Vermutlich Werk eines Kriegsgefangenen

Forscher sucht Hinweise über Herkunft eines Gemäldes im Uslarer Museum

Die Bevölkerung ist gefragt: Für ein Gemälde aus dem Inventar des Uslarer Museum soll die Herkunft geklärt werden.

Uslar – Eigentlich war Dr. Christian Riemenschneider im Depot des Uslarer Museums auf der Suche nach einer Ehrenurkunde, die Kaiser Wilhelm einst für Friedrich Hartmann für dessen Verdienste bei der Bekämpfung des Herero-Aufstands in Afrika ausgestellt hatte. Gefunden hat er aber ein Bild, dessen Herkunft jetzt aufgeklärt werden soll.Aktuell forscht Christian Riemenschneider im Museum nach Inventar, dessen Herkunft (Provenienz) nicht eindeutig geklärt ist, insbesondere aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das Gemälde, das er jetzt gefunden hat, stammt laut auf den Rahmen geklebter Notiz aus dem Jahr 1944.

Vermutlich sei es von einem russischen Kriegsgefangenen gemalt worden, der im Lager III in Uslar untergebracht war und für die Ilse-Möbelwerke arbeiten musste. Gemalt wurde es demnach mit primitiven Werkzeugen auf Spanplatte. Das gesamte Bild ist außerdem mit Firnis überzogen, der Rahmen wurde nachträglich mit einem goldenen Streifen verziert.

Laut Museumsleiter und Stadtarchivar Dr. Daniel Althaus ist es zwar in einem früheren, von Heimatforscher Karl Witt erstellten Inventar zu finden, zur Herkunft machte Witt jedoch keine Angaben. Witt ordnete es der einstigen „Jägerstube“ des Museums zu und datierte es damit in den Ersten Weltkrieg. Dies halte man aber aufgrund der Notiz für unzutreffend, auch habe es im Ersten Weltkrieg nur wenige Kriegsgefangene in Uslar gegeben, so Althaus.

Das Bild des russischen Kriegsgefangenen ist laut Riemenschneider und Althaus ein Einzelstück. Viele Kriegsgefangene hätten damals kleine Tiere und Gegenstände aus Holz gebastelt und Miniatur-Zeichnungen angefertigt, um diese gegen Essen und Lebensmittel eintauschen zu können oder sich bei Menschen zu bedanken, die sie gut behandelt hätten.

So war es etwa in Amelith, berichtet Althaus. Im ehemaligen Gasthaus Koch hing jahrelang eine Postkarte mit einer Kohlezeichnung von Schloss Nienover, die ein Kriegsgefangener, der als Koch dort arbeitete, der Wirtin geschenkt hatte.

Für Christian Riemenschneider, der bereits in einigen Museen in Südniedersachsen geforscht hat, hat sich das Uslarer Museum zum Schatzkästlein der Provenienzforschung entwickelt. In den Depots schlummerten noch viele ungehobene Schätze ehemaliger Uslarer Einwohner von überregionaler Bedeutung wie zum Beispiel aus der Kolonialzeit, so Riemenschneider.

Der Forscher, der im Auftrag des Landschaftsverbandes Südniedersachsen unterwegs ist, freut sich, dass er in Uslar nicht nur von Daniel Althaus unterstützt wird, sondern auch von Bürgermeister Torsten Bauer. Ein Museum wie das in Uslar zu erhalten, sei wichtig und brauche den Rückhalt in Rat und Verwaltung, ist Riemenschneider überzeugt. Das funktioniert nicht überall. In Duderstadt, bedauert Riemenschneider, werde das Stadtmuseum gerade abgewickelt. Hinweise zur Herkunft des Bildes nehmen Christian Riemenschneider und Daniel Althaus unter Telefon 0 55 71/30 71 42 (Stadtarchiv) entgegen. Gudrun Porath

Bären und Hunde oder Wölfe im Wald: Das Bild aus dem Uslarer Museum zeigt eine Szene aus der Heimat des Malers, eines russischen Kriegsgefangenen.

Rubriklistenbild: © Gudrun Porath

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