Uslarer Ausschuss stimmt gegen zweites Windrad auf dem Lichtenberg

Technik am Kranhaken in großer Höhe: Wenn es nach dem Willen der Uslarer Lokalpolitik geht, gibt es am Lichtenberg zwischen Verliehausen, Arenborn und Ahlbershausen kein zweites Windrad. Unser großes Symbolbild zeigt Maschinenteile am Kranhaken und (kleines Bild) ein Detail im Innenraum eines Windrades mit Nabe und Ansätzen der Rotorblätter. Archivfotos: Christian Tietjen/Nilz Boehme/nh

Uslar. Wenn es nach der Mehrheit der Uslarer Lokalpolitiker geht, wird es kein zweites Windrad am Lichtenberg geben. In der öffentlichen Sitzung des Wirtschafts- und Entwicklungsausschusses stimmten am Dienstag sieben Politiker vor 30 Zuhörern im alten Rathaus gegen eine zweite Anlage. Werner Driehorst (Bunte Gruppe) und Stefan Ellies (CDU) enthielten sich der Stimme.

Am heutigen Donnerstag ist die Planung einer zweiten Anlage auch Thema im Verwaltungsausschuss, der nichtöffentlich tagt. Auch dort wird ein ähnlich deutliches Abstimmungsergebnis erwartet. Seitens der Stadt bestehen gegen die Planung inhaltliche Bedenken, heißt es in dem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung.

Am 21. Januar ging beim Landkreis Northeim der Antrag auf Errichtung und Betrieb einer zweiten Windenergieanlage am Lichtenberg ein. Im Verfahren bestand für die Stadt bis zum 26. März die Möglichkeit, zum Vorhaben eine Stellungnahme abzugeben, ihr Einvernehmen zu erteilen oder zu versagen.

Diese Frist hat die Stadt versäumt. Der Landkreis als Genehmigungsbehörde bewertet das als erteiltes Einvernehmen. Dennoch sei eine Stellungnahme der Stadt im laufenden Genehmigungsprozess möglich. Etwaige Bedenken würden abgewogen und gegebenenfalls bei der Entscheidung berücksichtigt.

Vor der Abstimmung im Fachausschuss nahmen die Fraktionen Stellung. CDU-Sprecher Wilfried Fischer bezog sich auf Erhebungen des Kreises, der den Lichtenberg nur als bedingt für ein Windrad geeigneten Standort ausweist. „Wir sind mehrheitlich der Meinung, dass auch vor dem Hintergrund des Bauwahns ein besserer Standort überlegt werden sollte“, so Fischer. Außerdem werde eine Einschränkung der Lebensqualität für die Menschen in den angrenzenden Dörfern erwartet.

SPD-Sprecher Dr. Hermann Weinreis sprach angesichts der Fehlinformationen der Verwaltung im Vorfeld der Beratungen von einem Vertrauensverlust gegenüber Bürgermeister Torsten Bauer. In der jetzt erarbeiteten Beschlussvorlage vermisse er zudem eine inhaltliche Stellungnahme der Verwaltung zu dem Bauvorhaben. „Offensichtlich wollen viele Einwohner keine zweite Anlage“, sagte Weinreis vor dem Hintergrund der Proteste unter anderem der Bürgerinitiative Lebenswerte Lichtenbergdörfer.

Deshalb folge die SPD auch dem Votum des Verliehäuser Ortsrates und lehne eine zweite Anlage ab. Man brauche für das Stadtgebiet einen Windrad-Positivplan, forderte Weinreis, weil das auch Investoren Sicherheit gebe.

Heidemarie Steingräber (UWG) ist mit der Arbeitsweise der Verwaltung nicht einverstanden. „Wir hätten viel früher informiert werden müssen“, sagte sie. Gleichzeitig forderte auch sie einen grundsätzlichen Standortplan.

Bürgerinitiative wirbt für Versöhnung

Interessiert verfolgten auch Windkraftgegner die Beratungen im Rathaussaal. Anke Fleischer (Verliehausen) wollte wissen, ob die jetzt geäußerten Bedenken der Uslarer Lokalpolitik überhaupt noch berücksichtigt werden.

Bürgermeister Torsten Bauer sagte, er habe mit dem Landkreis telefoniert und die Zusage erhalten, dass die aus Uslar vorgetragenen Argumente im Genehmigungsverfahren abgewogen würden. Formal sei zwar Einvernehmen erklärt worden, inhaltlich würden die Bedenken aber berücksichtigt, glaubt zumindest der Bürgermeister.

Bernd Schmiedel (Ahlbershausen) gab zu Bedenken, dass für das bereits laufende Windrad am Lichtenberg die Immissionswerte nur theoretisch berechnet und ermittelt wurden. Man müsse für das laufende Genehmigungsverfahren jetzt machbare Messungen vornehmen, forderte er. Und Friedbert Leßner (Verliehausen) buhlte um Versöhnung. Er fragte, ob Bürgermeister, Verwaltung und die Politik trotz der Kritik der Bürgerinitiative wegen der versäumten Frist weiterhin mit ihnen diskutieren wolle. Das wurde von allen Gefragten mit „Ja“ beantwortet.

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