Vom Werk Kupferhammer in Uslar ist nur noch der Name übrig

Uslar. Der Kupferhammer war eines der ältesten Relikte der Uslarer Industriegeschichte und ist heute völlig aus dem Stadtbild verschwunden. Nur der Name einer Straße erinnert noch an den einstigen Standort des Hammerwerks, in dem am Anfang Kupfer geschmiedet wurde.

Der Kupferhammer bestand schon im Jahr 1621 als Privatunternehmen und wurde auch nach dem Dreißigjährigen Krieg noch von der Familie Schowicht betrieben. 1696 wandelten ihn die Schowichtschen Erben in ein Stahlhammerwerk um, das aber nicht florierte. So boten es die Inhaber der Regierung in Hannover zum Kauf an. Der kam aber erst 1757 zustande. Zusammen mit der Ober- und der Unterhütte verfügte die Sollinger Hütte fortan über drei Standorte im Stadtgebiet.

Wasserrad war noch intakt

Wie ein Bericht des Uslarer Amtmanns Crauel andeutet, waren die Gebäude damals nicht mehr im besten Zustand. Wichtig war allerdings, dass das große Wasserrad noch intakt war. Das Wasser des Mühlengrabens setzte es in Gang und lieferte die benötigte Kraft, um das Hammerwerk in Bewegung zu setzen.

Der Kupferhammer: Die Postkarte von 1903 zeigt einen Blick von der Auschnippe hinauf auf das Hammerwerk. Foto: nh

Unter der Leitung der Sollinger Hüttenadministration schmiedete man zunächst wie in alten Zeiten Kupfer. Ein Hammerschmied und zwei Gesellen verarbeiteten dort in der Mitte des 18. Jahrhunderts etwa 400 Zentner Kupfer pro Jahr. Dies war möglich, weil ein neues „Wassergebläse“ dabei half, mit Hilfe der Wasserkraft zusätzliche Luft in die Essen der Schmiede zu blasen. Dadurch ließen sich mit einem Fuder Holzkohle als Brennstoff sechs Zentner Kupfer schmieden, während die Ausbeute ohne zusätzliche Luft nur bei drei Zentnern lag.

1830 wandelte man den Kupferhammer in ein Gussstahlwerk um und praktizierte dort den „Tiegelstahlguss“. Das heißt, dass der Stahl in relativ kleinen Tiegeln geschmolzen wurde. Der Ton, aus dem die Tiegel bestanden, kam aus einer Grube bei Schoningen.

1836 pachtete die Hütte diese Tongrube für jährlich zehn Taler von dem Schoninger Heinrich Fischer und dem Pfeifenmacher Christmann aus Uslar. Den flüssigen Stahl goss man dann aus den Tiegeln in Formen oder schmiedete ihn zu Stangen aus, bevor er in den Handel kam.

Bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg waren die Tiegelöfen in Betrieb. Dann ersetzte man sie durch einen „Martinofen“ der effektiver arbeitete. So konnte der Gussstahl in größeren Mengen produziert werden. Da allerdings der Betrieb des Ofens durch die aufwändige Anfuhr der Rohstoffe mit Pferdegespannen sehr teuer war, verlegte man diesen Teil der Produktion schon 1916 auf die Oberhütte, die über einen eigenen Bahnanschluss verfügte.

1932 kaufte Ilse das Gelände

1932 erwarb schließlich die Firma Ilse das Gelände des stillgelegten Kupferhammers von Anna Bothe, der damaligen Besitzerin der Sollinger Hütte, um dort die Ilse-Siedlung auszubauen. Die alten Gebäude mussten diesen Plänen dann nach und nach weichen.

Museum Uslar, Sonderausstellung 300 Jahre Eisenverarbeitung in Uslar bis zum 15. November, Dienstag bis Donnerstag und Samstag bis Sonntag jeweils von 15 bis 17 Uhr, Freitag von 10 bis 12 Uhr.

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