Für neuen Hausentgelttarifvertrag

Warnstreik bei der Uslarer Bergbräu - Mitarbeiter gehen auf die Straße

Protest: Die Mitarbeiter der Brauerei Bergbräu gingen beim Warnstreik am Freitag auch über den Uslarer Landmarkt. Foto: Schneider

Uslar. Ein Dutzend Mitarbeiter – und damit der Großteil der Belegschaft der Uslarer Brauerei Bergbräu – ist am Freitagvormittag in einen zweistündigen Warnstreik getreten. Es ist der erste Streik in der 146-jährigen Geschichte des Uslarer Traditionsunternehmens.

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) fordert den Abschluss eines neuen Hausentgelttarifvertrags. Es habe seit Ende 2006 keine Entgelterhöhungen mehr gegeben, so die NGG. Die Geschäftsleitung der Brauerei habe bisher nicht auf die Forderungen reagiert und vielmehr angekündigt, dass alles in Arbeitsverträgen geregelt werde und „Briefe der Gewerkschaft ohnehin ungelesen in den Papierkorb geschmissen“ würden, berichtet Manfred Tessmann, Geschäftsführer der NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen.

Sander: Streik illegal

Die Geschäftsleitung dagegen wertet den Warnstreik als ein völlig falsches Signal. Zum einen sei der Streik absolut vertragswidrig, weil der Tarifvertrag nicht gekündigt worden sei, sagte am Freitag Ulrich Sander für die Bergbräu-Geschäftsführung. Es bestehe daher absolute Friedenspflicht. Streik sei absolut vertragswidrig, sagte Sander.

Zum anderen sei dem Betriebsrat in einem ausführliche Gespräch am 18. November deutlich gemacht worden, dass die wirtschaftliche Situation derzeit nichts hergebe. Die Brauerei ist noch nicht über den Berg, berichtete Sander von den Absatzproblemen des Hauses in den vergangenen Jahren. Sander bestätigte aber auch eine positive Entwicklung durch das Engagement der neuen Eigentümer und erfreuliche Absatzsteigerungen in diesem Jahr.

Die Uslarer Privatbrauerei Bergbräu ist im Jahr 2013 von Hinrich Haffner, der das 1868 gegründete Unternehmen in fünfter Generation führte, an die Familie Sauer aus Burgau bei Augsburg als Mehrheitseigner verkauft worden. Eine Minderheitsbeteiligung hält Ulrich Sander aus Volpriehausen.

Keine utopische Forderung

Der Betriebsrat mit dem Vorsitzenden Heinrich Waßmann sagte am Freitag, dass die Geschäftsleitung mehrfach um Gespräche gebeten worden sei, um grundsätzlich miteinander zu reden. Denn die Belegschaft habe in der Vergangenheit immer Entgegenkommen gezeigt. Es war alles abgestimmt auf eine kleine Brauerei.

Im Vergleich zu anderen Betrieben der Branche und anderen Bundesländern würden die Mitarbeiter der Uslarer Brauerei erheblich weniger verdienen. Es gehe aber nicht um utopische Forderungen, sagte Waßmann, sondern um Tarifsicherheit.

NGG-Geschäftsführer Tessmann versicherte, dass der Warnstreik rechtens sei, weil er angemeldet worden sei und der NGG das Kündigungsschreiben für den Lohn- und Gehaltstarifvertrag vorliege. Nach dem Streik bestehe nach wie vor Gesprächsbereitschaft. Wenn sich aber nichts bewege, so Tessmann, „wird die NGG die Urabstimmung einleiten“. Ein unbefristeter Streik sei dann nicht ausgeschlossen. (fsd)

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