Uslars berühmtester Sohn: Laves wirkt bis heute nach

Arbeiteten gemeinsam an der Laves-Ausstellung: Die Lehrer Wolfgang Czwikla und Inga Jörn-Weinreis von der Sollingschule-Oberschule Uslar sowie Fritz Trillhaas, der sie in seiner Zeit an der ehemaligen Realschule konzipiert hatte. Den Schülern war im Unterricht der große Brand der Stadt besonders nahe gegangen. Sie bereichern die Ausstellung mit Zeichnungen, wie sie sich das flammende Inferno vorstellen. Foto: Porath

Uslar. Er hat den „Laves-Balken“ erfunden und gilt als Uslars berühmtester Sohn. Am Montag eröffnete die Ausstellung „Leben und Wirken des Königlichen Oberhofbaudirektors Georg Ludwig Friedrich Laves“ in der St.-Johannis-Kirche.

Den Altarraum der Kirche prägt derzeit ein ungewöhnliches Bild. Zu sehen sind dort viereckige Säulen aus Pappe, die mit vielen Bildern und Zeichnungen Zeugnis geben vom Wirken und Leben des Hannoverschen Oberhofbaudirektors Georg Friedrich Laves, der 1788 als Pastorensohn in Uslar geboren wurde.

Noch einen anderen Bezug gibt es zu der Kirche, berichtete Pastor Burkhard Stimpel in seiner Eröffnungsrede. Die Kirche in ihrer aktuellen Form habe man Laves zu verdanken, der sie 1843 umgestaltete. Den Pastoren habe es die Oblaten vom Altar geweht, so zugig und ungemütlich sei die Kirche vorher gewesen, berichtete Stimpel. Dicke gemauerte Säulen im Mittelschiff versperrten der Gemeinde den Blick, eine Empore gab es nicht.

Schmale Säulen in der Kirche

Laves nutzte seine Kenntnisse, die er auf vielen Reisen gewonnen hatte, und ersetzte die gemauerten Säulen durch die noch heute vorhandenen schlanken gusseisernen Säulen, wie man sie in englischen Industriebetrieben verwendete. Sie sind eine besondere Rarität, denn Laves hatte sie nur noch in der Hannoverschen Aegidienkirche benutzt, deren Inneres heute nicht mehr erhalten ist. Auch die imposante Gewölbedecke aus Holz und die große Empore seien dem Baumeister zu verdanken.

Wie sehr der berühmte Architekt und Stadtplaner mit seiner Heimatstadt verbunden war, hatte sich bereits nach dem großen Brand 1819 gezeigt. Die Uslarer Einwohner waren gerade bei der Kartoffelernte, als innerhalb weniger Stunden 76 Häuser ein Raub der Flammen wurden und 456 Menschen ohne Dach über dem Kopf zurechtkommen mussten. Laves sammelte beim Herzog von Cambridge und gab der Stadt ein persönliches Darlehen, um den Wiederaufbau schnell zu beginnen.

Als Motor und Herz der Ausstellung ehrte Stimpel Fritz Trillhaas. Er hatte die Ausstellung bereits vor Jahren als Lehrer der ehemaligen Realschule konzipiert und jetzt aktualisiert. Sichtlich bewegt nahm er als Dank eine Flasche Wein entgegen.

Insgesamt, so Pastor Stimpel, sei es aber eine Gemeinschaftsarbeit, an der neben Trillhaas die Kirchengemeinde, die Solling-Oberschule sowie die Kreis-Sparkassen-Geschäftsstelle Uslar und der Literatur- und Kunstkreis sowie die Northeimer Firma Thimm als Sponsor der Pappsäulen beteiligt waren. (yp)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.