Aus 34 Gewerken

Wandergesellen zeigen auf der Steimke bei Uslar ihr handwerkliches Können

Sommerbaustelle auf der Steimke: Zur Besichtigung der Sommerbaustelle der Wandergesellen kamen neben Bürgermeister Bauer (3.v.l) auch Matthias Riemer (hinten, Mitte) und Gernot Bollerhai (links) von der Kreis-Sparkasse Northeim, deren Stiftung die Baustelle unterstützt.
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Sommerbaustelle auf der Steimke: Zur Besichtigung der Sommerbaustelle der Wandergesellen kamen neben Bürgermeister Bauer (3.v.l) auch Matthias Riemer (hinten, Mitte) und Gernot Bollerhai (links) von der Kreis-Sparkasse Northeim, deren Stiftung die Baustelle unterstützt.

Aus der Stille der Wiesen erhebt sich ein altes Gut. Große Scheunen markieren die einst landwirtschaftliche Nutzung. Auf dem Hof ist von Stille jedoch keine Spur. Über 120 Wandergesellen aus 34 Gewerken haben den Gutshof Steimke in ihre einmal jährlich stattfindende gemeinnützige Sommerbaustelle verwandelt.

Uslar – Es gibt viel Platz auf der Steimke, mehrere alte Gebäude und genug Ideen. Die lassen sich oft nur mit vielen anderen Menschen realisieren. Das wissen auch Robert und Corrie Schöning, die das Anwesen vor Jahren gekauft haben. Sie sind als kreative Geister über die lokale Kunst- und Kulturszene hinaus bekannt und ziehen auch andere kreative Menschen an.

Damit die Kultur-Scheune mit Planetarium in der Zeit nach Corona noch besser zu nutzen ist und um neue Ideen wie den Junghandwerkerhof umzusetzen, haben Wandergesellen einmal mehr eine Sommerbaustelle auf dem Hof eingerichtet.

Überall wird gebaut, getischlert, gezimmert, gehämmert und geschliffen. Die Stimmung ist entspannt geschäftig, alle begegnen sich auf Augenhöhe. Mitten auf dem Hof vor dem Teich entstehen Fachwerkwände, die das neue Getränkelager in der Kulturscheune abgrenzen sollen. An der Scheune arbeiten Maurer an der alten Schmiede. In der Behelfsschmiede unter Planen gegenüber schmieden Handwerker Nägel. Die sind für das neue Scheunentor. Das sieht schon in seiner Rohform aus Eichenholz beeindruckend aus. Fertig ist es noch nicht. In der Scheune haben Holzbildhauer ihre Werkstatt eingerichtet. Sie schnitzen von Hand ein schmückendes Zierwerk, das das Tor noch „wertvoller und beeindruckender“ machen soll.

Abenteuerspielplatz: Die Robinienstämme wurden gespendet, die Arbeitsleistung der Wandergesellinnen und -gesellen gibt es gegen Kost und Logis.

Nebenan entstehen im ehemaligen Hühnerstall neue Werkstätten für den geplanten Kultur- und Junghandwerkerhof. Die Wandergesellen (Männer und Frauen) haben das Gebäude entkernt und den Boden aufgeschüttet, um ihn für den Belag vorzubereiten. Die Bohlen dafür wurden am mobilen Sägewerk auf dem Hof geschnitten. Das Sägewerk ist eine Leihgabe aus Dinkelhausen, das Holz stammt aus dem Wald nebenan. Es ist Käferholz, das der verstorbene Waldbesitzer Willi Holz aus Schoningen noch gestiftet hatte. In der improvisierten Werkstatt neben der Scheune entstehen auf einem riesigen Tisch die stabilen und mobilen Zwischenwände für die einzelnen Werkstätten, ebenfalls aus Vollholz.

Zwischen Scheune und dem Junghandwerkerhof stehen gespendete und entrindete Robinienstämme. Das werde der neue Abenteuerspielplatz, freut sich Robert Schöning. Zwischen das laute Geräusch von Schleifmaschinen und Sägen mischt sich ein anderer Ton: Eine Wandergesellin fährt mit dem Rad über die Baustelle und bläst in ein Horn. Das Signal zum Essen. Das findet weiter hinten auf dem Hof unter einem extra gespannten Schleppdach statt. Drinnen ist eine professionelle Großküche mit extra gebautem Steinbackofen für frisches Brot, draußen gibt es ausreichend Sitzplätze für alle.

Traditionelles Handwerk: Fachwerkbalken aus Eiche für die Kulturscheune.

Von dem, was auf dem Hof passiert, sind nicht nur Schönings erstaunt und begeistert. Sonst kommen Gesellen ins Rathaus, um ihr Wanderbuch abstempeln zu lassen. Jetzt kam Bürgermeister Torsten Bauer für eine Begegnung zu den Handswerksgesellinnen und -gesellen. Und auch Matthias Riemer und Gernot Bollerhei von der Kreis-Sparkasse Northeim sind gekommen, um die Baustelle zu besichtigen. Die Sparkassenstiftung hat das Vorhaben mit Geld unterstützt.

Es fallen zwar keine Löhne an, weil die Gesellen ihre Arbeitskraft frei zur Verfügung stellen, aber Schönings müssen Kost und Logis sowie die Materialkosten übernehmen. Während der Hauptbauzeit von einem Monat werden wohl noch viele Wandergesellen dabei sein, manche bleiben auch nur ein paar Tage verweilen. (Gudrun Porath)

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