Göttinger Gericht verurteilt 37-Jährigen

Viereinhalb Jahre Haft für Uslarer nach Gewalt gegen Frauen

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand.
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Wegen zahlreicher Gewalttaten gegen Frauen hat das Göttinger Landgericht jetzt einen 37-jährigen Uslarer zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Archivfoto: Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand, Bayern, Bamberg.

Zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren hat das Landgericht Göttingen am gestrigen Donnerstag einen 37-jährigen Mann aus Uslar wegen zahlreicher Gewalttaten gegen Frauen (wir berichteten) verurteilt.

Göttingen/Uslar – Die Kammer sah es am Ende des fast sieben Monate dauernden Prozesses als erwiesen an, dass der Angeklagte über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren seine jeweiligen Partnerinnen körperlich misshandelt hat. Der 37-Jährige habe sich damit der Vergewaltigung in zwei Fällen, der gefährlichen Körperverletzung in fünf Fällen sowie der vorsätzlichen Körperverletzung in sieben Fällen, in einem Fall mit einer Nötigung, schuldig gemacht.

Das Gericht hielt die Angaben von sechs betroffenen Frauen für glaubwürdig. Lediglich in einem Fall gab es einen Freispruch. Die Angaben dieser Zeugin seien höchst inkonstant gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Deshalb lasse sich darauf keine Verurteilung stützen.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch plädiert. Der Angeklagte hatte sämtliche Vorwürfe bestritten und lediglich eine Ohrfeige eingeräumt. Er warf den Zeuginnen vor, dass diese eine Verschwörung gegen ihn angezettelt hätten. Dafür sah das Gericht allerdings keinerlei Anhaltspunkte.

Frauen brauchten lange, um sich aus der Beziehung zu lösen

Mehrere der betroffenen Frauen hatten von sich aus zunächst keine Anzeige erstattet, sondern waren erst von der Polizei im Rahmen ihrer Ermittlungen aufgespürt worden. Die Zeuginnen hätten bei ihrer Vernehmung vor Gericht auch keine Belastungstendenzen gezeigt, sagte der Vorsitzende Richter.

In jeder dieser Beziehungen kam es zu häuslicher Gewalt. Die betroffenen Frauen hatten teilweise sehr lange gebraucht, bis sie sich daraus lösten. Es sei schwer verständlich, warum sie nicht vorher die Reißleine gezogen hätten, sagte Jakubetz. „Die beste Prävention wäre gewesen zu gehen.“

Nach Ansicht der Kammer ist der Angeklagte voll schuldfähig. Ein psychiatrischer Gutachter hatte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Diese habe aber nicht dazu geführt, dass seine Steuerungsfähigkeit „forensisch relevant vermindert“ gewesen sei, sagte Jakubetz. Sein Verhalten hätte sich über viele Jahre eingeschliffen.

Fälle verliefen nach gleichen Mustern

Opfer der ersten angeklagten Taten war eine Frau, die der Uslarer 2007 kennengelernt hatte. Dieser Fall entwickelte sich wie alle späteren nach einem bestimmten Muster: Es kam sehr rasch zu einer Beziehung, und schon nach kurzer Zeit zog die Frau zu dem Angeklagten, der all die Jahre in seinem Heimatort Uslar blieb. Typisch sei laut Richter Tobias Jakubetz außerdem, dass der Uslarer während einer laufenden Beziehung bereits die nächste Frau kennengelernt hatte. (Heidi Niemann)

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