Namibia-Experte Schreckenbach berichtet von den Buschleuten

Das vergessene Volk

Erinnerungsfotos: Solche Motive von den Buschleute brachte Helmut Schreckenbach von seinen 40 Afrika-Reisen mit. Foto: nh

Uslar. Namibia ist das Land seiner Träume, das ihn auch im hohen Alter nicht loslässt. 40 Mal ist Helmut Schreckenbach (90) dorthin gereist. Bei diesen Reisen begleiteten ihn oft Gruppen aus Uslar, die er zu den Schönheiten dieser Region führte. Und er lernte auch das heute fast vergessene Volk kennen: Die Urbevölkerung. Es sind die Buschleute, über deren Kunst derzeit eine hochkarätige Ausstellung im Uslarer Museum zu sehen ist.

Schreckenbach berichtet, dass er immer wieder auf Buschleute traf, die perfekt an das Leben in ihrer trockenen Heimat angepasst sind. „Brunnen gibt es dort kaum,“ erzählt er, „Wasser hat man nur, wenn es regnet“. Um trotzdem nicht verdursten zu müssen, füllen die Buschleute Wasser in leere Straußeneier, die sie gut verschlossen im Sand vergraben.

Eine andere Möglichkeit an Wasser zu gelangen, bieten die Affenbrotbäume. Diese Malvengewächse lassen sich anbohren und geben dann das in ihnen gespeicherte Wasser frei.

Einblick gewährten die relativ kleinwüchsigen Buschleute auch in ihre ausgefeilten Jagdtechniken. „Besonders fasziniert bin ich von den überragenden Fähigkeiten der Buschleute als Fährtenleser“, berichtet Schreckenbach. Diese Kunst der Jäger und Sammler ist Fluch und Segen zugleich. Die verschiedensten Militärs nutzten das Wissen für ihre Zwecke, vertrieben die Buschleute aber wieder, wenn ihre Fähigkeiten nicht mehr gebraucht wurden.

Verdrängt und versklavt

Die Geschichte der Buschleute ist ohnehin eine Geschichte der Ausbeutung und Unterdrückung. Schon vor der Kolonialzeit wurden sie von anderen afrikanischen Stämmen verdrängt und versklavt. Heute leben etwa zwölf verschiedene Stämme in Namibia, so dass die Buschleute nur noch eine Minderheit darstellen.

Die Europäer machten dann vor allem in der englischen Kolonie Südafrika regelrecht Jagd auf sie und zahlten sogar Abschussprämien. Heute werden die Buschleute auf den Farmen zumeist geduldet, in vielen Naturschutzgebieten dürfen sie auf traditionelle Art für ihren Eigenbedarf jagen. Allerdings wird wenig getan, um ihre Kultur und ihr Wissen zu sichern. Aids und Alkoholismus sind große Probleme, die viele Todesopfer unter ihnen fordern.

Einige Farmer, wie Reinhard Friedrich in der Nähe des namibischen Orts Tsumeb, versuchen die Buschleute sesshaft zu machen und ihnen Arbeit zu geben. Das südafrikanische Projekt Bushman-Art ist der Versuch, ihre Kunst und Symbolsprache zu erfassen und im Rest der Welt bekannt zu machen. (bf) Museum Uslar, Sonderausstellung: Das vergessene Volk. Bushman-Art aus Südafrika, Dienstag bis Sonntag von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 05571-307142, E-Mail: althaus@uslar.de

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