Hilfsaktion

Welle der Hilfsbereitschaft bei Typisierungsaktion in Wiensen

Stammzellspende kann Leben retten: Besonders begehrt sind junge Spender wie die 18-jährige Clarissa Gröger, die aus Uslar nach Wiensen gekommen war, um sich für die Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen typisieren zu lassen.
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Stammzellspende kann Leben retten: Besonders begehrt sind junge Spender wie die 18-jährige Clarissa Gröger, die aus Uslar nach Wiensen gekommen war, um sich für die Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen typisieren zu lassen. Im DGH gab es zur Vermeidung von Kontakten ein Einbahnstraßensystem.

241 Menschen kamen zur Typisierungsaktion nach Wiensen.

Wiensen - „Geht nicht – gibt es nicht“, lautet das Motto von Jörg Grabowsky. Innerhalb von 14 Tagen hat der Schoninger mit Freunden und der Universitätsmedizin Göttingen eine Typisierungsaktion auf die Beine gestellt und 241 Menschen kamen am Wochenende, weil sie dem an Krebs erkrankten Frank Zindel, genannt Zetti, aus Wiensen helfen möchten.

Vier Familien aus Zindels Freundeskreis stehen hinter der Aktion. Doch die Helferschar war viel größer. 40 Freiwillige – darunter viele aus medizinischen Berufen – packten für die Typisierungsaktion am Samstag- und Sonntagnachmittag im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Wiensen mit an. Weitere Helfer standen sogar noch auf einer Warteliste.

Froh über die Initiative war Dr. Beatrix Pollok-Kopp von der UMG-Abteilung Transfusionsmedizin, die die Testung für die Knochenmark- und Stammzellenspenderdatei Göttingen (KMSG) vor Ort leitete. Für Pollok-Kopp war es die erste Aktion in der Region seit Beginn der Coronapandemie im März 2020. Dabei ist man dringend auf immer neue Stammzell-Spender angewiesen, um an Leukämie erkrankten Menschen helfen zu können. Denn mit 61 Jahren werden potenzielle Spender und Spenderinnen automatisch aus den Dateien gelöscht. Grund sei die zunehmende Wahrscheinlichkeit von Vorerkrankungen im höheren Alter, berichtete die Medizinerin. Außerdem sind Spenden jüngerer Menschen mit frischem Immunsystem für Patienten verträglicher.

Für 75 Prozent der Kranken finde sich in drei bis sechs Monaten ein passender Spender, so die Ärztin. Manchmal ist es aber sehr viel schwieriger und die Spendersuche darum so wichtig. Sie freue sich, dass Frank Zindel die Zustimmung zu der Aktion gegeben habe, sagte Pollok-Kopp. Zindel habe erst gar nicht gewollt, sich dann aber von den Ärzten überzeugen lassen, damit möglicherweise auch anderen Kranken geholfen werden kann, berichtete Grabowsky.

Um die Typisierung in Coronazeiten möglich zu machen, wurde im DGH ein ausgefeiltes Hygienekonzept umgesetzt. Im Einbahnstraßensystem ging es durch die Halle, wo parallel zueinander Teststationen aufgebaut waren. Nach der Erfassung der nötigen Daten warteten am nächsten Tisch Helfer, um mit einem Wattestäbchen einen Abstrich aus dem Mund zu nehmen und in wenigen Minuten standen die Spender wieder draußen. Mit noch weniger Kontakt ging es an der Drive-in-Station. Von der Ortsdurchfahrt aus konnte man im Auto vorfahren und zum Test sitzen bleiben.

Jörg Grabowsky freute sich jedoch nicht nur über die Menschen, die zur Typisierung kamen, sondern über Welle an Hilfsbereitschaft insgesamt. Etliche Leute seien gekommen, obwohl sie schon in einer Spenderdatei stehen, um einen Geldschein in die Spendenbox zu stecken.

Auf den Facebook-Aufruf habe es Reaktionen und Spenden aus ganz Deutschland gegeben. Und auch für Landkreis, Stadt und Polizei, die die Aktion genehmigen mussten, gab es Lob. Man habe offene Türen eingerannt, heißt es aus Wiensen.

Test im Auto: Corinna und Ronny Winkler aus Bollensen fuhren mit dem Auto vor, um sich testen zu lassen.

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