Herbergsverband verteidigt Vorgehen

Kein Happy-End: Uslarer Jugendherberge schließt

Ab heute geschlossen: Die Uslarer Jugendherberge. Archivfoto: Dumnitz

Uslar. Die Jugendherberge Uslar macht heute dicht. Das Der Standort Uslar wird am 31. Januar aufgegeben, sagte Margit Behrens-Globisch, Vorsitzende des DJH-Landesverbandes Hannover, auf Anfrage und bestätigte damit die bisher schon eindeutigen Schließungsbekundungen.

Der Beschluss sei unumstößlich. Das Gebäude werde der Stadt Uslar wieder übertragen, sagte die Vorsitzende, die erste Stadträtin in Holzminden ist, zum Procedere und den Besitzverhältnissen. Es gehöre nach wie vor der Stadt Uslar.

Minus von 158.000 Euro

Der Grund für den Rückzug des Jugendherbergswerks aus Uslar ist und bleibt finanzieller Natur, berichtet Margit Behrens-Globisch und spricht von „eindeutigen Einnahmeverlusten in einer Größenordnung, die es für uns nicht mehr vertretbar erscheinen lassen, das Haus weiterzuführen“.

Es sei auch nicht zu rechtfertigen, dass die Herberge von Mitgliedsbeiträgen oder gar Gewinnen aus anderen Häusern getragen werde. Behrens-Globisch spricht von einem Fehlbetrag von 90.000 Euro allein im vergangenen Jahr. In der so genannten Vollkostenrechnung, die auch Investitionen beinhalten, betrage das Minus laut Vorsitzender 158.000 Euro für das Jahr 2012.

Es würde im Herbergsverband Niedersachsen keinen anderen Standort geben, der so schlecht abschneidet, sagte Behrens-Globisch. Das habe auch mit der Leitung des Hauses nichts zu tun. Die Herbergsleitung könne keine schlechten Rahmenbedingungen kompensieren.

Uslar nicht mehr gebucht

Die Vorsitzende bringt es aus ihrer Sicht und mit den Erfahrungen ihres Verbandes auf den Punkt: Der Standort Uslar erreiche die bisherigen Zielgruppen nicht mehr. „Die Gruppen buchen Uslar einfach nicht mehr“, sagt die Landesverbandschefin. Das sei ein Prozess, der schon seit Jahren erkennbar gewesen sei. Und der Landesherbergsverband sei ein Wirtschaftsunternehmen, das sich das Minusgeschäft in Uslar nicht leisten könne.

Uslars Bürgermeister Torsten Bauer berichtet, dass der Vorstand des Herbergverbandes zum 1. Februar über Landrat Michael Wickmann eingeladen worden sei. Das Herbergswerk aber habe die Abstimmung über die Einladung vertagt und wollte sich noch melden. Bauer habe an dem Termin festgehalten und fordert, dass die Herberge zumindest im Standby-Betrieb weiterlaufen müsse. Er habe den Verband schon mehrfach dazu aufgerufen, weil es aber keine Reaktionen gab, habe er jetzt die hiesigen Landtagsabgeordneten und das Innenministerium eingeschaltet.

Das sei sein gutes Recht, kommentierte die Vorsitzende Behrends-Globisch Bauers Vorgehen, fügte aber sogleich hinzu, dass für den Verband kein Standby-Betrieb wegen der laufenden Kosten in Frage komme.

Verband gibt Haus an Stadt zurück

Die weitere Abwicklung mit der Übergabe des Gebäudes an die Stadt Uslar müsse noch terminiert werden. Das sei aber eine rein administrative Angelegenheit, sagte Behrens-Globisch vom Landesherbergsverband.

Ergebnislos verlaufen sind auch die Bemühungen einer Initiativgruppe um Eberhardt Tegtmeyer zum Erhalt der Uslarer Herberge. Auch die Briefe der SPD-Bundestagsabgeordneten Gabriele Lösekrug-Möller (Hameln) und des SPD-Landtagsabgeordneten Uwe Schwarz (Bad Gandersheim) an den Herbergsverband und seine Vorsitzenden blieben unbeantwortet.

Was die Stadt Uslar jetzt mit der Herberge macht, ist ungewiss. 

Chronik der Jugendherbergen in Uslar

Die Geschichte der Jugendherberg Uslar beginnt 1923: Damals richtete das 1904 gegründete Deutsche Jugendherbergswerk auf dem Hausboden der Uslarer Schule eine Herberge ein. Sie bestand aus 20 Betten mit Strohsäcken und Decken, berichten die Sollinger Nachrichten im Februar 1927.

Am 11. Mai 1930 wurde eine neue Jugendherberge auf dem Kupferhammer eingeweiht. Der Neubau mit 60 Betten kostete 60.000 Reichsmark. Es war das fünfte Heim im Herbergswerk-Gau Hannover.

Das Haus bestand bis 1983: Es wurde wegen Sanierungsbedürftigkeit im Oktober 1983 stillgelegt und im Winter abgerissen. Der Rat der Stadt Uslar hatte 1976 einen Grundsatzbeschluss über einen Neubau beschlossen. Im Juni 1984 begannen die Arbeiten für den Neubau mit seiner auffallenden Architektur des Haupthauses und der fünf Pavillons mit 100 Betten, am 25. Oktober 1985 wurde Einweihung gefeiert. Die Stadt Uslar errichtete die Jugendherberge für 4,5 Millionen DM in eigener Trägerschaft.

Von da an ging es aufwärts: 1995 wurden erstmals über 15.000 Übernachtungen gezählt. Bis dahin waren Christa und Peter Neumann Herbergseltern, ihre Nachfolge traten damals Erich und Sylvia Meier an. Die letzten 18 Jahre leitete Sylvia Meier die Herberge. Sie hat jetzt die Leitung der Jugendherberge Silberborn übernommen. (fsd)

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