Problemen mit Callcenter der Ärzte-Bereitschaft

Altenpfleger aus Uslar: Warten statt Hilfe unter 116 117

Unser Symbolbild zeigt ein Telefondisplay mit den Ziffern des bundeseinheitlichen ärztlichen Bereitschaftsdienstes: .
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Nummer des Bereitschaftsdienstes: Unser Symbolbild zeigt ein Telefondisplay mit den Ziffern.

Über schlechte Erfahrungen mit der bundeseinheitlichen ärztlichen Bereitschaftsdienst-Nummer 116 117 berichtet Marco Hesler aus Uslar. Der

Uslar - Nach unserer Berichterstattung über einen Fall aus dem Landkreis schildert der 43-jährige examinierte Altenpfleger, der in einem Pflegeheim arbeitet, gleich mehrere Fälle und kritisiert, dass es mit dem beauftragten Callcenter und dem System erhebliche Probleme gebe.

So habe er am 25. Februar des vorigen Jahres die Hotline angerufen, weil eine Bewohnerin einen erhöhten Blutzuckerwert aufwies und er aufgrund des Wertes verpflichtet sei, einen Arzt wegen der geänderten Insulingabe zu konsultieren. Der Rückruf des Arztes kam erst über zwei Stunden danach, so spät sei der erst über 116 117 informiert worden.

Hesler berichtet, dass er wie auch nach dem jüngsten Fall von Harald Jeschonnek, Bezirksleiter der Kassenärztlichen Vereinigung in Göttingen, empfohlen, sich schriftlich, zum Beispiel per E-Mail, an die Kassenärztliche Vereinigung gewendet habe. Auf den in einer Mail geschilderten Vorfall aus dem Februar 2020 wartet Marco Hesler noch heute auf eine Antwort.

Fall Nummer zwei: Hesler rief im Dienst die 116 117 an, weil er einen Krankenwagen benötigte, der einen Bewohner, bei dem der Urin nicht abfloss, in die Urologie bringen sollte. Wieder musste er lange warten, bis die Verbindung zum Arzt, der Dienst hatte, zustande kam. Die Folge: Der Patient kam erst Stunden später in die Urologie und musste bis dahin große Schmerzen ertragen.

Fall Nummer drei: Hesler verlangte über 116 117, den diensthabenden Arzt in einem dringenden Fall zu sprechen. Aus dem Callcenter kam die Antwort, dass er nicht mit dem Arzt verbunden werden könne, der Arzt nur geschickt werden könne. Danach sei vonseiten des Callcenters einfach aufgelegt worden.

Der Altenpfleger aus Uslar schildert, dass allgemein beim Anruf 116 117 zuerst erhebliche Zeit darauf verwendet werde mit Ansagen zum Thema Corona und zum Datenschutz, bevor man in die Warteschleife geleitet werde und minutenlang warten müsse. Hesler fügt hinzu, dass auch viele Ärzte unzufrieden seien, vor allem, weil alles extrem lange dauere. Und das sei nicht nur hier im Landkreis ein Problem, sondern bundesweit.

Hesler erinnert sich daran, dass es diese vielen Probleme nicht gegeben habe, als man 116 117 anrief, bei der hiesigen Leitstelle landete und in wenigen Minuten entschieden wurde, ob ein Krankenwagen kommen, mit oder ohne Notarzt, ein Bereitschaftsarzt oder eine telefonische Auskunft ausreichte.

Hesler warnt in dem Zusammenhang zudem vor einem zu großen ärztlichen Bereitschaftsdienstbereich vom Vorharz bis zur Landesgrenze nach Hessen. Wenn man Pech hat, liege dann die diensthabende Apotheke noch in der entgegengesetzten Richtung. Hesler: „Es geht halt um die Wirtschaftlichkeit, nicht um die Gesundheit.“

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