Uslarer Musikproduzent hat Studio für Stars im alten Kuhstall

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Arbeitsplatz Wetcat-Studio: Die Sängerin Rosanne Rocci ließ 2014 ein Video von Jörg Lamster produzieren.

Allershausen. Der deutsche Schlager pilgert ins Wetcat-Studio. Von G. G. Anderson bis zu den Wildecker Herzbuben, die Alt- und Jungstars des deutschen Schlagers kennen sich aus im Studio von Jörg Lamster.

Seit 25 Jahren arbeitet er in Allershausen erfolgreich als Musik- und Videoproduzent im eigenen Tonstudio.

Es war einmal ein Kuhstall. So beginnt die Geschichte des Wetcat-Studios von Lamster, das sich in einem ehemaligen Stall befindet. Es ist die Geschichte eines talentierten Jungen der es schaffte, in der Provinz unter dem Radar der lokalen Öffentlichkeit einen Treffpunkt des deutschen Schlagers aufzubauen. Wenn sie nicht von sich aus kommen, schicken Plattenfirmen Künstler, damit aus musikalischen Ideen Songs und CDs werden, die sich verkaufen lassen.

Sein erstes Studio war ein kleiner Raum an der Langen Straße in Uslar, gefolgt von einem Schafstall in Kammerborn, dem er sich mit Günther Würfel, einen anderer Uslarer Musikproduzenten, teilte. „Dann hatte ich keine Lust mehr, mit der ganzen Technik umzuziehen“, sagt Lamster und hatte Glück. Landwirt Friedrich Knüppel hatte die Kühe abgeschafft. Und so begannen im Dezember 1990 die Bauarbeiten. Eine nasse Katze half bei der Namensfindung, das „Wetcat“-Studio wurde als Warenzeichen eingetragen.

Wie alles begann: Jörg Lamster 1990 mit Oberlippenbart und Haaren.

Da hatte die erste Produktion „Uslar Music“, einer CD mit lokalen Bands, schon begonnen. 1000 CDs wurden verkauft, ein Erfolg. Die zweite Produktion mit volkstümlichen Melodien war weniger erfolgreich. Die habe er noch lange abgestottert. Dann kam „Never Look Back“, die Mädchenband aus Uslar, deren Fans sich noch heute bei ihm melden und die Lamster im eigenen Wetcat-Label verlegte.

Sich auf deutschen Schlager zu verlegen, war dem Tontechniker zu dem Zeitpunkt noch nicht in den Sinn gekommen. Dennoch nahm der die Chance wahr, als eine Plattenfirma anrief, die ein Studio suchte.

„Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt Lamster. Es folgten lehrreiche Jahre. So habe er eine Zeit lang 80 Prozent seines Umsatzes mit einer einzigen Plattenfirma gemacht. Als dieser Umsatz wegfiel, weil die Firma übernommen wurde, sei das ein Schock gewesen, von dem sich das Studio jedoch erholt hat, weil sich Lamster mittlerweile einen Namen in der Szene gemacht hatte.

Denn das ist es, was zählt. „Die Leute fragen nicht nach deiner Qualifikation, sondern mit wem du schon gearbeitet hast.“ Die Reihe der Namen ist lang. Siw Malmkvist brachte das schwedische Fernsehen mit, Lys Assia, die als erste den Eurovision Song Contest gewann, ließ sich in einer Limousine vorfahren.

Schlagersänger im Studio: GG. Anderson (von rechts ) mit seinem Musikpartner Engelbert Simons und Wolfgang Schwalm (vorn) von den Wildecker Herzbuben.

Bizarr war die Geschichte um Camillo Felgen, einem Luxemburger Star aus den 1960er Jahren, den eine Plattenfirma im hohen Alter für ein Comeback gewinnen wollte. Lamster wartete im Studio, als er den Anruf erhielt, der Mann sei im Alter von 84 Jahren gestorben.

Und abenteuerlich war es laut Lamster um die Produktionen von Lisa Launis, die Schweizerin Esther Chapmann und Tanja Schumann, bekannt aus dem Dschungelcamp und der RTL Samstag Nacht-Show. Für Schumann drehte Jörg Lamster ein Video. Denn auch das gehört zum Angebot des Wetcat-Studios. Und wenn es nach Jörg Lamster geht, ist damit noch lange nicht Schluss.

HINTERGRUND

Zunächst sah es ganz so aus, als ob Jörg Lamster selbst auf der Bühne stehen würde. Er wurde am 31. Juli 1967 in Uslar geboren, 1988 legte er sein Abitur ab. Bilder beweisen, dass er bereits als kleiner Junge auf dem heimischen Küchentisch Konzerte gab. Dann lernte er Querflöte beim Spielmannszug in Schoningen, später Klavier bei einer Uslarer Klavierlehrerin.

Doch statt Etüden zu üben, spielte Jörg lieber die Hits aus der Hitparade nach. Als das Klavier kaputt ging, begann Lamsters Orgel-Karriere. Er trat bei Veranstaltungen auf, gewann sogar bei Wettbewerben.

Die Wendung hin zur Tontechnik löste ein vierspuriger Kassettenrekorder aus. Mit dem begann Lamster im Alter von 14 Jahren zu experimentieren und stellte fest, das ist es. Und das war es.

Nach dem Abitur jobbte er im Göttinger Studio von Matthias Reim, der später mit dem Hit „Verdammt ich lieb dich“ berühmt wurde. Schließlich folgte die Ausbildung zum Tontechniker, an der SAE „School of Audio Engineering“ in Frankfurt. Lamster lebt mit seiner Frau Renate in Allershausen.

Von Gudrun Porath

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