Eine Barriere weniger: Der Zaun um die Flüchtlingsunterkunft ist weg

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Alle packen an: Flüchtlinge, Uslarer und Arbeiter-Samariter-Bund bauten am Dienstag den Bauzaun vor der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Krankenhaus wieder ab, vorn (von links) Bernd Tänzer mit seinen Freunden Hermann Wegener und Heinz Holze. Auch Marcel Arndt, Leiter der Unterkunft (zweiter von rechts), half mit.

Uslar. „Das ist mein schönstes Weihnachtsgeschenk“, sagt Bernd Tänzer und trägt am Montagvormittag mit anderen Helfern ein Zaunteil vorm ehemaligen Krankenhaus in Uslar weg.

Der umstrittene Bauzaun rund um die Flüchtlingsunterkunft mit Sichtschutz ist seither abgebaut.

Der Uslarer Pensionär Tänzer hatte sich über den Zaun um die Unterkunft aufgeregt und einen Leserbrief an die HNA geschrieben. Ganz viele Menschen hätten sich daraufhin bei ihm gemeldet und bestätigt: Der Zaun sei hässlich und bedeute Abschottung. Doch mehr sei nicht passiert.

Dann schickte Tänzer dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Betreiber der Uslarer Flüchtlingsunterkunft, eine E-Mail und hängte ein Foto mit der Ansicht des Hauses und dem Zaun davor an. Daraufhin meldete sich Landes-Hauptgeschäftsführer Hans Dieter Wollborn und verabredete sich mit Tänzer vor Ort in Uslar und entschied: Der Zaun kommt weg.

Allgemeine Zustimmung

Bernd Tänzer rief daraufhin Freunde an und half mit Flüchtlingen und ASB-Mitarbeitern höchstpersönlich beim Abbau. Gemeinsam war die Arbeit in weniger als einer Stunde erledigt. Das führte allgemein zu Zustimmung.

So befürwortete vor allem die Polizei den Abbau. Uslars Polizeichefin Martina Stülzebach sagte, dass es bisher keine Vorfälle im Zusammenhang mit Flüchtlingen gab und sich in Uslar alles zu einem friedlichen Miteinander entwickelt habe. Deshalb habe die Polizei nichts gegen den Zaun-Abbau.

Die Polizei-Chefin sagte aber auch, dass zum Sicherheitskonzept für Flüchtlingsunterkünfte Einfriedungen an sich dazugehörten. Das bestätigte auch ASB-Sprecherin Maren Schimkowiak: Der Zaun diene zum Schutz der Privatsphäre der Flüchtlinge: Sie sollen in Ruhe ankommen können und unter anderem davor geschützt werden, zum Beispiel dabei fotografiert zu werden. Deshalb habe der ASB auch in Uslar den Bau eines Zauns angeordnet.

Nach zwei Wochen habe sich in Uslar alles soweit relativiert und laufe gut, dass die Entscheidung zum Abbau gefällt werden konnte, sagte Maren Schimkowiak. Der ASB freue sich auch für Bernd Tänzer, dass damit für ihn ein Weihnachtswunsch erfüllt werde.

In der Uslarer Unterkunft funktioniere alles. Unterkunftsleiter Marcel Arndt ging am Montag sogar noch weiter: Ohne die ehrenamtliche Hilfe vor Ort wäre der ASB in Uslar noch lange nicht so weit wie jetzt. Arndt freute sich über täglich neue Errungenschaften bei der Herrichtung der Flüchtlingsunterkunft. Letztlich bringe der Einsatz aller alle zu dem einen Ziel: Den Flüchtlingen eine menschwürdige Unterbringung zu geben, damit sie sich auf lange Sicht integrieren können.

Auch Uslars Bürgermeister Torsten Bauer begrüßte den Abbau des Zauns: Aus Sicht der Stadt gibt es bisher keine Probleme mit den Flüchtlingen.

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