Vorhaben mit der Uni Göttingen 

Uslar soll aufblühen und Modellprojekt für Artenvielfalt werden

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Für den wissenschaftlichen Blick auf Blühstreifen in Uslar stehen Prof. Dr. Catrin Westphal, Dr. Annika Haß und Isabelle Arimond (von links) bereit. 

Uslar und die Region sollen bundesweites Modell für größere biologische Vielfalt auf Äckern mithilfe von Blühstreifen werden. Das strebt die Stadt mit der Uni Göttingen und Landwirten an.

Start soll bereits im kommenden Jahr sein. Zwar sind die positiven Auswirkungen von Blühstreifen sehr gut untersucht, aber konkrete, wissenschaftliche Handlungsempfehlungen gibt es nicht, beispielsweise gibt es keine wissenschaftliche fundierte Aussage, auf die Frage: Soll der Anteil an Blühstreifen vier, acht oder zwölf Prozent der Ackerfläche betragen?

Dem Projekt liegen weitere Fragen zugrunde: Wie können Landwirte beispielsweise Bestäuber wie Hummeln, Bienen und andere Insekten, Vögel und Gegenspieler von Schädlingen durch die Anlage von Blühstreifen auf ihren Feldern am besten helfen? Wie groß müssen diese Blühstreifen sein und wie müssen sie in der Landschaft verteilt sein, um biologische Vielfalt zu fördern, und wie sind sie für Landwirte wirtschaftlich vertretbar zu gestalten und welche finanziellen Anreize würden helfen?

32 unabhängige Landschaften sollen ausgewählt werden

Hinter dem Projekt stehen die Heisenberg-Professorin für Funktionelle Agrobiodiversität an der Uni Göttingen, Dr. Catrin Westphal, und ihre beiden Mitarbeiterinnen Dr. Annika Haß und Isabelle Arimond, der Kreisbauernverband Northeim-Einbeck, vertreten durch Vorstandsmitglied Jörg Gebauer aus Sohlingen, und Geschäftsführer Gerhard Rudolph, die Stadt Uslar mit Bürgermeister Torsten Bauer und dem Uslarer Ratsherren der Grünen, Volker Ruwisch.

Um die grundlegenden und viele andere Fragen mehr beantworten zu können, sollen 32 unabhängige, ein Quadratkilometer große Landschaften ausgewählt werden. Nach einer Bestandsaufnahme soll in diesen Arealen in unterschiedlichen Anteilen von null bis zwölf Prozent der Ackerflächen mit mehrjährigen Blühstreifen bepflanzt werden. Welche Pflanzen ausgesät werden, steht aber noch nicht fest.

Biologische Schädlingsbekämpfung ist ein Schwerpunkt

Diese Streifen werden dann auf die Vielfalt der Artengruppen untersucht. Ein Augenmerk gilt dabei den Hummeln, die zu den wichtigsten Bestäubern im Pflanzenreich gehört. Catrin Westphal ist beispielsweise der Nachweis gelungen, dass Gartenhummeln effektiver bestäuben als Honigbienen. Neben der Bestäubung ist auch die biologische Schädlingsbekämpfung ein Schwerpunkt der Forschungsarbeiten.

Anschließend wird die Wirtschaftlichkeit untersucht. So werden flächenspezifische Kosten ermittelt, Aufwand und Ertrag errechnet und in Bezug zum Gesamtdeckungsbeitrag des landwirtschaftlichen Betriebs gestellt. „Wir erwarten, dass sich die Ergebnisse und Erfahrungen auf andere Regionen übertragen lassen“, sagt die Professorin. „Durch Schließen der Forschungslücken sollen konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt werden, die eine politische Umsetzung ermöglichen und dadurch signifikant zur Steigerung der Biodiversität in den landwirtschaftlich genutzten Flächen beitragen.“  

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