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Verfahren zum Überschwemmungsgebiet Ahle wird wiederholt

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Von: Frank Schneider

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Momentaufnahme beim Hochwasser im November 2010: Damals stieg das Wasser des Rehbaches im Bereich der Fußgängerbrücke Bollensen innerhalb von Minuten so stark an, dass Gebäude im Überflutungsgebiet vollzulaufen drohten. ARCHIVFOTOS: JÜRGEN DUMNITZ
Momentaufnahme beim Hochwasser im November 2010: Damals stieg das Wasser des Rehbaches im Bereich der Fußgängerbrücke Bollensen innerhalb von Minuten so stark an, dass Gebäude im Überflutungsgebiet vollzulaufen drohten. ARCHIVFOTOS: JÜRGEN DUMNITZ © Jürgen Dumnitz

Uslar – Das Verfahren zur vorläufigen Sicherung und Festsetzung des Überschwemmungsgebiets Ahle und der Nebengewässer wird wiederholt. Das hat Uslars Bürgermeister Torsten Bauer am Dienstagabend während der öffentlichen Sitzung des Wirtschafts-, Umwelt- und Entwicklungsausschusses mitgeteilt.

Grund dafür ist auf Nachfrage laut Bauer, dass die Stadt als Eingabe einen Fragenkatalog an den Landkreis Northeim als Herr des Verfahrens geschickt habe, hinzu kämen Stellungnahmen der Ortsräte, sodass noch so viele Fragen offen seien, dass der Landkreis reagiert und einer Wiederholung zugestimmt habe.

Der Landkreis Northeim hat gestern gegenüber der Sollinger Allgemeine bestätigt, dass die Auslegung der geplanten Verordnung sowie der Übersichts- und Arbeitskarten zur Festsetzung des vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebietes der Ahle und der dazugehörigen Nebengewässer wiederholt wird.

Der Kreis fügt hinzu, dass das Verfahren bis zur erneuten Auslegung ruhe. Den Zeitraum der erneuten Auslegung werden der Landkreis Northeim und die Stadt Uslar vorab öffentlich bekannt geben, heißt es.

Fest stehe laut Uslars Bürgermeister, dass am Montag, 30. Januar, ab 10 Uhr auch ein Ortstermin an der Unterhütte in Uslar mit Vertretern des Landkreises festgelegt worden sei.

Hintergrund ist, dass Überschwemmungsgebiete wie das für die Ahle gesetzlich gefordert sind. Sie werden normalerweise alle 30 bis 40 Jahre aktualisiert, berichtete Diethelm Breker vom Baumanagement der Stadtverwaltung während der Sitzung am Dienstagabend im Rathaussaal.

Für das Überschwemmungsgebiet Ahle sei das aus bestimmten Gründen aber schon über 100 Jahre nicht passiert, erklärte Breker, ohne die Gründe zu nennen: Das alte stammt jedenfalls aus dem Jahr 1912. Im neuen müssen die genauen Ausmaße bei einem bestimmten Hochwasserabfluss ermittelt und dann amtlich festgelegt werden, berichtet Breker in einem Kurzvortrag.

Dabei geht es einzig darum, wie sich ein sogenanntes hundertjähriges Hochwasser auswirkt, hier im Bereich der Ahle und der Nebengewässer Malliehagenbach, Martinsbach und Rehbach I.

Diethelm Breker
Diethelm Breker © Jürgen Dumnitz

Im Blickpunkt steht dabei unter anderem die Wiesenstraße in Uslar, in der sich seit 1912 viel verändert hat und ein Hochwasser sich anders auswirkt als vor 100 Jahren. Ein Überschwemmungsgebiet wird durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ermittelt. Dabei werden Aufmaße, Geländemodelle, Abflussdaten und Luftbilder (darunter auch Daten aus dem Uslarer Hochwasserschutzkonzept) gesammelt und für eine hydraulische Modellierung verwertet. Daraus entstehen dann die Karten der Überschwemmungsgebiete.

Liegen die Karten vor, so erklärte Breker die Vorgehensweise, erfolge die vorläufige Sicherung durch das NLWKN, danach die Prüfung der Daten durch den Landkreis Northeim als Verfahrensträger und danach die Festsetzung. Damit verbunden ist ein Beteiligungsverfahren für alle Betroffenen wie die Stadt Uslar und Anwohner.

In seinem Vortrag machte Breker im Fazit deutlich, dass beim Überschwemmungsgebiet die rein rechnerische Betrachtung zugrunde liegt, es nur um den Ist-Zustand geht, den Schutz von Retentionsräumen (Flächen, die bei Hochwasser überschwemmt werden) und um den Schutz künftiger Bebauung.

Im Vergleich dazu hob Breker hervor, dass bei einem Hochwasserschutzkonzept auch eine rechnerische Betrachtung zugrunde liegt, es dann aber um die Ermittlung möglicher Maßnahmen, die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und den Schutz bestehender Bebauung gehe.  fsd

» HINTERGRUND: Das gilt für ein Überschwemmungsgebiet

Diethelm Breker vom Baumanagement der Stadt Uslar verdeutlichte in seinem Vortrag am Dienstag im Wirtschafts-, Umwelt- und Entwicklungsausschuss außerdem die Rechtswirkungen der vorläufigen Sicherung und gesetzlichen Festlegung von Überschwemmungsgebieten: So sind dort neue Baugebiete untersagt, ebenso die Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen, Grünlandumbruch, das Erhöhen oder Vertiefen der Erdoberfläche, die Lagerung wassergefährdender Stoffe außerhalb von Anlagen und der Bau neuer Heizölverbraucheranlagen.

Ausnahmen sind nur mit Zulassung der Unteren Wasserbehörde (des Landkreises) gestattet und können dann erteilt werden, wenn nachgewiesen wird, dass die Hochwasserrückhaltung nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt wird und außerdem der Wasserstand und der Abfluss sich bei Hochwasser nicht nachteilig verändern, der bestehende Hochwasserschutz nicht beeinträchtig und „hochwasserangepasst“ vorgenommen werde, hieß es. fsd

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