Unternehmer fühlt sich im Stich gelassen

Warten auf Reparatur: Haupteinfahrt an Uslarer Straße seit Monaten gesperrt

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Seit Juni abgesperrter Baustellenbereich: Der Uslarer Unternehmer Günter Brandt ist sauer, weil der Landkreis Northeim im Zuge der Sanierung der Wiesenstraße die Haupteinfahrt zu Teilen seines Betriebes auf dem Gelände der ehemaligen Ilse-Werke immer noch abgesperrt hat. Parallel zur Straße fließt der verrohrte Katzbach. Eine Stützwand sei nicht mehr tragfähig, heißt es.

Uslar. Monate wartet der Uslarer Unternehmer Günter Brandt schon darauf, dass die Rohre für den Katzbach unter der Haupteinfahrt zum ehemaligen Ilse-Werk III in Uslar repariert werden. Zuständig ist der Landkreis Northeim.

Über 70 Jahre passierten tagein, tagaus Dutzende Lastwagen den Hauptzugang zum Ilse-Werk III an der Wiesenstraße. Vor einigen Jahren hat das Uslarer Metallbauunternehmen von Günter Brandt 4000 Quadratmeter der ehemaligen Werkshallen gekauft. Darin befinden sich Lager und eine Lackiererei mit sieben Beschäftigten.

Brandt fertigt mit insgesamt 32 Beschäftigten Bauteile für das Baumaschinen-Unternehmen Volvo in Hameln und muss fast täglich liefern. Seit Einrichtung der Baustelle für die Sanierung der Wiesenstraße im Mai kann er seine Ein- und Ausfahrt – wie andere Betriebe auf dem Gelände auch – nicht mehr nutzen. Nachbar-Unternehmen und die Firma Ilse dulden seither eine Überfahrt über ihre Grundstücke. Das ist aber kein Dauerzustand.

Längst ist der erste Bauabschnitt zwischen dem Auschnippe-Kreisel und der Firmeneinfahrt abgeschlossen. Die Zufahrt ist aber nach wie vor dicht. Der Grund: Unter der Zufahrt ist der Katzbach parallel zur Straße verrohrt und in dem Bereich offenbar nicht mehr ganz in Ordnung.

Das sagt zumindest Volker Mäder vom Baumanagement der Stadt Uslar. Die Stadt sei nicht zuständig, weil es sich in dem Bereich um ein Grundstück des Landkreises Northeim und der Grundstückseigentümer handele. Bei der Planfeststellung sei der Bachdurchlass, in dem sich auch Leitungen befinden, aus seiner Sicht nicht richtig beachtet und bewertet worden. „Der Landkreis ist Haupteigentümer, der muss was machen“, sagte Mäder auf HNA-Anfrage.

Er und Bürgermeister Torsten Bauer seien beim Landkreis gewesen, um auf eine vernünftige Lösung zu drängen. Der Kreis habe zwischenzeitlich einen Statiker mit der Begutachtung beauftragt. Eine Ablastung der Überfahrt von unbegrenzt auf 7,5 oder sogar 2,5 Tonnen sei vorgeschlagen worden. „Das ist keine Option“, sagen Günter Brand und Volker Mäder unisono. Für Brandt würde das bedeuten, dass er seine Betriebsstätte nicht mehr beliefern könne, weil Metall schwer sei und hohe Tonnagen auf den Lkw geladen seien.

Die Stadt habe dem Kreis signalisiert, notfalls Geld etwa über die Wirtschaftsförderung als Zuschuss zu zahlen, damit die Überfahrt an der grundsanierten Wiesenstraße fach-und sachgerecht hergestellt wird und wie seit Jahrzehnten weiterhin eine lastenmäßig unbegrenzte Überfahrt gewährleistet ist.

Mäder und Brandt bedauern, dass der Kreis seit über sechs Monaten offenbar keinen Plan hat und an der Baustelle deshalb auch nichts passiert ist. „Das ist ein unhaltbarer Zustand“, sagt Brandt, der zudem vom Landkreis bisher nicht über die Probleme und über den Grund für die lange Absperrung der Einfahrt informiert worden ist, wie er sagt.

Das sagt der Landkreis Northeim

Die Zufahrt liegt im Verlauf des künftigen Radweges und teilweise auf dem kanalisierten Katzbach, bestätigt Landkreis-Sprecher Dirk Niemeyer auf Anfrage der Sollinger Allgemeine. Der Kreis werde als Baulastträger das kanalisierte Katzbachprofil im Bereich der Zufahrt mit Stahlbetonfertigteilen erneuern. Nach der Fertigstellung könne die Zufahrt wieder uneingeschränkt für jede Tonnage genutzt werden. Um sicherzustellen, dass der Radweg sowie die Überfahrt allen bautechnischen Anforderungen entspricht, wurde der Zufahrtsbereich statisch überprüft.

Das Ergebnis lag laut Niemeyer „bedingt durch die vorzunehmenden umfangreichen Untersuchungen an der Bestandskonstruktion“ erst im November vor. Laut Prüfbericht weist die Stahlbetonplatte über dem Katzbach keine ausreichende Bewehrung in Längs- und vor allem in Querrichtung auf. Zudem sei an den Bewehrungsstäben „ein massiver Abrostungsgrad“ zu erkennen, die laut Niemeyer zudem an den Auflagen nicht ausreichend verankert sind. Selbst nach einer Bewehrungssanierung würde der Statiker die Zufahrt nur noch für 2,5 Tonnen Gesamtlast freigeben. Sanierung unwirtschaftlich Eine Sanierung sei aufwendig und unwirtschaftlich und führe nicht zu einer Tragfähigkeitssteigerung. Deshalb werde der Bereich erneuert.

Die vom Kreis beauftragte Firma bereite derzeit die Erneuerungsmaßnahme vor. Weil die Bauteile jedoch noch bemessen und hergestellt werden müssen, werden die Arbeiten wohl erst im kommenden Frühjahr erfolgen. Kosten entstehen für die Grundstückseigentümer auf dem Ilse-Gelände und die Nutzer der Überfahrt nicht. Es handele sich zum einen um die bautechnische Sicherung des Radwegs im Bereich der Zufahrt und zum anderen sei der Landkreis gemäß dem Planfeststellungsbeschluss dazu verpflichtet, Zufahrten wieder herzustellen und im Bedarfsfall auch in gleichwertiger Bauweise neu herzustellen.

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