koordinierte vom Feuerwehrhaus Uslar aus

n einer ersten Manöverkritik nach dem Unwetter-Einsatz aller Feuerwehren aus dem Uslarer Stadtgebiet berichtet Stadtbrandmeister Jörg Jacob von einer sehr guten Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof und der Polizei.

Alle Einsätze wurden über die Funkzentrale im Feuerwehrhaus Uslar abgewickelt. Dort saßen auch der Telefondienst und die Einsatzleitung mit dem Stadtbrandmeister an der Spitze. Die Einsatzabschnitte übernahmen entweder der jeweilige Ortsbrandmeister oder bei größeren Einsatzstellen die stellvertretenden Stadtbrandmeister, beziehungsweise der Abschnittsbrandmeister.

Die Verpflegung der Einsatzkräfte erfolgte durch viele Anwohner vor Ort, wurde aber auch zentral für alle Einsatzkräfte über die Einsatzleitung im Feuerwehrhaus Uslar organisiert. Bürgermeister Torsten Bauer machte sich selbst ein Bild an den Einsatzstellen.

Der Einsatz war für die Feuerwehr am Tag darauf noch lange nicht vorbei: Am Samstag waren noch Rest- und Aufräumarbeiten sowie die Reinigung der Gerätschaften und Fahrzeuge zu erledigen. 

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Rubriklistenbild: © Foto: Klaus Kairat/nh

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