Nach Friederike

Vier Monate nach Sturmtief: Aufräumen im Wald dauert an

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Technik erleichtert die Arbeit: Der große Fortschritt bei den Arbeiten wie hier im Forstrevier Hardegsen ist nur durch den Einsatz moderner Holzerntemaschinen möglich. Harvester (Bild) werden eingesetzt, um Bäume zu fällen beziehungsweise Sturmholz oberhalb der Wurzel abzusägen und zu entasten.

Uslar. Nach vier Monaten ist die Gefahr durch das Sturmtief Friederike nicht gebannt: Denn noch immer fallen Bäume. „Dazu reicht eine Böe“, sagt Thomas Reulecke, Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Dassel.

Diese „Nachwürfe“ bereiten den Förstern neben dem Zeitdruck bei der Beseitigung der Sturmschäden im Wald aktuell zusätzlich Sorgen. So war Thorsten Möhlenhoff, Leiter im Forstrevier Fredelsloh, unlängst am Wochenende gleich zwei Mal im Wald, um neu umgestürzte Bäume von Wegen zu entfernen. Die Wurzeln dieser Bäume seien beim Sturm gerissen, erklärt Reulecke. Nun genüge eine Böe, um sie umzuwerfen. „Dabei stehen die Bäume zum Teil kerzengerade da“, sagt Ines Mackeldey, die als Trainee vorübergehend das Forstrevier Hardegsen leitet. Selbst für Fachleute sei es schwer zu sehen, dass sie nicht mehr sicher stehen.

Bei stärkeren Wind oder einem Gewitter sei es unter Bäumen nach wie vor gefährlich, warnen die Forstleute vor dem Betreten der Wälder und hoffen auf Einsicht. Reulecke: „Wir können nicht alle Wege sperren.“

In allen 14 Revieren des Niedersächsischen Forstamtes Dassel wird ohnehin auf Hochdruck gearbeitet. 170 000 Festmeter Holz hat der Wind hier umgeworfen. Mit 40 000 Festmetern ist die Revierförsterei Fredelsloh am stärksten betroffen. Die vom Sturm umgestürzten Fichten entsprechen etwa dem Dreifachen der üblichen jährlichen Einschlagsmenge im Forstamt Dassel.

Aber auch Lärchen, Douglasien, Buchen und Eichen knickten um. Letztere sogar überproportional, sagt Reulecke. Neben größeren Flächen, die Friederike überall im Solling verwüstete, liegen an vielen Stellen einzelne Bäume im Wald und machen Arbeit. Die Zeit drängt, weil Pilze und Insekten das Holz zu entwerten drohen. Besonders fürchten die Waldbesitzer den Buchdrucker. Die Borkenkäfer-Art bohrt zur Eiablage Gänge in die Rinde von Totholz. Wenn die Jungkäfer im Juni in Massen ausschwärmen, bedrohen sie allerdings auch die vom Sturm verschonten stehenden Bäume.

„Deshalb arbeiten wir unter Zeitdruck, versuchen die Arbeit in der Mehrzahl der Reviere bis Ende Juni abzuschließen“, sagt Reulecke. Im Forstrevier Fredelsloh werde dies wohl nicht vor Herbst zu schaffen sein, fürchtet Revierleiter Möhlenhoff.

Um das Sturmholz aus dem Wald zu holen, setzt man moderne Holzerntemaschinen ein: Ein Harvester fällt und entastet die Bäume, der Rückezug holt sie aus dem Wald und lädt sie auf Lastwagen. Ein Vorteil der Maschinen sei auch die Arbeitssicherheit sagt Reulecke. „Gott sei Dank hatten wir noch keinen Unfall.“

Insgesamt 110 Leute arbeiten aktuell in den 14 Revieren. Das ist nur möglich, weil Kollegen der Niedersächsischen Landesforsten aus Nienburg und Harsefeld mit ihrer Technik aushelfen. Außerdem hat das Forstamt Dassel Aufträge an Forstunternehmen aus Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vergeben.

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