Zeitung im Untertanenstaat

HNA-Serie zu den Anfängen der „Sollinger Nachrichten“ vor 150 Jahren

Erste Ausgabe: Museumsleiter Daniel Althaus mit der ersten Ausgabe der Sollinger Nachrichten vom 2. Dezember 1863. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Uslar. Als im Jahr 1863 erstmals die „Sollinger Nachrichten“ erschienen, waren die Bewohner des Sollings noch Untertanen des Königs von Hannover. Sowohl der damals regierende König Georg V. (1851 -1866) wie auch sein Vater, König Ernst-August (1837-1851), standen einer freien Presse in ihrem Land ablehnend gegenüber.

Seit 1705 gab es in Hannover eine Pressezensur, die zwar 1848 unter dem Druck der Revolution aufgehoben, aber in den Folgejahren schleichend wieder eingeführt wurde. Jede Druckschrift musste demnach der Zensur vorgelegt werden und vor ihrem regelmäßigen Erscheinen eine Kaution von 2500 bis 5000 Talern hinterlegt werden.

Unter diesen Vorzeichen kam 1861 ein „Wochenblatt der Stadt Uslar sowie der Flecken Adelebsen, Bodenfelde und Lauenförde“ auf den Markt, das der Drucker und Verleger C. Wallbrecht in Uslar herausgab. Das Wochenblatt hatte vier Seiten im Format 23 x 29 Zentimeter und erschien mittwochs und sonnabends. Der Ausgabe am Sonnabend lag ein „Sonntags-Blatt“ gratis bei. Als Wallbrecht im Frühjahr 1863 starb, ruhte die Herausgabe einige Monate.

Am 2. Dezember 1863 lieferte der Verlag der Buchdruckerei H. C. L. Klapproth in Uslar dann die erste Ausgabe der „Sollinger Nachrichten – Wochenblatt der Stadt Uslar sowie der Flecken Adelebsen, Bodenfelde und Lauenförde“ aus. Auch die neue Zeitung erreichte die Leser zunächst nur zweimal wöchentlich. Dass sich die Sollinger Nachrichten in der Tradition des Uslarer Wochenblatts sahen, zeigt der identische Untertitel, sowie der Aufdruck „3. Jahrgang“ auf der ersten Ausgabe.

Werbung anno 1863: So sah eine der Anzeigen aus, die in der ersten Ausgabe der Sollinger Nachrichten erschien.

Das Uslarer Wochenblatt und die Sollinger Nachrichten schlossen einen weißen Fleck in der damaligen Presselandschaft in unserer Region. Bereits 1810 wurde das Einbecksche Wochenblatt gegründet und 1831 das Northeimer Wochenblatt. Bei der damaligen schlechten Infrastruktur war es jedoch diesen Blättern kaum möglich, den Bereich des Sollings mit abzudecken.

So heißt es denn auch in der Vorrede der ersten Ausgabe der Sollinger Nachrichten, dass dieses Blatt den „sämtlichen Bewohnern des Sollings“ gewidmet sei und „geben wir zugleich das Versprechen, die Special-Angelegenheiten dieses Districts vor Allem in den Kreis unserer Besprechungen zu ziehen, hoffend, dadurch auf ein erhöhtes Interesse Uslars wie der ganzen Umgegend Anspruch machen zu dürfen“. Die Redaktion versprach ihren Lesern außerdem „in rascher und wahrheitsgetreuer Weise von allen wichtigen Vorkommnissen des In- und Auslandes“ zu berichten.

Der erste Absatz der neuen Zeitung schließt mit dem Satz: „Und so übergeben wir denn das Blatt dem Publikum; möge das Unternehmen freundlichst aufgenommen werden und wachsen und gedeihen; möge es ihm vergönnt sein, einen recht thätigen Anteil an dem Wohl und der Bildung unserer Bevölkerung zu nehmen, dann erfüllt es seinen Zweck!“

Von Daniel Althaus

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