Zwei Universitäten ehren Uslarer Rabbiner Kahlberg

Gehörte viel Jahre zum Uslarer Stadtbild: Das Kaufhaus Kahlberg (links), heute McGeiz. Foto: nh

Uslar. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erfolgte die systematische Einschränkung der Rechte der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich.

Dazu gehörten die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft im Falle einer Emigration ins Ausland und seit 1934 der Entzug der an deutschen Universitäten erworbenen Doktorgrade.

Zu dem von diesem Personenkreis gehörte auch der in Uslar geborene Rabbiner Dr. Albert Kahlberg, der 1906 an der Philosophischen Fakultät der schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Breslau mit der Schrift „Die Ethik des Bachja ibn Pakuda“ promoviert wurde. Ihm wurde 1940 der Doktorgrad entzogen.

Auf Anregung des Dresdner Historikers Kai Kranich befassten sich die Uniwersytet Wroclawski und ihre Partneruniversität Köln mit dieser Problematik. Da es aus juristischen Gründen heute nicht möglich ist, die aberkannten wissenschaftlichen Grade wieder zu verleihen, entwarfen beide Universitäten eine Erklärung zur Ehrung derjenigen Personen, denen aus politischen und rassistischen Gründen die akademischen Grade entzogen wurden.

Am 22. Januar fand in der Universytet Wroclawski in Polen ein Festakt statt, in dem die aberkannten Doktorgrade summarisch zurückgegeben wurden und das von den Nationalsozialisten begangene Unrecht bedauert wurde. Während des Festaktes wurde unter anderem auch die Biografie Dr. Albert Kahlbergs verlesen.

Die Uniwersytet Wroclawski bekennt sich zur Geschichte und Tradition der früheren Breslauer Universität, ist aber nicht deren Rechtsnachfolgerin.

Albert Abraham Kahlberg wurde 1883 als Sohn des jüdischen Kaufmannsehepaares Joseph und Röschen Kahlberg in Uslar geboren. Da seine „Eltern früh starben, wurde er in Bad Kreuznach in der Familie seiner älteren Schwester Rahel aufgezogen. Sie war mit einem Rabbiner verheiratet.

Nach dem Abschluss der Schulausbildung zog er nach Breslau, um am Rabbinerseminar und der Philosophischen Fakultät der Universität zu studieren. Dort lernte er seine spätere Frau Katharina Weiss kennen. Aus der Ehe ging der Sohn Josef Heinz hervor.

1911 wurde Albert Kahlberg als Rabbiner nach Halle an der Saale berufen. In der Pogromnacht 1938 musste er untätig zusehen, wie die Synagoge seiner Gemeinde niedergebrannt wurde. Er selbst wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert.

Freunde aus seiner Studienzeit in Breslau, darunter auch der Göteborger Rabbiner Loeb, unterstützten ihn und verhalfen ihm zu einer Einreiseerlaubnis nach Schweden. Als Flüchtling ohne Arbeitserlaubnis wurden sie von der dortigen jüdischen Gemeinde unterstützt und führten ein einfaches Leben.

1962 siedelten Albert und Katharina Kahlberg nach Hamburg um und lebten dort in einem koscher geführten Altersheim. Albert Kahlberg starb 1966 während eines Gottesdienstes in der dortigen Synagoge. Sein Sohn Josef Heinz besuchte in den achtziger und neunziger Jahren regelmäßig Uslar und hielt dort Vorträge über das Schicksal seiner Familie.

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