Kräuter können Beschwerden lindern

Pflanzenheilkunde: Uslarer Ärztin wirbt für die Heilkraft aus dem Garten

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Dr. Margrit Schlichting-Partikel mit Andorn, der Heilpflanze des Jahres. 

Uslar. Die Heilkraft aus dem Bauerngarten ist eine Renaissance der Pflanzenheilkunde, sagt die Uslarer Ärztin Dr. Margrit Schlichting-Partikel.

Es gibt eine zunehmende Rückbesinnung auf die therapeutischen Möglichkeiten der Heilpflanzen, weil die Behandlung mit schulmedizinischen Methoden inzwischen oft sehr schwierig werde. Es gebe viele Keime, die auf Antibiotika schlecht ansprechen.

Auf der ganzen Welt werde intensiv geforscht, um die oft ungeahnten Möglichkeiten der Pflanzenwelt zur Behandlung von Krankheiten zugänglich zu machen. Als die Menschen noch auf den Ertrag ihrer Gärten zum Überleben angewiesen waren, hatte gerade auf dem Lande fast jeder Haushalt eine „Hausapotheke“.

Verschiedene Kräuter für verschiedene Beschwerden

Es wurden Heilkräuter wie Pfefferminze und Kamille für Tees gezogen, schwarzer Rettich zur Herstellung von Hustensirup angebaut, und man wusste um die heilende Wirkung von Möhrensuppe bei Durchfall. Gewürzkräuter wie Anis, Fenchel, Dill, Rosmarin, Thymian und Beifuß wurden eingesetzt, um etwa die Verträglichkeit von Speisen zu verbessern. Die Behandlung mit Heilkräutern braucht jedoch Zeit und etwas Geduld.

Später ging der Trend hin zu pflegeleichten Grundstücken, heute gipfelt es in der Versteinerung der Vorgärten. Und durch Mikrowellen zogen Halbfertig- und Fertigprodukte in die Küche ein. Dem Trend wollen Dr. Schlichting-Partikel und der ökologische Arbeitskreis mit den Helfern des Projektes Bauerngarten regional entgegenwirken.

Bauerngarten in Uslar. 

Das Jahresthema Heilkraft aus dem Bauerngarten sei eine Würdigung der traditionellen europäischen Medizin, die immer wichtig war als Erfahrungsheilkunde. Basierend auf Wissen aus der Kloster- und Volksmedizin. Inzwischen gebe es isolierte Pflanzenextrakte, die als „sanfte Behandlung“ auch in der Schulmedizin Einzug in der täglichen Sprechstunde des Hausarztes gehalten haben.

Heilkräuter zuhause im Garten oder auf dem Balkon aufziehen

„Die Verarbeitung und der Gebrauch der ganzen Heilpflanze scheint das Wirkungsspektrum und die Wirkintensität zu erhöhen, wie man inzwischen weiß“, sagt die Ärztin. Sie wünscht sich, dass die Tradition der Selbstversorgung mit Heilkräutern wieder auflebt. Ein Anfang wäre, wenn man im Sommer Kapuzinerkresse im Topf zieht oder sich einen kleinen Bestand an mediterranen Kräutern wie Thymian, Rosmarin und Oregano auf dem Balkon zulegt.

Schnell sei mit einem Blatt der Kapuzinerkresse oder des Salbei, das man langsam kaut, dank der ätherischen Öle der beginnende Halsschmerz beseitigt. Und für die menschliche Gesundheit nicht zu unterschätzen sei die positive Energie, die von der vielfältigen, insektenreichen Pflanzenwelt mit ihren Düften und Farben ausgeht.

Das Wissen über Heilpflanzen bewahren und weitergeben

Im Uslarer Land setzt die Initiative Bauerngarten mit dem Projekt an der Mauerstraße auf Bewahrung des alten Kräuterwissens und die Hege der genetischen Pflanzenvielfalt. Dort wird durch den Pflanzenanbau auch ein Lebensraum für die dezimierte Insektenwelt bereit gehalten. 

Vor 15 Jahren vom ökologischen Netzwerk der evangelischen St.-Johannis-Kirchengemeinde gegründet, bringt das Bauerngarten-Team vielfältige Talente mit. Dazu gehören professionelle Gartenkenntnisse, Erfahrungen und Interesse am Erhalt der Rezepte für Hausmittel, wie sie früher von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Mit jährlich wechselnden Pflanzthemen gibt die ehrenamtlich tätige Gruppe Informationen über den Anbau und die heilende Wirkung von Heckenfrüchten, Gartenkräutern und alten Gemüsesorten weiter. Da geht es um „Kraft aus der Tiefe: Rübe und Co“ über „Schön und scharf – die Zwiebelgewächse“ bis hin zu „Bitternis und Frohsinn“, einer Bepflanzung mit bitterstofftragenden und verdauungsfördernden Heilkräutern. 

Andorn ist die Arzneipflanze des Jahres – sie wirkt schleimlösend

Das aktuelle Jahresthema vernetzt viele Akteure. So hat der Imkerverein einen „Bienenpfad“ im Garten eingerichtet, um auf die Wichtigkeit der Honigbiene für den Ertrag im Obstanbau hinzuweisen. Landfrauen haben vor Jahren einen Apfelbaum gespendet, und für die Aktion Ferienspaß werden Programme zum Kennenlernen von Gartenkräutern für Kinder angeboten.

 Im Mittelpunkt stehen jetzt Gewürz- und Heilpflanzen wie Baldrian, Eibisch, Lavendel, Thymian, Salbei und eher weniger bekannte Arten wie Ysop, Mutterkraut und Schafgarbe. Präsentiert werden soll zudem der Andorn (Marrubium vulgare) als Arzneipflanze des Jahres 2018. Andorn wird als schleimlösendes Bronchitismittel geschätzt. 

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