Eröffnet am 4. Mai 1910, geschlossen am 30. Juni 2016

Wienser Gasthaus Goldener Löwe schließt nach über 100 Jahren

+
Bild aus längst vergangenen Tagen: So sah der Gastraum im goldenen Löwen in den 1930er Jahren aus. Bis zur Schließung war es eine traditionelle Dorfgastwirtschaft.

Wiensen. Zuletzt kamen an drei Tagen noch ein paar Stammgäste. Und auch in der Wursteproben-Woche im Oktober war noch was los im Wienser Gasthaus Zum goldenen Löwen.

„Davon leben kann man schon länger nicht mehr“, sagt Inge Röber (82) die am 30. Juni die Dorfgaststätte geschlossen hat.

Eröffnet wurde der Löwe am 4. Mai 1910 von Carl Röber, der als Glasbläser aus Amelith kam, und das 1907 von Ernst Paulmann erbaute Haus mit Gast- und Logierwirtschaft aus einer Zwangversteigerung von der Brauerei kaufte. Zum Start gab es damals viel Freibier, wie auf der Eröffnungs-Anzeige zu lesen ist.

Im Haus direkt an der Straße war der urige Gastraum der Mittelpunkt. Viele Jahrzehnte lang belebten örtliche Vereine aber auch den Clubraum und den Saal. Da wurden Kirmes, Tanzvergnügen und Bälle gefeiert, Theatervorstellungen und Familienfeiern fanden dort statt. Artur und Henny Röber übernahmen den Betrieb vom Vater, Artur starb jedoch 1959 im Alter von 57 Jahren.

Dann waren der einzige Sohn Karl-Heinz Röber und seine Frau Inge gefragt. Die lebten damals in Australien, und kamen nach einer vierwöchigen Schiffsreise mit den Söhnen Glenn (60) und Ralph (58) nach Wiensen, um den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Inge Röber stammt aus Bochum und war als Au-pair-Mädchen in Australien. Sie lernte ihren Mann Karl-Heinz auf der Schiffsreise nach Australien „kennen und lieben“, wie sie sagt.

Familienbetrieb

Feierabend am Zapfhahn: Inge Röber sah keine Zukunft mehr für den Weiterbetrieb ihres Gasthauses Zum goldenen Löwen. Jetzt ist das urige Gasthaus, das 1910 eröffnet wurde und eine lebhafte Geschichte hat, geschlossen.

Sofort nach der Rückkehr am 30. März 1959 mussten Inge und Karl-Heinz Röber in der Gastwirtschaft ran. „Nach und nach wurde ich mit den Arbeiten vertraut“,erinnert sich Inge Röber, die seit 2001 Witwe ist. Neben der Gaststätte wurde auch bis 1974 ein Edeka-Laden nebenan im gleichen Haus betrieben. „Wir sind eigentlich immer gute Zuhörer gewesen“, sagt Inge Röber zum Erfolg des Hauses in den Glanzzeiten des Familienbetriebs, als der Gastraum und vor allem die Theke an mehreren Tagen in der Woche voll besetzt war.

Seit dem Tod von Karl-Heinz Röber, der einige Jahre lang bis zur Gebietsreform 1974 Gemeindedirektor in Wiensen war und außerdem Vorsitzender des TSV, Karnevalspräsident und sich im Handballsport als Funktionär engagierte, haben neben den beiden Söhnen auch die in Uslar geborene Tochter Maren (46) oft im elterlichen Betrieb mitgeholfen.

Eine ganze Zeit lang sträubte sich Inge Röber „aus Verpflichtung zum Haus“, wie sie sagt, gegen die Schließung. Jetzt sei es aber an der Zeit. Nun will sie die Übergabe des Hauses an die Kinder regeln, dann sei der „goldene Löwe“ Geschichte.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.